Ein Selbstversuch beim „Safer Internet Day“ am Eckhorst Gymnasium Bargteheide sollte zur Diskussion anregen: Eine Minute durften die Sechstklässler spielen, dann sollen sie abschalten Sebastian Knorr
Ein Selbstversuch beim „Safer Internet Day“ am Eckhorst Gymnasium Bargteheide sollte zur Diskussion anregen: Eine Minute durften die Sechstklässler spielen, dann sollen sie abschalten Sebastian Knorr Ein Selbstversuch beim „Safer Internet Day“ am Eckhorst Gymnasium Bargteheide sollte zur Diskussion anregen: Eine Minute durften die Sechstklässler spielen, dann sollen sie abschalten Sebastian Knorr

[ Hamburger Abendblatt vom 8.2.2017]

Aktionstag Safer Internet Day macht auf Risiken neuer Medien aufmerksam. Stormarner Schulen widmen sich dem Thema -- ein Überblick.

Sebastian Knorr 
 

Bargteheide Es sind alarmierende Zahlen, mit der die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Vorfeld des „Safer Internet Day“, einem europaweiten Aktionstag am 7. Februar, in die Öffentlichkeit trat. Knapp 300.000 Jugendliche seien bundesweit von Internetanwendung abhängig, etwa doppelt so viele wie noch vor fünf Jahren. Im Schnitt seien Jugendliche im Alter von zwölf bis 25 Jahren pro Woche 22 Stunden im Netz. Dort vertreiben sie sich die Zeit mit Spielen, kommunizieren mit Freunden oder lassen sich unterhalten. In den 22 Stunden nicht enthalten: Recherchen für Schule, Studium oder Arbeit.

So alarmierend die Zahlen seien mögen, so banal ist die dahinterstehende Erkenntnis. Das Internet ist allgegenwärtig. Und es lässt kaum einen Lebensbereich aus. Ablesen lässt sich das beispielsweise bei einem Bummel im digitalen Markt der Möglichkeiten. Kaum ein Problem des Lebens, das sich nicht durch eine App erleichtern lässt. Kaum eine Zielgruppe, die nicht angesprochen wird.

Was die Angebote offen lassen, ist die Frage, wie sich mit ihnen sinnvoll umgehen lässt: Wie viel gebe ich im Internet von mir preis? Wann wird das PC-Spielen zur Abhängigkeit? Welche Probleme lauern im Netz?

Ansgar Büter-Menke ist Bildungsreferent für den Kreisjugendring Stormarn. Er ist in Sachen Medien an Schulen im Kreis unterwegs, kennt die Sorgen und Nöte von Schülern, Eltern und Lehrern. Auch die Studien und Horrormeldungen zu Internetsucht kennt er und rät zu „informierter Gelassenheit“.

Grenzen auszuloten, gehöre zum Erwachsenwerden dazu, sagt Büter-Menke. Wichtig sei, das Medium nicht zu verteufeln, über Risiken und Möglichkeiten mit seinen Kindern ins Gespräch zu kommen und dabei auch nicht seine eigene Mediennutzung außer Acht zu lassen.

Gefahren lauern, so Büter-Menke, beim unbedachten Umgang mit Inhalten, welche die Jugendlichen ins Netz stellen. „Wer zuviel von sich preisgibt, kann sich selbst schaden“, so der Medienexperte. Auch Cybermobbing ist Thema: negative Posts von Klassenkameraden, Gerüchte oder intime Bilder.

Hinzu kommen Abonnements, Verträge und Internetkäufe, die zum finanziellen Problem werden können. Auch Abhängigkeit ist ein Risiko. „Die Medienindustrie setzt darauf, ihre Kunden zu fesseln“, so Büter-Menke. Onlinespiele kennen kein Spielende, dafür locken sie mit stetig steigender Anerkennung – zumindest in der virtuellen Welt. Das kann süchtig machen. „Experten sprechen von Abhängigkeiten, die wir von anderen Stoffen kennen“, so Büter-Menke.

Zeit für Aufklärung also. Die geschieht häufig in der Schule. Heute bereits in der Grundschule. Dass es damit aber Weitem nicht getan ist, weiß auch Ansgar Büter-Menke. Auch das Elternhaus spiele eine große Rolle. Wie aber lässt sich der kritische Umgang mit den Medien lernen? Wie kommen Eltern und Kinder ins Gespräch? Was können Lehrer tun? Diesen Fragen sind wir im Kreis Stormarn nachgegangen. Eine Auswahl an Projekten und Informationen zum Thema finden sich auf dieser Seite. Natürlich ist Medienpädagogik aber nicht nur am Gymnasium in Trittau, an der Grundschule Schönningstedt oder im Bargteheider Gymnasium Eckhorst ein Thema. In den I-Pad-Klassen der Theodor-Mommsen-Schule in Bad Oldesloe zum Beispiel wird kontinuierlich über den Umgang mit den Medien reflektiert. Wer nicht in der I-Pad-Klasse ist, wird mit dem Thema im Informatikunterricht konfrontiert. Für fünfte und sechste Klassen gibt es zudem Projekttage zu diesem Themenbereich. Ähnliches gilt für die Stormarnschule in Ahrensburg.

Wer mit Pädagogen und Experten im Kreis spricht, kann Hoffnung schöpfen. Es bewegt sich etwas. Gleichwohl lassen sich einige wiederkehrende Probleme ausmachen. Hier fehle es an der richtigen Hardware, heißt es, die zudem noch zuverlässig funktioniert.

Wer mit Pädagogen und Experten im Kreis spricht, kann Hoffnung schöpfen. Es bewegt sich etwas. Gleichwohl lassen sich einige wiederkehrende Probleme ausmachen. Hier fehle es an der richtigen Hardware, heißt es, die zudem noch zuverlässig funktioniert. Dort fehle ein kluger Kopf, der sie bedienen kann. Hinzu kämen nicht selten Kollegen und Eltern, die dem Thema neue Medien generell skeptisch gegenüberstehen.

92 Prozent der Jugendlichen sind täglich am Handy

Büter-Menke, der auf vielen Elternabenden über Medien spricht, versucht neben den Risiken deshalb immer auch das Positive zu betonen. Der „Ferrari in der Tasche“, so Büter-Menke, sei nicht nur eine äußerst gute Möglichkeit zur Kommunikation, auch lasse sich damit wunderbar kreativ sein. Vor allem bringe es den Jugendlichen viel Spaß.

Skepsis hier, Euphorie dort – Fakt ist: Die Medien sind allgegenwärtig, und niemals war der Zugang zum Internet einfacher. 98 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren besitzen inzwischen ein Smartphone, 92 Prozent beschäftigen sich täglich in der Freizeit mit den Geräten. Das ergab eine Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbands Südwest aus dem Jahr 2016. 2012 noch war in dieser Gruppe gerade mal die Hälfte mit Handys ausgestattet. Ähnlich sieht es bei den Sechs- bis 13-Jährigen aus. Die aktuellste Studie dazu aus dem Jahr 2014 besagt: Knapp 50 Prozent haben ein Handy. 38 Prozent dieser Altersgruppe sind täglich mit dem Telefon beschäftigt.

Was spielen meine Kinder? Das finden Eltern bei einer LAN-Party heraus HA
Was spielen meine Kinder? Das finden Eltern bei einer LAN-Party heraus HA Was spielen meine Kinder? Das finden Eltern bei einer LAN-Party heraus HA

Bargteheider Gymnasium bietet LAN-Party für Eltern an

Bargteheide Regelmäßig treffen sich Eltern am Gymnasium Eckhorst in Bargteheide zur Eltern-Medien-Woche, zuletzt Ende vergangenen Jahres. Bei den ersten drei Elternabenden stand die Theorie im Vordergrund, Themen wie Mediensucht, soziale Netzwerke oder gesunder Umgang mit Medien wurden behandelt. Klassisches Programm also.

Interessant, weil besonders, wurde es dann am letzten Abend mit einem Ausflug in die Praxis. In der Mensa der Schule hatte ein Team des Offenen Kanals Spielekonsolen aufgebaut, im Schulfoyer wurde eine LAN-Party organisiert. „Einige Eltern haben hier erstmals ausprobiert, wovon ihre Kinder so begeistert reden“, sagt Lehrer Michael Schwarz, „so können sie im Gespräch bleiben.“

Manchmal müsse dazu die persönliche Geschmacksgrenze überschritten werden, so Schwarz weiter, „aber gerade das schärft den Blick auf dieses Stück Lebenswirklichkeit vieler Schüler“. Auch sogenannte Ego-Shooter wie Counterstrike werden dort gespielt, in denen es darum geht, Konkurrenten möglichst schnell auszuschalten.

Durch das gemeinsame Spielen entstehe ein angstfreier Raum, in dem Eltern Fragen stellen und Probleme diskutieren können. Der Großteil der Mediennutzung laufe im Elternhaus, so Schwarz. Deshalb sei es für Eltern besonders wichtig, eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen, über die Inhalte zu sprechen und ihnen ohne vorschnelle Vorurteile zu begegnen. knopresse safer internet day2presse safer internet day2