[Hamburger Abendblatt vom 7.7.2016]

von Christina Schlie

Stipendium für Long Bui
Stipendium für Long Bui Stipendium für Long Bui

Seine Eltern waren Gastarbeiter in der DDR und flüchteten in den Westen. Der junge Bargteheider möchte unbedingt Politiker werden.

Bargteheide.  Das Abitur hat er in der Tasche. Mit einem Durchschnitt von 1,4 der drittbeste Abschluss seiner Schule. Hoang Long Bui freut sich. "Kein Grund damit zu prahlen", sagt der 17-Jährige bescheiden. Und fügt hinzu: "Da wäre noch Luft nach oben gewesen."

Vor drei Jahren wurde Hoang Long Bui von der Start-Stiftung für ein Stipendium ausgewählt. Bis zum Abi bekam der Schüler, dessen Familie aus Vietnam nach Deutschland kam, ein monatliches Bildungsgeld, wurde regelmäßig in Seminaren und Workshops geschult. Dass er sich für das Stipendium qualifizieren konnte, hat Hoang Long Bui seinem sozialen Engagement und guten Noten zu verdanken. Bereits in der Grundschule konnte er eine Klasse überspringen.

Eltern arbeiteten als Gastarbeiter in einer Fabrik

"Ich habe das Gefühl, dass ich mir Dinge gut merken kann", sagt er. Von seinem Wissen sollen auch andere profitieren. Seit Jahren gibt der Schüler ehrenamtlich Nachhilfe. "Ich weiß, wie es sich anfühlt, aus einer sozial schwachen Familie zu kommen", sagt Hoang Long Bui. Beide Eltern haben als Gastarbeiter in einer Fabrik in der DDR gearbeitet, bevor sie kurz vor Grenzöffnung in die Bundesrepublik flüchteten. Bildung sollte keine Frage des Geldes sein, so die Devise von Hoang Long Bui.

Ein nächstes Stipendium hat der Abiturient bereits in der Tasche. Im September geht es für einen Monat in die USA. Das Probestudium an der Trinity University in San Antonio im Bundesstaat Texas wird durch ein Stipendium des internationalen Fulbright-Programmes finanziert. Wenn es dem 17-Jährigen in den USA gefällt, hat er gute Chancen auf ein Vollstipendium. "Nur 30 Leute aus Deutschland wurden dafür ausgewählt", erzählt Hoang Long Bui. Der Abiturient ist kein Streber. "Man muss nur wissen, wann man was zu lernen hat", sagt er lapidar. Dabei kommt ihm sein Intelligenzquotient von 128 sicherlich zugute.

Hoang Long Bui tritt mit Freunden als Straßenmusiker auf

Jetzt wird erst einmal gefeiert. Denn auch wenn der Schüler des Eckhorst-Gymnasiums genau weiß, was er erreichen will – Jura studieren und danach in die Politik wechseln – Spaß haben und das Leben genießen gehört dazu. Am besten passt es für den Bargteheider, wenn er soziales Engagement und Hobby verbinden kann. So wie bei seinem Musikprojekt, mit dem er 2015 mit dem HelferHerz Preis ausgezeichnet wurde. Mit Freunden tritt er als Straßenmusiker auf. Das so erspielte Geld stiften die Musiker an Bedürftige.

Sich für sozial benachteiligte Menschen einzusetzen, ist für Hoang Long Bui ein Lebensziel. Ob als Jurist oder später in der Politik, Themen wie Bildung und Integration liegen ihm am Herzen. Bui sagt: "Es gibt keine Flüchtlingskrise, nur eine große Herausforderung." Vielleicht hängt diese Einstellung auch mit seinen vietnamesischen Wurzeln zusammen. Er fühle sich als Deutscher, sagt Hoang Long Bui. Doch von seinen Eltern habe er gelernt, wie es sich anfühle, fremd in einem Land zu sein. Die Sprache nicht zu verstehen. Das Wissen um zwei Kulturkreise sei für ihn ein Vorteil. "Ich bin dankbar für die Unterstützung, die ich hier bekommen habe."

Das Stipendium der Start-Stiftung wird jährlich an engagierte und leistungsorientierte Schüler mit Migrationshintergrund vergeben. Weitere Infos unter www.start-stiftung.de.