[ Lübecker Nachrichten vom 07.03.2015 ]
 

Smartphones sind aus dem Alltag von Schülern nicht mehr wegzudenken
Smartphones sind aus dem Alltag von Schülern nicht mehr wegzudenken Smartphones sind aus dem Alltag von Schülern nicht mehr wegzudenken

Die meisten Schulen verbieten Handys - der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) findet das "blödsinnig". Ein Gymnasium in Eckhorst (Kreis Stormarn) versucht Smartphones in den Unterricht zu integrieren.

„Das Handy ist in der Gesellschaft angekommen." Herbert Diebold, Eckhorst Gymnasium
„Das Handy ist in der Gesellschaft angekommen. „Das Handy ist in der Gesellschaft angekommen.

Bad Oldesloe. „Ein generelles Handyverbot an Schulen ist Blödsinn“, sagte jetzt Jette Waldinger-Thiering, die bildungspolitische Sprecherin des SSW im Kieler Landtag und stößt damit eine Debatte an. Nicht nur Chatten und Videos teilen sei für die Schüler längst Alltag, sondern auch das Abfotografieren der Aufgaben an der Tafel oder das Recherchieren im Internet.

„Wer hier pauschal verbietet, verkennt den Nutzen, den die Geräte im Unterricht haben können“, erklärte Waldinger-Thiering. Wichtiger sei es, mit den Schülern zu erörtern, welche Möglichkeiten und Gefahren mit der Nutzung von Smartphones verbunden sind und wie man damit umgeht. Wie halten es die Schulen in Stormarn?

An der Ida-Ehre-Schule in Bad Oldesloe ist die Handy- oder Smartphonebenutzung für Schüler der Klassenstufen fünf bis zehn bis 10 grundsätzlich nicht erlaubt. Die Geräte müssen bei Betreten des Schulgeländes ausgeschaltet werden und in den Ranzen verschwinden. Wer dennoch sein Handy benutzt, muss damit rechnen, dass es ihm zumindest für den jeweiligen Tag weggenommen wird. Allerdings gibt es Ausnahmen.

„Wenn ein Lehrer erlaubt, ein Experiment oder Aufzeichnungen an der Tafel zu fotografieren, ist das möglich“, erklärt Schulleiter Andreas Bielke. Ausnahmen gibt es für Oberstufenschüler. In dem für sie vorgesehenen Bereich dürfen sie in den Pausen ihre Handys benutzen. Von einer grundsätzlichen Erlaubnis für Handys hält Andreas Bielke aus pädagogischen Gründen nichts: „Wenn es in der Hosentasche vibriert, werden die Schüler abgelenkt. Sie versuchen alles, um unbemerkt nachschauen zu können, wer gerade eine Nachricht geschrieben hat. Manche melden sich dafür zum Toilettengang ab.“

Auch in der Schule am Masurenweg sollen die Schüler ihre Handys beim Betreten des Schulgeländes ausstellen. „Wenn ein Schüler unbedingt mit Vater oder Mutter telefonieren muss und den Lehrer um Erlaubnis bittet, darf er das natürlich“, erläutert die stellvertretende Schulleiterin Uta Düstersiek. Wenn Schüler auch ohne Erlaubnis mit dem Handy spielen, gibt es zwar Ärger, bei dem es je nach Lehrkraft vielleicht bleibt. „Ich würde keinem Schüler ein teures Handy wegnehmen. Die Verantwortung dafür übernehme ich nicht“, so Düstersiek.

Auch im Eckhorst Gymnasium in Bargteheide ist der Umgang und der Einsatz von Smartphones ein Thema — das Gymnasium ist Medienschule, bietet unterschiedliche Medienkompetenzprojekte an. Das bedeutet, die Schüler machen bereits in der fünften und sechsten Klasse ihren PC- und Internet-Führerschein, berichtet Schulleiter Herbert Diebold. „Zusätzlich bilden wir Schüler zu Medienlotsen aus.“

Ebenfalls in der Mittelstufe können die Heranwachsenden die Handylotsenausbildung machen. Fortbildungen gibt es auch für Lehrer in Kooperation mit der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein. „Die Kinder lernen, wie sie mit dem Smartphone umgehen. Wo bleibt im Netz was hängen“, erklärt Diebold.

Wichtig sei an der Schule: Die Kinder lernten den bewussten und souveränen Umgang mit dem Handy, mit den eigenen Daten — und das sei auch das Ziel. Denn „das Handy ist in der Gesellschaft angekommen“. An Diebolds Schule geht es auch darum, das positive Potential dieses Mediums zu erkennen und zu nutzen.

Im Unterricht werde das Smartphone allerdings weniger genutzt, höchstens in der Oberstufe. Der neue Clou: Auch die Eltern können von der Kompetenz der Medienschule profitieren. Noch in diesem Schuljahr gibt es Informationsveranstaltungen für sie. Denn: „Viele Eltern fühlen sich oft nicht genug informiert.“

pd/kkshandy