Alles nur Show? Die Klasse 8c des Gymnasiums Eckhorst in Bargteheide schaute  Sternekoch Johann Lafer im Fernsehstudio zu
 [ Stormarner Tageblatt vom 28.5.2015 ]
 

BARGTEHEIDE/HAMBURG

„Und gleich tut ihr so, als würdet ihr mich zum ersten Mal sehen“, dreht der Sternekoch Johann Lafer seinem Publikum mit einem Schmunzeln den Rücken zu und nimmt seine sechs Kandidaten mit einem strahlenden Lächeln in Empfang. Die Küchenschlacht kann beginnen.

Drei Frauen und drei Männer treten in der „Küchenschlacht“ am Beginn einer Sendewoche gegeneinander an, um im Fernsehstudio ihr Lieblingsgericht zuzubereiten, das anschließend von einem Profi-Koch verkostet und bewertet wird. In einer knappen halben Stunde müssen die Amateure heute mit Scampis an Chili-Schaum, Zucchini-Suppe mit Käsestangen und mit Pesto gefüllten Ravioli an Basilikum ihr Talent am Herd beweisen.

Die Klasse 8c des Gymnasiums Eckhorst in Bargteheide mit Sternekoch Johann Lafer im Fernsehstudio der Produktionsfirma „Fernsehmacher“ bei einer Aufzeichnung von „Die Küchenschlacht“. ST
   Die Klasse 8c des Gymnasiums Eckhorst in Bargteheide mit Sternekoch Johann Lafer im Fernsehstudio der Produktionsfirma „Fernsehmacher“ bei einer Aufzeichnung von „Die Küchenschlacht“. ST    Die Klasse 8c des Gymnasiums Eckhorst in Bargteheide mit Sternekoch Johann Lafer im Fernsehstudio der Produktionsfirma „Fernsehmacher“ bei einer Aufzeichnung von „Die Küchenschlacht“. ST

Doch nicht nur die Köche sind gut vorbereitet, sondern auch das Publikum wird auf die Koch-Show eingestimmt. „Wenn ich klatsche, dann klatscht ihr mit“, fordert der Animateur beim Warm-up sein Publikum auf. Mit einem vielstimmigen „Mmmhhh, lecker!“ werden die Köche auf sein Signal hin angespornt, ihre Künste zu zeigen. Ist denn hier alles nur Show?

Die Kameras sind in Position gebracht, die Kandidaten nehmen an ihren Töpfen und Pfannen Aufstellung. Als Moderator stellt Johann Lafer seine Gäste vor und sorgt für gute Laune: Ein Kandidat verrät, wie er als Animateur auf einer Mittelmeerinsel Urlauber in Schwung bringt, seine Herdnachbarin äußert sich als Engländerin spontan zur Qualität der britischen Küche, die Kandidatin in der Mitte begrüßt ihren Ehemann im Publikum. Da der Sternekoch außerdem um ihre zweite große Leidenschaft kennt, gibt sie auf Wunsch sogar eine Probe aus dem Musical „Die Eiskönigin“. Spontaner Applaus braust durch das Studio – Das ist doch nicht nur Show!

Sechs Kameras beobachten jeden Handgriff am Herd, jeden Schwenk der Löffel und Kellen, jedes Schnippeln und Raspeln. Auf wenige Zentimeter fährt eine besonders kleine Kamera heran, schaut ihnen in die Töpfe und auf die Finger. Sechs Techniker sorgen im Aufnahmeraum dafür, dass beim Schnitt der Ton synchron und die Bilder gleich hell sind.

Doch nicht alles läuft wie geplant: Einem Kandidaten rutscht das Messer ab, er schneidet sich in den Daumen, muss vor laufender Kamera verarztet werden und bekommt einen Handschuh übergestülpt. Trotz des eingespielten Ablaufs sind selbst Profi-Köche nicht vor Pannen geschützt. Dass ein Herd plötzlich ausfällt, ist noch das geringste Problem. „Einmal musste ich gar mit einem Krankenwagen abgeholt werden“, berichtet Johann Lafer lachend, „im Eifer der Küchenschlacht hat mich eine schwungvolle Kandidatin mit einem heißen Blech an der Stirn erwischt.“

Die Zeit läuft. Achtzehn Minuten noch! Das ist Show! Mit hilfreichen Tipps und Tricks steht der Profi den Amateuren beim Schneiden und Rühren zur Seite: Wie erhalten die Scampis ihre schöne Farbe? Wie gelingt die Suppe angenehm sämig? Wie wird Basilikum in der Pfanne geschwenkt, ohne zusammenzufallen? Stets weiß der Sterne-Koch Rat! Ist das Können oder alles nur Show?

Das junge Fernsehteam arbeitet routiniert und konzentriert, gelegentlich stehen die Kameraleute den Zuschauern auf der Bühne im Blick. Insgesamt siebzig Mitarbeiter von der Maskenbildnerin zum Aufnahmeleiter und vom Kameramann bis zur Praktikantin sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Die Handgriffe sind fast schon automatisiert. „Natürlich sind die Einschaltquoten im Laufe der Zeit etwas gesunken“, informiert uns der Pressesprecher Sven Hegner, denn die Koch-Show habe seit 2008 Konkurrenz bekommen. Das Gros der Zuschauer sei über 65 Jahre alt, doch die Zuschriften und Bewerbungen zeigten, dass das Format auch für ein jüngeres Publikum attraktiv ist. Eine Million Zuschauer verfolgen jede Sendung. Vielleicht liegt es daran, dass die Rezepte ins Netz gestellt werden? „Bei uns kommen nicht Kaviar und Hummer auf den Tisch, sondern die Zuschauer sollen die Rezepte auch zu Hause nachkochen können!“ Da gibt es keine Show!zisch

In den letzten Minuten wird es eng. Die Kandidaten wirbeln hektisch herum, eine Käsestange rutscht in die Suppentasse ab. Gerade noch rechtzeitig ist alles angerichtet, als mit klassischer Musik und überschwänglichem Beifall der Juror das Studio betritt. Mit lautem „Lecker!“ und vielen „Mmmmhhh!“ bewertet dieser Koch-Profi die Lieblingsgerichte der Kandidaten. Der Chili-Rahm zu den Scampis sei „a bisserl fad“ urteilt er kritisch, doch besonders die „sommerlich frischen“ Ravioli haben es ihm angetan. Ein Kandidat muss ausscheiden, fünf kommen weiter. Das Lampenfieber hat sich für sie gelohnt, denn für den Sieger des Jahres winkt ein Preisgeld von 25000 Euro.

Johann Lafer hat während der Sendung kein Lampenfieber mehr. Ein bisschen angespannt sei er schon, doch dadurch steige seine Konzentration. Er ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und hat seiner Mutter in die Töpfe geschaut, bevor er in internationalen Restaurants seine Erfahrungen gesammelt hat. Zu Hause kocht er nun nur noch selten. Mit seinen fein abgeschmeckten Kompositionen hat er sich einen Michelin-Stern erkocht, doch genießen auch Schüler in einer Mensa in Bad Kreuznach seine leckeren Speisen. „Frisch müssen meine Lebensmittel sein“, darauf legt er Wert. Und was denn sein Leibgericht sei? „Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln, dazu einen frischen Salat mit Kürbiskernöl!“ – einfach und ehrlich: ganz ohne Show.

Klasse 8c, 19.5.20158c NDR