[ Hamburger Abendblatt vom 22.7.2017 ]

Herbert Diebold ist Schulleiter des Gymnasiums Eckhorst in Bargteheide
Herbert Diebold ist Schulleiter des Gymnasiums Eckhorst in Bargteheide Herbert Diebold ist Schulleiter des Gymnasiums Eckhorst in Bargteheide

2017 haben sich in Stormarn 1028 Schüler an Gymnasien angemeldet. Das ist die größte Zahl in den vergangenen fünf Jahren.

Das Schuljahr ist vorbei, die Ferien haben begonnen. An den Schulen laufen längst Vorbereitungen für das nächste Schuljahr, und es ist auch schon klar, wohin es die künftigen Fünftklässler zieht. In Schleswig-Holstein haben Gemeinschaftsschulen immer mehr Zulauf: In diesem Jahr sind es 4416 Anmeldungen, 5,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Dieser Trend lässt sich jedoch nicht für Stormarn bestätigen. Hier entscheiden sich mehr Schüler für ein Gymnasium.

2017 haben sich in Stormarn 1028 Schüler an Gymnasien angemeldet. Das ist die größte Zahl in den vergangenen fünf Jahren. Am stärksten nachgefragt ist das Gymnasium Sachsenwaldschule in Reinbek (173 Anmeldungen). An Stormarns Gemeinschaftsschulen gingen 992 Anmeldungen ein, 800 Schüler konnten aufgenommen werden. Am beliebtesten ist die Anne-Frank-Schule in Bargteheide mit 161 Anmeldungen.

Kieler "Jamaika-Koalition" will wieder zu G 9 zurück

Die "Jamaika"-Koalition in Kiel will 2019/20 wieder G 9 einführen. Jedes Gymnasium kann das aber für sich anders entscheiden, wenn in der Schulkonferenz eine Dreiviertelmehrheit für G 8 oder für das Nebeneinander von G 8 und G 9 zustande kommt. Viele Eltern und auch Kinder bevorzugen G 9 und deshalb in den vergangenen G-8-Jahren auch die Gemeinschaftsschulen, weil den Schülern dort mehr Zeit gelassen wird und sie weniger Stress haben.

Die Entscheidung, auf welche Schule ein Kind gehen soll, hängt eben nicht nur von Fakten ab, sondern auch von Gefühlen. So war es bei Ben, der dieses Jahr in die 5. Klasse des Bargteheider Gymnasiums Eckhorst kommt. "Wir haben uns alle Schulen in Bargteheide angeschaut, und Ben hat sich im Eckhorst am wohlsten gefühlt", sagt seine Mutter Christine von Kampen. "Wir hatten zwar Bedenken wegen G 8, aber wir haben vollstes Vertrauen in Ben und wissen, dass er das schaffen kann. Das Wichtigste ist, dass es ihm gefällt."

Viele Schulen verzeichnen mehr Bewerber als Plätze

Ein Grund sind aber auch die Aufnahmezahlen der Gemeinschaftsschulen. Die Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule in Ahrensburg hatte dieses Jahr beispielsweise 136 Bewerbungen, konnte aber nur 108 Schüler aufnehmen. Davon haben das Eric-Kandel-Gymnasium und die Stormarnschule zwar sicherlich profitiert, jedoch wachsen ihre Schülerzahlen stärker als durch die Summe der abgelehnten Bewerber. Es gibt also wohl noch mehr Schüler, die Abitur machen wollen. Auch am Gymnasium Trittau ist Schulleiter Edgar Schwenke zufrieden mit den Anmeldungen für das kommende Schuljahr.

In Bargteheide hat die Anne-Frank-Schule seit Jahren mehr Bewerber als Plätze. Die 2013 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnete Schule musste auch diesmal 63 Schüler ablehnen. Davon profitierte die zweite Gemeinschaftsschulen am Ort, die Dietrich-Bonhoeffer-Schule: Auch sie musste am Ende sechs Bewerbern absagen.

Manche Gymnasien haben noch freie Kapazitäten

Die Gymnasien in Bargteheide, Kopernikus und Eckhorst, haben dagegen noch freie Kapazitäten. Das Gymnasium Eckhorst verliert sogar gegenüber dem Vorjahr 29 Anmeldungen. Es gibt also gute Gründe dafür, dass Gymnasien auf besondere Angebote setzen, um in der Konkurrenz besser zu bestehen. Die Stormarnschule in Ahrensburg bietet das französische Abitur an, das Kopernikus-Gymnasium in Bargteheide mehrsprachigen Unterricht, und das Gymnasium Eckhorst wirbt damit, dass es bei der jährlichen Software-Challenge in Kiel oft Spitzenplätze belegt, die mit Sachpreisen oder sogar Stipendien belohnt werden. "Wir setzen darauf, dass wir Schüler so ausbilden, dass sie problemlos ein Hochschulstudium anfangen können", sagt Heiko Rahf, stellvertretender Eckhorst-Leiter.

"Natürlich finden die Eltern es besser, wenn ihr Kind ein Jahr mehr Zeit hat für das Abitur", sagt Philipp Brose, Mathe- und Sportlehrer am Gymnasium Eckhorst. "Besonders, wenn immer mehr Schüler das Abitur ablegen, darunter auch einige, die weniger leistungsfähig sind." Herbert Diebold, Schulleiter am Gymnasium Eckhorst, hat die Erfahrung gemacht, dass er einige Schüler vor der gymnasialen Oberstufe verliert: "Wir bilden sie aus, ...."

Doch für zahlreiche Schüler ist das Gymnasium die genau richtige Entscheidung. Zum Beispiel für Frida Holst. Die Zwölfjährige besucht die sechste Klasse der Stormarnschule. "Englisch, Sport, Geografie, Musik und Kunst", zählt sie auf, "das sind alles meine Lieblingsfächer." Auch ihre Hobbys leiden nicht unter G 8. "Ich spiele Klavier, treffe mich mit Freunden, mache Leichtathletik und turne." Zwar ist Schule auch manchmal anstrengend und die Hausaufgaben nerven: "Aber ich mag das Gymnasium. Ich fühle mich dort wohl."abl22 7 2017