[ Hamburger Abendblatt vom 6.7.2018 ]

Schüler des Eckhorst-Gymnasiums an der Sprachdusche am Dorfteich, der von vielen Bargteheidern mittlerweile „Wörtersee“ genannt wird - Foto: Lea Pölkow / HA
Schüler des Eckhorst-Gymnasiums an der Sprachdusche am Dorfteich, der von vielen Bargteheidern mittlerweile „Wörtersee“ genannt wird - Foto: Lea Pölkow / HA Schüler des Eckhorst-Gymnasiums an der Sprachdusche am Dorfteich, der von vielen Bargteheidern mittlerweile „Wörtersee“ genannt wird - Foto: Lea Pölkow / HA

Schülerin Arlinda unter der Sprachdusche Foto: Lea Pölkow / HA
Schülerin Arlinda unter der Sprachdusche Foto: Lea Pölkow / HA Schülerin Arlinda unter der Sprachdusche Foto: Lea Pölkow / HA

Schüler machen öffentliche Kunst in Bargteheide

Bargteheide.  Schülerin Arlinda steht am Dorfteich in Bargteheide unter einer Dusche aus V4A-Stahl, umringt von 20 Mitschülern des Gymnasiums Eckhorst. Dann drückt die 13-Jährige den Duschknopf. Aber aus dieser Dusche fließt kein Wasser heraus – es sind Wörter. Geschichten und Gedichte aus dem Leben von Kindern und Jugendlichen.

Texte wurden in einem Studio in der Schule augezeichnet

Kunstprojekt begann am Donnerstag in Bargteheide eine neue Episode der so genannten Sprachdusche. Was seit zehn Jahren einen festen Platz am neu gestalteten Teich hat, erfährt nun eine weitere Aufwertung: In einer Projektwoche haben die Mädchen und Jungen für Deutschlands erste Sprachdusche weitere Texte geschrieben und diese in einem schuleigenen Tonstudio aufgenommen.Ab sofort sind die Werke der Mittelstufenschüler am historischen Dorfteich der Stadt unter einer Linde zu hören. Wer sich neben dem Teich stellt, den die Bargteheider inzwischen gern „Wörtersee“ nennen, kann bis zu 45 Minuten lang Hör-Kunst im öffentlichen Raum erleben. Alexander Wagner als Vertreter der Stadt würdigte das Projekt mit diesen Worten: „Die Kinder können sich auf diese Weise in der Stadt einbringen.“ Die Kommune unterstütze das Projekt. Auch Claudia Selzener, Sozialpädagogin am Eckhorst-Gymnasium, ist begeistert. Schüler könnten das Stadtleben mitgestalten und hätten so eine Stimme in Bargteheide, sagt sie.

Am Wörtersee kommen Gedichte und Witze aus der Brause

Die Anfänge der Sprachdusche gehen auf das Jahr 2007 zurück. Damals hatten die beiden Künstler Matthias Bertholt und Andreas Schön den ehemaligen Feuerlöschteich in ein elegantes Parkgewässer verwandelt. Als Teil der Initiative „Kunst im öffentlichen Raum“ erwachte wenig später als Siegerin eines Ideenwettbewerbs die Sprachdusche zum Leben.Das Konzept der Sprachdusche ist einfach. Wie bei einer normalen Dusche stellen sich Interessierte unter sie und betätigen einen Knopf. Anstatt von Wasser wird man am „Wörtersee“ jedoch von Gedichten, Witzen, Liedern und Kurzgeschichten berieselt. Waren es zunächst zwölf einzelne Beiträge zum Hören, so sind es zum zehnjährigen Jubiläum immerhin 27. Die Schülerinnen und Schüler haben freiwillig ganze Arbeit geleistet. Die Beiträge wurden von Siebt- bis Neuntklässlern der Schule erstellt. Alles von ihnen selbst geschrieben und im Studio aufgenommen.

Texte sind innerhalb von einer Woche entstanden

„Kreativ“ ist das Erste, was der Zwölfjährigen Constance zu dem Projekt einfällt. Die Schüler hatten von ihren Lehrern keinerlei Vorgaben bekommen, was Thema oder Format anbelangt. Als die Wörter nur so aus der Dusche sprudeln, zeichnet sich Begeisterung auf den Gesichtern der Kinder ab. Eine Siebtklässlerin sagt, es sei ziemlich aufregend und spannend, die eigenen Texte und vor allem die eigene Stimme live im Lautsprecher zu hören.

Eine Woche hatten die Gymnasiasten Zeit, um ihr Stück zu erstellen. Die ersten beiden Tage der Projektwoche wurden mit der Ideensammlung und schriftlichen Ausarbeitung verbracht. Am dritten Tag wurde alles im schuleigenem Studio aufgenommen.

Zwölfjährige hat einen „Poetry Slam“-Text geschrieben

Unter der Leitung der Lehrerinnen Christine Anders und Nadine Mroz haben die Kinder innerhalb von vier Tagen ihr Projekt fertig gestellt. Die Lehrer hatten den Kindern für ihr Stück lediglich eine Zeitbegrenzung von zwei Minuten gegeben.

Constance spricht begeistert von der Woche. Die Zwölfjährige hat einen „Poetry Slam“-Text mit dem Titel „Individualität“ geschrieben, den jetzt alle hören können. Die Siebtklässlerin hat sogar zwei Beiträge geschrieben. Einer ist ein Ausschnitt aus der Vorlage für ihr erstes Buch. Die 20 Schüler waren jedenfalls so begeistert von ihrem Werk, dass alle am Donnerstag unter der Dusche tanzten.

Bargteheide : Sprachdusche mit frischen Texten

[ Stormarner Tageblatt vom 6.7.2018 ]

 In nur drei Tagen haben Eckhorst-Schüler die Sprachdusche am Bargteheider Dorfteich neu bestückt. Etwa 45 Minuten lang dauert das Repertoire aus Texten und einem Song.

Schüler der Projektgruppe am Bargteheider Eckhorst gymnasium stellen ihre Kreationen für die Sprachdusche vor.
Schüler der Projektgruppe am Bargteheider Eckhorst gymnasium stellen ihre Kreationen für die Sprachdusche vor. Schüler der Projektgruppe am Bargteheider Eckhorst gymnasium stellen ihre Kreationen für die Sprachdusche vor.

Einmal im Jahr wird Bargteheides besonderes Angebot am Dorfteich aktualisiert. 

In nur drei Tagen haben Schüler des Eckhorst Gymnasiums die Sprachdusche am Dorfteich neu bestückt. Etwa 45 Minuten lang dauert das Repertoire aus Texten und einem Song. Themen waren dabei nicht vorgegeben.

Entstanden sind die Beiträge in einem klassenübergreifenden Projektkurs mit den Lehrerinnen Nadine Mroz und Christine Anders sowie Claudia Selzener vom Ju-gendarbeitsteam. 20 Schüler aus den fünften bis neunten Jahrgängen machten dabei mit. Die Aufnahme entstand im Tonstudio der Radio-Arbeitsgruppe am Gymnasium. Gestern wurde sie offiziell freigeschaltet.

„Einmal im Jahr wird die Sprachdusche aktualisiert“, sagte Alexander Wagner. Der persönliche Referent der Bargteheider Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht begrüßt das Engagement der Jugendlichen für die Gestaltung ihrer Stadt: „Sie erhalten so auch eine Stimme in der Öffentlichkeit.“ Die alten Aufnahmen bleiben indes weiterhin gespeichert. Alles wird nach dem Zufallsprinzip wiedergegeben, und jeder Beitrag ist nicht länger als zwei Minuten. Constanze Rühl arbeitet an einem Buch, „Hinter der Maske des Todes“ lautet der Titel. Die Zwölfjährige hat den Anfang des ersten Kapitels gesprochen. Maximilian Blunk hat für die Sprachdusche Gedichte des Postkutschenräubers Black Bart aus dem Englischen übersetzt. „Die Texte hat Bart in den leergeräumten Goldkisten hinterlassen“, sagt er. Ben Grage hat einen Song mit deutschem Text beigesteuert. „Ich mag Wortspiele“, sagt der Achtklässler, der Lieder selbst schreibt und komponiert. Er hat bereits früher für die Sprachdusche gearbeitet, etwa zum Thema Erkundung von Bargteheide. „Die Sprachdusche spricht viele an, die sonst niemanden zum Reden haben.“ Den Song hat er mit einem Tablet mit Streichern und Klavier eingespielt, die Musik sei aber zum großen Teil handgemacht. „Sofort real“ hat seinen Lebenssong betitelt.

„Auf Anregung des damaligen Bürgermeisters und jetzigen Landrats Dr. Henning Görtz wird die Sprachdusche seit drei Jahren als Schülerprojekt neu bestückt“, sagt Claudia Selzener. Ein Quiz, polnische und spanische Gedichte, Witze und Texte von Shakespeare in moderner Sprache erklingen jetzt ebenfalls per Zufallsgenerator am Dorfteich.