Sie laden zum Nachdenken am Volkstrauertag in Bargteheide ein: Pastor Jochen Weber, Klemens Risse, Birgitt Gartenschläger, Bernhard Langer, Heidburg Behling, Bürgermeister Dr. Henning Görtz und Sabine Meurers (von links).
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[ Stormarner Tageblatt vom 4.11.2015 ]
 

Volkstrauertag: Von der Nachkriegszeit bis zur Odyssee über das Mittelmeer und den Balkan

Bargteheide.Heimatlos ist das Motto für den Volkstrauertag in Bargteheide. „Heimatlos waren die Flüchtlinge, die vor 70 Jahren nach Bargteheide kamen“, sagt Bürgermeister Dr. Henning Görtz. Die Bevölkerung verdoppelte sich damals auf 6000 in wenigen Monaten, und das in der bitteren Hungerzeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Zurzeit kämen 160 Flüchtlinge in eine Stadt mit 16 000 Einwohnern. Heimatlos sind auch die meisten Flüchtlinge, die zumindest kurzfristig keinerlei Rückkehr-Perspektive in ihr Heimatland haben.
 

Die Arbeitsgruppe Volkstrauertag hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. „Als der Krieg (noch nicht) beendet war“ heißt das Programm mit dem Untertitel „Heimatlos vor 70 Jahren – Heimatlos nach 70 Jahren“. Bernhard Langer sieht Parallelen: „Wir stehen vor einer ähnlichen Situation wie damals.“ So spannen die Organisatoren einen Bogen vom Flüchtlingselend der Nachkriegszeit bis hin zur Odyssee über das Mittelmeer und den Balkan.

Seit 31 Jahren entwerfen die Mitglieder ein Kontrastprogramm zu Gottesdienst und der traditionellen Kranzniederlegung am Mahnmal. Mit Musik, Rezitation und darstellendem Spiel regen sie zum Nachdenken an. Heidburg Behling ist von Anfang an dabei. „Wir haben in der Friedensgruppe zusammengefunden“, sagt die Lehrerin im Ruhestand.

Wie im vergangenen Jahr gestalten auch Schüler den Gedenktag mit. 2014 war eine siebte Klasse dabei. Diesmal ist es eine Klasse im elften Jahrgang des Eckhorst Gymnasiums. „Sie besuchten ein Flüchtlingsheim in Hamburg, machten Interviews und drehten darüber ein Video“, sagt Pädagoge Klemens Risse von der Fachschaft Geschichte. Es wird während der Gedenkveranstaltung gezeigt, die Schüler rezitieren dazu Texte aus den „Flüchtlingsgesprächen von Bertold Brecht“.

Der Chor „Vocalis“ singt drei Lieder und rezitiert ebenfalls. „Im Hoffnungsteil bringen wir ein Lied der Comedian Harmonists“, sagt Birgitt Gartenschläger. „Irgendwo auf der Welt gibt es ein kleines Stückchen Glück“, heißt es im Text. Ein Wiedersehen gibt es mit Dorothee Louise Natorp, die am Klavier Stücke von Chopin und Beethoven vortragen wird. Dazu ist die Lesung von Andrea Hackbarth geplant. Sie bringt die Hoffnungen einer jungen Hamburger Polizistin zu Gehör.

Termin ist Sonntag, 15. November. Nach einem verkürzten Gottesdienst ab 10 Uhr in der Ev. Kirche an der Lindenstraße 2 werden gegen 10.45 Uhr Kränze niedergelegt. Um 11 Uhr beginnt die Gedenkveranstaltung im Stadthaus, Am Markt 4.

Jens Peter Meier