Landesjagdverband unterstützt Biologierecherchen in der Natur


Biologie ist eine Wissenschaft, aber eine, die den direkten Kontakt „mit draußen“ verlangt, denn die Inhalte bleiben sonst nur abstrakt, „akademisch“ und nicht nachvollziehbar. „In Zeiten eines wachsenden Populismus, des Diskutierens mit Schlagwörtern und Halbwahrheiten gerade auch über ökologische Themen ist es der Biologiefachschaft am Gymnasium Eckhorst besonders wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler den Kontakt ‚nach draußen‘ aufnehmen und lernen, feldbiologisch zu arbeiten, d.h. Daten und Fakten zu sammeln, auszuwerten und so zu einer eigenen Meinung zu kommen.“, erklärt der Vorsitzende der Fachschaft Biologie, Hermann Meyer.

Mit Hilfe zweier Wildkameras vom Landesjagdverband hat die Q2b ein Jahr lang festgehalten, welche größeren Wildtiere um uns herum leben. Untersucht haben die Schülerinnen und Schüler dies dort, wo einige von ihnen wohnen: Am Ortsrand Ammersbeks.

Das Ergebnis beeindruckte die Schülerinnen und Schüler: Nach Sichtung von über 1000 Fotos zeigte sich, dass neben 2 Rotten Schwarzwild 4 Rothirsche, 5 Damhirsche und 4 Rehe regelmäßig, d.h. fast täglich, an den Kameras vorbeizogen, unregelmäßiger weibliches Rot- und Damwild (je zwei Tiere), Füchse, Dachse, Marderhunde und Steinmarder. Die wechselnde Anordnung der Kameras auf dem Untersuchungsgebiet machte es den Schülern möglich, Bewegungszeiten und mit Hilfe der Spuren auch ein Bewegungsraster zu erkennen, so dass die Q2b feststellen konnte, dass sogar die großen Wildtiere (Schwarzwild, Rot- und Damwild) in der zweiten Nachthälfte sehr dicht an die Häuser herankommen, ehe sie in der Morgendämmerung wieder in den Brook ziehen.

Nach der Geburt der Frischlinge im Frühjahr tauchten ab Mai/Juni auf einmal Wildschweinrotten mit über 20 Tieren vor den Kameras auf. Dies führte die Klasse und ihren Biologielehrer Hermann Meyer im Biologieunterricht zur Frage, wie schnell Populationen eigentlich wachsen. Hierzu mussten die Schülerinnen und Schüler nach der Feldarbeit erst einmal recherchieren, welche Geburtenrate und welches Lebensalter die beobachteten Arten in freier Wildbahn erreichen.

Dank des Schülers Hendrik Smischliaew, der einen Leslie-Matrix-Rechner mit den Parametern Geburten- und Sterberate und bis 12 Altersklassen entwickelte, war das Errechnen verschiedener Szenarien einfach: So können z.B. aus einem Rothirsch und zwei weiblichen Tieren in zehn Jahren über 120 Tiere werden. Erst bei einer Mortalität von 50 % in der Jüngstenklasse und 10 % in den Folgejahren bleibt die Population relativ stabil mit 10 Tieren.

Noch dramatischer entwickelt sich eine Schwarzwildpopulation: Wenn eine der beobachteten Winterrotten (6 Stück) eine Mortalität von 0 besitzt, ist nach 8 Jahren eine Populationsgröße von über 90000 Tieren erreicht. Eine stabile Population stellt sich nur ein, wenn 70% - 80 % der Frischlinge sterben.

Eine vom Hausmeister gefundene Zwergfledermaus brachte die 7a und ihre Biologielehrerin Anke Plickat dazu, sich mit diesen fliegenden Säugetieren, die alle unter Artenschutz stehen, zu beschäftigen. Wegen des Schutzstatus bauten die Schülerinnen und Schüler dann Fledermauskästen, die auf dem Schulgrundstück aufgehängt wurden.

Vier Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich im Rahmen von „Jugend forscht“ weiter mit dem Thema. Da die Arbeiten gerade erst eingereicht wurden, sei nur so viel verraten: Livia Klotz, Sandra Habersaat und Madita Lichte konnten mit Fledermaus-Detektoren mindestens sieben Fledermausarten um die Schule herum nachweisen und Fiete Sellke hat nach umfangreichen Untersuchungen von Zwergfledermauskot das Nahrungsspektrum dieser kleinsten Fledermausart analysiert.

Die Fachschaft Biologie hat auch für die Zukunft Pläne: So soll das Fledermausvorkommen in Bargteheide und umliegenden Dörfern kartiert werden, die Populationsentwicklung Neobiota wie Waschbär, Marderhund, Springkraut oder Knöterich untersucht werden.Zwei junge Damhirsche

6.2.2018