Chefredakteur der Oldesloer „Ente“ geht Gründen fürs Zeitungssterben an Schulen nach.

[ Lübecker Nachrichten vom 17.5.2014 ]

Von Lukas Zeidler

Bargteheide/Bad Oldesloe – Montag, sechste Stunde an der Emil Nolde Grundschule in Bargteheide – Sitzung der Schülerzeitungsredaktion des „Emils“. Lehrer Klaas Bröcker (41) plant mit den jungen Nachwuchsjournalisten die nächste Ausgabe. In dieser Ausgabe soll die 700-Jahr-Feier Bargteheides im Mittelpunkt stehen.

Lea (9) ist seit der zweiten Klasse dabei: „Ich schreibe gern über etwas!“ Zusammen mit Magnus (10) arbeitet sie an einem Artikel über das Bargteheider Hünengrab. 40 Leute bekommen den „Emil“ als Newsletter digital zugeschickt . Bröcker erzählt von einem brisanten Artikel aus der jüngsten Ausgabe über den umstrittenen Plan, neue Windkrafträder in Bargteheide  zu bauen: „Den habe ich mir auch von der Direktorin absegnen lassen. Aber die Kinder sollten sich auchmit solchenThemen auseinander setzen können.“

Die Theodor-Mommsen-Schule (TMS) in Bad Oldesloe hat ebenfalls eine Schülerzeitung. Die „Ente“ kann inzwischen auf eine lange Geschichte zurückblicken. Für die jüngsteAusgabekonnte die Redaktion sogar ein Interview mit dem ehemaligen Kandidaten der Castingshow „The Voice“, Peer Richter, ergattern. Auch der bekannte Modedesigner Michael Michalsky, der an der TMS sein Abitur gemacht hat, zierte schon das Cover.

Lehrerin Ines Ramm (34) schätzt die Selbstständigkeit der Schüler: „Davon lebt eine Schülerzeitung doch!“ Eines der neuen Gesichter der „Ente“ ist Xiangan An An Chen (13). An An hat außerdem einen positiven Nebeneffekt durch das Engagement in der Redaktion bemerkt:„Man lernt mit dem Computer umzugehen.“

Es gibt nicht mehr viele Schülerzeitungen an Stormarns Schulen. Früher hatte fast jede eine. Ist das Zeitungssterben nun auch in den Schulen angekommen? „Eine Zeitung zu erstellen, erfordert sehr viel Aufwand, macht aber auch unglaublich viel Spaß“, meint „Ente“-Chefredakteur Lukas Zeidler (17). „Die Art und Weise wie wir mit Texten umgehen hat sich einfach verändert“, stellt Ines Ramm fest. Eine der Hauptursachen für das Zeitungssterben liege in der Art der Betreuung – kleinere Stundensätze und mehr Aufwand.

Neue Wege beschreitet das Eckhorst-Gymnasium in Bargteheide.Seit nunmehr vier Jahren sendet REB, das „Radio Eckhorst Bargteheide“, aus seinem „Gläsernen Studio“. Jeden Dienstag strahlt es eine Live-Sendung direkt in der Schule aus, Beiträge sind online abrufbar und auch eine Kooperation mit dem Offenen Kanal Kiel und Hamburg gibt es. Genau hier sieht Joshua McCullagh (18), Mitglied der Chefredaktion, einen Vorteil: „Wir sind nicht zu übersehen und für die Schüler direkt erreichbar." Ist das Schulradio also das Medium der Zukunft? Eher nicht findet Alexandra: „Wir sind einfach ein anderes Medium.“

Auch Zeidler hält dagegen. „Eine Schülerzeitung ist nicht so alt und träge, wie manche sie einschätzen. Am Ende kann man sein erarbeitetes Werk stolz in den Händen halten", sagt er. Nicht zuletzt wird derzeit auch an der Theodor-Storm-Schule eine neue Schülerzeitung namens „TSS School News“ ins Leben gerufen. Die Gründe für das Zeitungssterben an Schulen können vielfältig sein: Mal liegt es an der mangelnden Unterstützung seitens der Lehrer, mal am Desinteresse der Schüler. Letztlich muss aber jeder zugeben, dass es spannend ist, über die Geheimnisse der Lehrer in der eigenen Schülerzeitung zu lesen oder?