Leonie (18) ist in Trittau ein Medienscout und möchte ihr Wissen an jüngere Schüler weitergeben. Foto: Jahn
Leonie (18) ist in Trittau ein Medienscout und möchte ihr Wissen an jüngere Schüler weitergeben. Foto: Jahn Leonie (18) ist in Trittau ein Medienscout und möchte ihr Wissen an jüngere Schüler weitergeben. Foto: Jahn

Eckhorst-Gymnasium fördert Ausbildung von Medienlotsen für Stormarns Schulen

[ Bargteheider Markt vom 8.10.2016 ]

Medienkompetenz ist nicht angeboren, sondern muss erlernt werden. Als Vorzeigeschule in diesem Bereich hat das Eckhorst-Gymnasium in Bargteheide am Donnerstag Schüler und Lehrkräfte zu einer Schulung eingeladen. Das Projekt „Peer-to-Peer meets Media“ vermittelt Medienrisiken aber auch -chancen, die so genannte Scouts an ihre Mitschüler weitergeben können.

Bargteheide (mej). 40 Schülerinnen und Schüler aus fünf Stormarner Schulen starten gemeinsam Medienkompetenzprojekte, die sie mit jüngeren Mitschülern durchführen wollen. „Wir wollen am Safer Internet Day im nächsten Februar einen Medientag mit allen 5. Klassen durchführen“, freut sich Saskia Nissen vom Gymnasium Eckhorst Bargteheide. Sie ist Medienlotsin an ihrer Schule und hat mit acht ihrer Mitstreiter an der Workshop-Tagung zum Thema „Peer-to-Peer meets Media“ teilgenommen. Insgesamt 40 Schülerinnen und Schüler von fünf Schulen aus Glinde, Trittau und Bargteheide waren mit ihren Lehrkräften in das Lern- und Medienzentrum des Eckhorst Gymnasium gekommen, um an Inputs und Workshops zu medienpädagogischen Peer-to-Peer Projekten teilzunehmen.

Chancen und Risiken erkennen

Veranstaltet wurde die Tagung in Kooperation von Kreisjugendring Stormarn, dem Lern- und Medienzentrum Gymnasium Eckhorst Bargteheide, dem Kreis Stormarn und dem Offenem Kanal Schleswig-Holstein.

Der richtige Umgang mit den Medien, statt einem erhobenen Zeigefinger: Michael Schwarz, schulfachlicher Koordinator des Eckhorst- Gymnasiums, unterstützt das Projekt. Foto: Jahn
Der richtige Umgang mit den Medien, statt einem erhobenen Zeigefinger: Michael Schwarz, schulfachlicher Koordinator des Eckhorst- Gymnasiums, unterstützt das Projekt. Foto: Jahn Der richtige Umgang mit den Medien, statt einem erhobenen Zeigefinger: Michael Schwarz, schulfachlicher Koordinator des Eckhorst- Gymnasiums, unterstützt das Projekt. Foto: Jahn

„Medienrisiken und Medienchancen gibt es mittlerweile viele. Die dafür nötige Medienkompetenz ist nicht angeboren, sondern muss erlernt werden. Am glaubwürdigsten vermitteln können dies Gleichaltrige“, erklärt Ansgar Büter-Menke vom Kreisjugendring das Konzept.

Doch nicht nur die Schülerinnen und Schüler waren Zielgruppe der Tagung. „Hinter erfolgreich arbeitenden Medien-Scouts stecken fast immer engagierte Lehrkräfte“, erklärt Henning Fietze vom Offenen Kanal Schleswig-Holstein. „Deswegen bieten wir auch begleitende Workshops für Pädagogen und Lehrkräfte an.“

Ziel der Veranstaltung ist es, ein Netzwerk der Schulen aufzubauen, in denen Peers aktiv eingesetzt werden. „Der erste Schritt ist eine gemeinsame Aktion zeitgleich an allen fünf Schulen zum Safer-Internet-Day im Februar“, freut sich Michael Schwarz, schulfachlicher Koordinator am Gymnasium Eckhorst. „Damit verlaufen die Ergebnisse von heute nicht im Sande, sondern können ganz aktiv  weitergegeben werden“.

Leonie (18) ist seit zwei Jahren ein so genannter Medienscout am Gymnasium in Trittau. In einer dreitägigen Schulung hat sie den bewussten Umgang mit den Medien und die Einschätzung möglicher Gefahren des Internets gelernt. Seither vermittelt sie ihr Wissen an Jüngere und gibt Hilfestellungen, damit ihre Mitschüler nicht in Fallen tappen. In Zeiten, wo Kinder wie selbstverständlich mit verschiedenen Medien aufwachsen und Eltern der Überblick fehle, seien diese Kenntnisse unentbehrlich, sagt sie. „Studien belegen, dass ein hoher Prozentsatz an Vorschulkindern schon Apps bedienen können und dass Smartphones in der Gruppe der Sechs bis Zwölfjährigen zum Alltag gehören“, berichtet Ansgar Büter-Menke, Bildungsreferent des Kreisjugendrings. „Während bei den Eltern Erreichbarkeit ein großes Thema ist, nutzen Schüler das Handy auch für die Selbstentfaltung und soziale Anerkennung. Mit den fehlenden Kenntnissen kommen die Kinder schnell an ihre Grenzen.“

Das Eckhorst-Gymnasium hat in den vergangenen Jahren viel in die Stärkung der Medienkompetenz seiner Schüler investiert: Ein Medienzentrum wurde ebenso eingerichtet, wie ein Medienschwerpunkt für die Oberstufe. Außerdem hat die Schule einen Bundesfreiwilligendienstler für die Betreuung des Zentrums eingestellt. Das sei der Schlüssel zum Erfolg, berichtet Michael Schwarz, schulfachlicher Koordinator: „Wenn man die Lehrer zu der vormals geringen Mediennutzung befragte, waren die Gründe der Zeitaufwand, fehlende Kenntnisse der Technik und mangelhaftes Equipment. Durch unseren Helfer können die Lehrkräfte mit ihren Schülern auf direktem Weg in ihre Projekte starten, weil alles bereitsteht. Dadurch haben wir unsere Ausstattung mit jeweils 60 Projekten pro Halbjahr nutzen können.“

Ein Radio- und TV-Studio, digitale Klassenzimmer und eine Lesesäule für Zeitungen seien Medien, die die Schüler gezielt einsetzen sollen. „Richtige Nutzung statt dem erhobenen Zeigefinger ist für uns der passende Zugang zu den Schülern“, so Schwarz. Mit einer realen Schulbibliothek direkt nebenan und aktuell 45 ausgebildeten Schülermedienlotsen werde das Projekt abgerundet. Dadurch habe es in den vergangenen Jahren keine größeren negativen Vorkommnisse gegeben: „Verbote führen zu Heimlichkeiten, da die Handys zur Lebenswirklichkeit der Schüler gehören. Wir fühlen uns mit unserem Konzept sicher und übernehmen auch die Verantwortung“, sagt Schwarz.

Um diese in Schleswig-Holstein einzigartige Medienaffinität an andere Schulen weiterzugeben, hat sich das Eckhorst-Gymnasium an einer Ausschreibung zur Bildung lokaler Netzwerke beteiligt. Mit Förderung der Medienanstalt Hamburg und Unterstützung des Offenen Kanals Schleswig-Holstein nahmen nun Schulen aus Bargteheide, Glinde und Trittau an dem Workshop teil. Ziel der 13- bis 17-Jährigen war es, Themen wie Cybermobbing, Persönlichkeitsrechte und Internetkäufe kennenzulernen und diese auf Augenhöhe in ihrer „Peer-Group“ zu vermitteln. Am siebten Februar sollen die Informationen am europaweiten „Safer internet day“ mit einem so genannten Medienparcours an die fünften und sechsten Klassen weitergegeben werden.Ma Medienscout 8 10 16