[ Bargteheider Markt vom 23.9.2011 ]

Bargteheide (nil). So schnell wie am vergangenen Donnerstagabend sind sich selbst Bargteheides Politiker nicht immer einig. Knappe 90 Minuten dauerte es, dann hatten die Stadtvertreter alle Tagesordnungspunkte abgehakt. Diskussionen gab es nicht, alle Beschlüsse wurden einstimmig gefasst. Mit einer Ausnahme: Andreas Bäuerele (SPD) enthielt sich bei der Abstimmung über den Antrag der Albert-Schweitzer-Schule, die leer stehende Hausmeisterwohnung für „besondere schulische Zwecke” zu nutzen.


Vor der Eröffnung der Sitzung am Donnerstagabend posierten Bargteheides Stadtvertreter für ein Gruppenfoto. Genauso geschlossen fällten die Kommunalpolitiker anschließend ihre Beschlüsse. Bis auf eine Ausnahme wurden alle Vorschläge einstimmig angenommen. Foto: N. Tyczewski

Die Förderschule an der Alten Landstraße möchte die alte Hausmeisterwohnung renovieren und in den Räumen ein Training für Grundschüler anbieten. Dort sollen die „sozialen, kognitiven und persönlichen Fähigkeiten sowie die Alltagskompetenzen” gestärkt werden, heißt es in der Beschlussvorlage. Bäuerle enthielt sich, „weil ich es generell begrüßen würde, wenn die Hausmeister einer Schule auch dort wohnen würden”, erklärte er. Das Schultraining halte er natürlich trotzdem für eine sinnvolle Sache.

Einstimmig beschlossen wurden die Investitionen in die Verbesserung der Raumsituation an den weiterführenden Schulen. Um das Eckhorst-Gymnasium für die Vierzügigkeit fit zu machen, werden vier zusätzliche Klassenräume und zwei neue Gruppenräume gebaut. Außerdem wird das Lehrerzimmer vergrößert, eine auch als Multifunktionsraum nutzbare Mensa sowie ein Medienzentrum errichtet. Damit die Kosten nicht explodieren, wurde eine Obergrenze festgelegt. So darf der Neubauteil höchstens 1,75 Millionen kosten, der Umbauteil maximal 850.000 Euro kosten. Im Anschluss an die Planungen am „Eckhorst” soll die Sanierung der naturwissenschaftlichen Räume des Kopernikus-Gymnasiums in Angriff genommen werden.

Allerdings müssen die Schüler - zumindest vorerst - weiterhin sogenannte Wanderklassen in Kauf nehmen. „Wir haben diesen Beschluss mit viel Augenmaß getroffen, damit die Kosten in einem vernünftigen Rahmen bleiben. Und Oberstufenschülern ist das durchaus zuzumuten”, begründete der Vorsitzende der Bargteheider CDU-Fraktion, Claus Christian Claussen. Trotz dieser Einschränkung sei diese Investition ein großer Kraftakt, so Claussen weiter. „Wir sollten uns jetzt nicht zu sehr gegenseitig auf die Schultern klopfe, aber ich finde, dass wir mit dieser Entscheidung parteiübergreifend Standortpolitik für Bargteheide machen.”

Sein sozialdemokratischer Kollege Jürgen Weingärtner konnte sich beim Thema Schule einen kleinen Seitenhieb auf die Gemeinde Ammersbek nicht verkneifen: „Ammersbeks Kommunalpolitiker werden ihrer Verantwortung nicht gerecht, weil die Gemeinde keine weiterführende Schule mehr anbietet. Mehr als die Hälfte der Ammersbeker Schüler kommt nach Bargteheide. Das ist nicht in Ordnung.” In Sachen Schulpolitik klappe die Zusammenarbeit mit dem Amt Bargteheide Land hervorragend. Ammersbek dagegen sei in dieser Hinsicht „leider ein Totalausfall”.

Einstimmig beschlossen wurden auch die Aufnahme der Gemeinde Bargfeld-Stegen in die Abwasserentsorgung Bargteheide (ABaG) und der Anschluss ans Bargteheider Abwassernetz (der MARKT berichtete) sowie die Änderungen zweier Flächennutzungspläne.

Bürgermeister Dr. Henning Götz wies in seinem Verwaltungsbericht noch darauf hin, dass der Verwaltungsaustausch mit der polnischen Partnerstadt Zmigrod auch 2012 fortgesetzt werden soll. Außerdem ging er auf die vom Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) veröffentlichte Kritik an der Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepakets der Bundesregierung ein. Das Förderpaket soll Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien einen besseren Zugang zu Bildung und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. In Bargteheide sei es offensichtlich wesentlich besser umgesetzt worden, als im Bundesdurchschnitt. Laut Kinderschutzbund haben deutschlandweit im Schnitt nur zehn Prozent der berechtigten ihren Anspruch geltend gemacht. Das sei in Bargteheide ganz anders, erklärte Görtz. Insgesamt seien 210 Anträge eingegangen, obwohl es nur rund 200 Antragsberechtigte gebe. „Das liegt daran, dass ein Antragsteller natürlich auch mehrere Zuschüsse beantragen kann, zum Beispiel für eine Klassenfahrt, für Materialien zum Schulbedarf oder zum Beitrag für den Sportverein”, so Görtz.