Zeitzeuge war im Bargteheider Gymnasium Eckhorst zu Gast und beantwortete Fragen der Schüler

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Edgar Bein, einer der letzten Zeitzeugen, sprach im Gymnasium Eckhorst über das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte.

[Stormarner Tageblatt vom 7.11.2012]

Bargteheide  - Wie war es damals wirklich? Geschichtsunterricht mit Zeitzeugen kann ein berührender Moment im Unterrichtsalltag sein. Bücher können immer nur mittelbar Geschichte vermitteln. Und das beantwortet nicht immer alle Fragen, die Jugendliche beispielsweise im Hinblick auf den Nationalsozialismus wirklich bewegen.

Im Rahmen des Unterrichtsthemas „Die nationalsozialistische Gewaltherrschaft“ organisierte der Profilkurs Geschichte des Abiturjahrganges deswegen unter der Leitung ihrer Lehrerin Imke Wulfmeyer einen Zeitzeugenvortrag. Der Einladung folgte Edgar Bein, Jahrgang 1918 und Kriegsteilnehmer an der Ost- und Westfront, um über das Leben im Dritten Reich und an der Front zu berichten.

Der 94-jährige ehemalige Schulleiter des Albert-Schweitzer-Gymnasiums in Hamburg freute sich über die Einladung: „Ich hätte nicht gedacht, noch einmal eine Schule von innen zu sehen.“ Nach einem kurzen Abriss über sein Leben – Geburt in Berlin-Charlottenburg, Eintritt in die Wehrmacht, Teilnahme am Polen-, Frankreich- und Russlandfeldzug, Verwundung, Gefangenschaft, Studium in Kiel und Aufnahme seiner Lehramtstätigkeit – stellte sich Edgar Bein den Fragen der Schüler: Wie sah der Alltag an der Front aus, wenn nicht gekämpft wurde? Nüchtern äußerte der Pädagoge: „Langweilig“. Einmal musste er mit 35 Soldaten einen Frontabschnitt von 2000 Metern bewachen. „Das war ein unmögliches Unterfangen.“

Was war sein prägendstes Erlebnis an der Front? Sichtlich berührt berichtet der Zeitzeuge von einem Einsatz an der Ostfront. Er sollte mit seiner Kompanie nachts einen Kessel schließen, in dem sich russische Soldaten befanden. Die Artillerie sollte die Russen dann beschießen. Allerdings konnte sie sich nicht einschießen und traf stattdessen die deutschen Soldaten. „Um mich herum lagen meine toten und verwundeten Kameraden und wir konnten nichts tun. Das war schrecklich.“

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Lebendige Geschichte, aufmerksame Zuhörer:Der Abi-Profil-Kurs des Eckhorst Gymnasiums mit dem Zeitzeugen Edgar Bein.Foto: st

Wie er denn das Ende Hitlers empfunden habe, folgte als nächste Frage. „Es wurde freudig begrüßt. Bedeutete es für uns doch das Ende des 2. Weltkriegs.“ Und: „Das Reich ist mit einer Lüge untergegangen! Im Radio wurde berichtet, Hitler sei im Kampf gefallen, dabei stimmte das gar nicht.“ Hinweise für die Niederlage Deutschlands gab es schon früh: Das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944, der Rückzug bei Frankfurt/ Oder oder der Einzug „höherer Parteibonzen“ in die Wehrmacht. „Ich war geschockt, als ich zufällig hörte, dass die Führungsspitze bereits im Dezember 1944 Giftkapseln geordert hatte.“

Die Nachkriegszeit habe er positiv erlebt. „Ich war Mitglied einer Spielmannsgruppe und hielt zudem Philosophie-Vorträge.“ Nach zwei Stunden endete der Besuch – viel zu schnell, in den Augen der Schüler. „Wir hätten auch noch weitere zwei Stunden zuhören können.“ st