[ Lübecker Nachrichten vom 22.9.2011]

Michel, Nele, Johanna und Jovanna (von vorne) macht die Arbeit am Netbook Spaß.
Foto: Bettina Albrod

Bargteheide – Das Eckhorst-Gymnasium in Bargteheide ist eine von drei Pilotschulen für vernetztes Lernen in Deutschland. Neben Schulen in München und Berlin hat das Unternehmen Acer Computer mit Sitz in Ahrensburg gestern auch in Bargteheide ein Klassenzimmer mit 30 Netbooks, einem interaktiven Whiteboard, einem Server und einem Notebook für Lehrkräfte ausgestattet.

Dazu kommt ein digitales schwarzes Brett für die Schule, auf dem alle Informationen über Stundenplanänderungen, Veranstaltungen oder Sondertermine abrufbar sind. Im „Bündnis für Bildung“ will Acer gemeinsam mit vielen weiteren Firmen aus den Bereichen Software, Schulbuchverlag und Lehr- und Lernmitteln eine Modellschule für die interaktive Schule der Zukunft aufbauen.

„Im Ausland ist man auf dem Gebiet schon viel weiter als wir“, erklärt Mirco Krebs von Acer. Großbritannien ist Spitzenreiter beim Einsatz moderner Medien im Unterricht. „0,3 Prozent aller Schüler arbeiteten in Deutschland erst mit Notebooks“, sagt Michael Thedens, Manager bei Acer, im Ausland seien es schon 20 bis 30 Prozent. Korea schaffe bereits die Schulbücher ganz ab. Denn Lehrmaterialien, die man als Folie auf den Projektor legt, als Kopie verteilt oder im Buch aufschlägt, werden durch die neue Technik so überflüssig wie Tafel und Kreide. Acer und Partner wollen zukünftig aus den Erfahrungen der Schüler und Lehrer neue Angebote gestalten. Die Schule in Bargteheide ist zum Musterhaus geworden, weil bei Acer einige ehemalige Schüler des Eckhorst-Gymnasiums einen Arbeitsplatz gefunden haben.

Herkömmliche Geschichtsstunden sind nun Geschichte: Jetzt sitzen die Schüler vor ihren kleinen Netbooks, und statt der Tafel zeigt ein Whiteboard den Unterrichtsstoff, um den es geht. Mittels Anklicken und Zuordnen erstellen die Schüler die richtigen Antworten, die sie aus einer Leiste am Rand wählen können, und entschlüsseln so eine Karikatur zur Französischen Revolution. „Das macht Spaß“, findet die 13-jährige Johanna, „außerdem bekommt man gleich angezeigt, ob man es richtig gemacht hat.“ Jovanna lobt, dass man so auch Antworten finde, auf die man selber nicht gekommen wäre. „Es hilft beim Erkennen“, meint Nele, „und man kann immer noch selber denken.“ Michel schließlich lobt, dass die Abbildungen anders als vom Kopierer jetzt in Farbe seien, „da ist viel mehr zu sehen.“

Medienkompetenz nennt es Lehrerin Imke Wulfmeyer, Eigenständigkeit fördern, Lernen lernen und Rücksicht nehmen auf individuelle Lernzeiten. Denn Vorteil der neuen Technik ist, dass alle Daten über den Server allen Schülern zugänglich gemacht werden können. „Was im Unterricht erarbeitet wurde, kann dadurch jeder zu Hause noch einmal nacharbeiten“, erklärt Schulleiter Herbert Diebold. „Wer Unterricht versäumt hat, kann sich die Informationen über den Server holen.“ Außerdem würden die Schüler so bereits in der Schule an das Arbeitsleben herangeführt, wo elektronisches Arbeiten längst Standard sei.

25 000 bis 30 000 Euro, so Michael Thedens, habe das Unternehmen in das Projekt gesteckt, das zunächst für eine zwölfte Klasse gedacht ist. Mit der Schule der Zukunft eröffne sich ein Markt, der möglichst standardisierte Komplettlösungen für Schulen anbieten soll. „Das Land und die Schulträger könnten an der Finanzierung beteiligt werden, und die Eltern tragen dazu bei, indem ihre Kinder ihre eigenen Geräte mit in die Schule bringen.“ Denkbar sei ein Sozialtopf, der die Geräte für Schüler aus einkommensschwachen Familien abdecken könne, denkbar sei auch eine Finanzierung aus dem Bildungspaket.

„Eine neue Ära startet am Gymnasium Eckhorst“, betonte auch Schulleiter Diebold. „Schulen müssen heute zeitgemäß ausgestattet werden.“

Mirco Krebs von Acer (l.) übergibt Schulleiter Herbert Diebold ein Netbook .

Eine Infrastruktur schaffen

Bargteheide hat sieben Schulen mit über 7000 Schülern. „Jede Schule ist mittlerweile mit moderner Technik ausgestattet, hat PC-Räume, und Referate werden ganz selbstverständlich mit Power-Point-Vorträgen gehalten“, erläutert Bürgermeister Dr. Henning Görtz. „Aber es gibt dabei keine gemeinsame Infrastruktur.“ Deshalb sei eine Projektgruppe ins Leben gerufen worden, die erarbeiten soll, wie die IT-Landschaft modern aufgestellt werden und wie man das Ganze überschaubar betreiben könne. Am 5. Oktober werden die Ergebnisse den Kommunalpolitikern vorgestellt.

Von Bettina Albrod

[ Stormarner Tageblatt vom 22.9.2011]

Mirco Krebs von Acer übergab Schulleiter Herbert Diebold eines der Netbooks.

Foto: Meier

Pilotprojekt: Gymnasium als dritte Schule medial ausgestattet
Bargteheide - Das Eckhorst Gymnasium wird zum Vorreiter in der Informationstechnologie. Gestern startete das Projekt vernetztes Klassenzimmer, an dem Computerherstellern, Software-Firmen und Schulbuchverlage beteiligt sind. Das Eckhorst-Gymnasium ist als dritte Schule, die am Pilotprojekt teilnimmt. „So umfangreich wie hier ist es aber ein Novum für Deutschland“, sagt Michael Thedens vom PC-Hersteller Acer.

Acer-Vorstandsmitglied Mirco Krebs aus Lasbek hatte die Idee und bei Landrat Klaus Plöger um Hilfe bei der Auswahl der Schule gebeten. 25 000 Euro werden ins Projekt investiert, Netbooks sollen über kurz oder lang Schulbücher weitgehend ablösen. Die Ahrensburger Firma übergab gestern ein Paket aus 30 Note- und Netbooks, einem interaktiven Whiteboard, einem Kurzdistanzprojektor sowie IT-Infrastruktur. Der Classroom Manager erlaubt es Lehrern, auf die Geräte der Schüler zuzugreifen, zum Beispiel, um das Augenmerk auf die Tafel zu lenken.

Deutschland hinke beim Einsatz neuer Medien hinterher, sagte Krebs: „In Großbritannien oder Portugal nutzen fast 80 Prozent der Schulen bereits die moderne Informationstechnologie“, in Deutschland seien es 0,3 Prozent. Auch der Föderalismus in der Bildungspolitik behindere deren den Einsatz, sagt Krebs: „Es gibt in Deutschland 35 000 Schulen mit 7000 Trägern.“ Und fast jeder Träger handele nach seiner eigenen Philosophie, ergänzt Thedens. Nachholbedarf herrsche auch in der Lehrerausbildung.

„Der Einsatz elektronischer Medien unterstützt das Lernen in vielen Fällen entscheidend“, so Schulleiter Herbert Diebold. „Die Schüler können eigenständige Lösungsstrategien entwickeln, das motiviert“, so Lehrerin Imke Wulfmeyer. Die Rolle des Lehrers wandele sich hin zum Moderator. Über das Internet können die Schüler Lerninhalte und Aufgaben auch zu Hause aufrufen und dort weiterlernen.

„Es macht Spaß und man kann seine Leistungen selber einschätzen“, sagt Johanna aus der achten Klasse. „Denken bleibt weiterhin gefragt, weil es mehrere Lösungen gibt“, fügt Nele hinzu. „Dass wir jetzt farbige Unterrichtsmaterialien haben, ist praktisch und macht Riesenspaß“, so Michel.

In der Kommunalpolitik beschäftigt sich jetzt eine Projektgruppe mit dem Thema. „Die Ergebnisse werden in Kürze vorgestellt“, sagte Bürgermeister Dr. Henning Görtz. Es bleibe eine Daueraufgabe, die sieben Schulen in der Stadt zeitgemäß und bedarfsgerecht aufzustellen.

Jens Peter Meier

Unterricht am Laptop

Pilotprojekt am Eckhorst-Gymnasium  [ veröffentlicht im Bargteheider Markt vom 24.9.2011 ]

Bargteheide (jm). Das Netbook hält Einzug ins Bargteheider Eckhorst-Gymnasium. Die Schule wird damit zum Vorreiter in der Nutzung moderner Informationstechnologie. Am vergangenen Mittwoch startete das Projekt vernetztes Klassenzimmer. Computerhersteller, Software-Firmen und Schulbuchverlage sind daran beteiligt. Die Schule nimmt als dritte in Deutschland an dem Pilotprojekt teil.

Geschichte mit dem Notebook: (v. 1.) Michel, Nele, Johanna und Jovanna aus der achten Klasse führten den Einsatz neuer Medien im Unterricht vor.
Foto: J. Meier

„So umfangreich wie hier ist es aber ein Novum für Deutschland", sagt Michael Thedens vom Computerher­steller Acer. Insgesamt 25.000 Euro .werden ins Projekt in­vestiert. Die Netbooks als Mi­ni-PCs werden über kurz oder lang die herkömmlichen Schulbücher weitgehend ab­lösen, sind sich die Beteiligten sicher. Auch Tafel und Kreide verlieren ihre Bedeutung. Die Unternehmen übergaben ein Komplettpaket aus 30 Notebooks, der nötigen Soft­ware und der IT-Infrastruk-tur. Dazu gehören neben einem Lehrer-Notebook, ein interaktives Whiteboard, ein Ultra-Kurzdistanzprojektor, ein PC und ein Server. Auch Netbooks für 29 Schüler einer Klasse und diverse Lernpro­gramme für verschiedene Schulfächer wurden geliefert und aktiviert.

Auf allen Netbooks und dem Lehrer-Notebook ist der „Acer Classroom Manager" installiert. Er erlaubt es den Lehrern, von ihrem Computer auf die Geräte der Schüler zu­zugreifen, die Displays auszu­schalten oder Mäuse und Tas­taturen zu sperren. So kann das Augenmerk der Schüler auf die Tafel gelenkt werden.

Deutschland hat Nachholbedarf

Zwei Tage lang wurde im Gymnasium gearbeitet, um die neuen Strukturen aufzu­bauen. Den Kontakt stellte Mirco Krebs vom Acer-Vor­stand her, der in Lasbek wohnt. Er wandte sich an Landrat Klaus Plöger, um eine geeignete Schule für das Pilotprojekt zu finden. So kam das Bargteheider Gym­nasium ins Spiel. Deutschland hinke beim Ein­satz neuer Medien im Wett­bewerb mit dem Ausland weit hinter anderen Ländern her, sagt Krebs: „In Großbritan­nien oder Portugal nutzen fast 80 Prozent der Schulen bereits die moderne Informations­technologie." In Deutschland seien es gerade 0,3 Prozent, die bereits mit Netbooks arbeiteten, so Thedens. In der Lehrerausbildung herrsche hier ebenfalls noch viel Nach­holbedarf. Auch der Födera­lismus in der Bildungspolitik behindere noch deren Einsatz, sagt Krebs: „Es gibt in Deutschland 35.000 Schulen mit 7000 Trägern." Und fast jeder Träger handele nach seiner eigenen Philosophie, ergänzt Thedens. Außerdem werde bisher unterschiedliche Software eingesetzt, die eine Vernetzung verhindere. „Der Einsatz elektronischer Medien unterstützt das Ler­nen in vielen Fällen entschei­dend und besitzt heute einen hohen Stellenwert", erläuter­te Schulleiter Herbert Die-bold. Schüler müssten nicht mehr im Gleichschritt lernen. „Sie können eigenständige Lösungsstrategien entwi­ckeln, das motiviert die Schü­ler und macht ihnen viel Spaß", sagt Lehrerin Imke Wulfmeyer. Die Rolle des Lehrers wandele sich hin zum Moderator, das Unterrichts­gespräch allerdings bleibe. Über das Internet können die Schüler mit dem sogenannten Cloud-Computing ihre Lern­inhalte und Aufgaben auch zu Hause aufrufen und dort wei­terlernen. Lehrer können ihren Vertretungsplan einsehen und andere Organisa­tionsfragen regeln. Die Schüler der achten Klasse sind angetan von der neuen Technologie. „Es macht Spaß und man kann seine Leistun­gen selber einschätzen", sagt Johanna. Schüchterne Schü­ler hätten mehr Gelegenheit, am Unterricht aktiv teilzu­nehmen, ergänzt Jovanna. „Und Denken bleibt weiter­hin gefragt, weil es mehrere Lösungen gibt", fügt Nele hinzu.

Schulen zeitgemäß aufstellen

„Dass wir jetzt farbige Unter­richtsmaterialien haben, ist praktisch und macht einen Riesenspaß", so Michel. Bis­her habe die Schule nur schwarz-weiße Grafiken und Bilder genutzt.

In der Kommunalpolitik be­schäftigt sich jetzt eine Pro­jektgruppe mit dem Thema. „Die Ergebnisse werden in Kürze vorgestellt", sagt Bür­germeister Dr. Henning Görtz. Es bleibe eine Daueraufgabe, die sieben Schulen in der Stadt zeitgemäß und bedarfs­gerecht aufzustellen. Und ir­gendwann müsse man dann auch übers Geld reden.