[ Ahrensburger Zeitung vom 19.1.2011 ]

Keines der neun Stormarner Gymnasien will die vom Land avisierte Möglichkeit nutzen, zu G 9 zurückzukehren

JANINA DIETRICH, LENA THIELE

AHRENSBURG :: Die meisten der neun Stormarner Gymnasien haben sich bereits entschieden: Sie wollen auch im kommenden Schuljahr beim Turbo-Abitur nach acht Jahren (G 8) bleiben. Damit wird die Schulgesetznovelle, die der Landtag in Kiel Ende des Monats verabschieden will, im Kreis zunächst ins Leere laufen. Die Schulen sollen die Möglichkeit haben, bei acht Jahren Gymnasialzeit zu bleiben, zum alten Modell mit neun Jahren zurückzukehren oder auch beide Wege parallel anzubieten.

 In Stormarn ist der Widerstand gegen eine erneute Veränderung groß. „Zu G 9 zurückzukehren, ist keine vernünftige Alternative“, sagt Eckhard Gaumnitz, stellvertretender Leiter der Stormarnschule in Ahrensburg. „Wir sind inzwischen in der siebten Klasse mit G 8 angekommen, es hat sich alles eingespielt.“ Deshalb sei auf der Schulkonferenz beschlossen worden, bei acht Jahren Unterricht zu bleiben. Beide Bildungsgänge parallel anzubieten, mache keinen Sinn. Gaumnitz: „Das wäre nicht zu schaffen. Dafür ist unsere Schule nicht groß genug.“

 "Die jetzige Regierung würde Größe zeigen, wenn sie die Entscheidung bis nach den Wahlen vertagte."

Klaus Müller, EvB-Leiter


Direktoren erwarten, dass eine neue Regierung das Gesetz wieder ändert

Auch bei der Sachsenwaldschule in Reinbek steht fest: Nach den Sommerferien wird weiterhin ausschließlich G 8 angeboten. „Die Eltern brauchen Planungssicherheit“, sagt Schulleiterin Renate Stapel. Die Entscheidung, beim bestehenden System zu bleiben, sei aus zwei Gründen gefallen. „Wir sehen uns zum einen in der Verantwortung für die drei bestehenden G-8-Jahrgänge“, sagt Stapel. Zum anderen sei in den vergangenen Jahren viel für die pädagogische Umsetzung der neuen Beschlüsse getan worden. Das soll nicht umsonst gewesen sein. „Kontinuität für die uns anvertrauten Kinder ist uns wichtig.“

 Zumindest die kommenden zwei Schuljahre wird es auch am Gymnasium Trittau mit G 8 weitergehen. „Erst einmal wollen wir unsere G-8-Arbeit kontinuierlich fortsetzen“, sagt Schulleiter Edgar Schwenke. Bücher seien angeschafft und Lehrpläne angepasst worden. Nach zwei Jahren werde erneut entschieden. Schwenke: „Wir wollen erst abwarten, wie es langfristig weitergeht. Sich jetzt schnell wieder für G 9 zu entscheiden, halte ich nicht für sinnvoll.“

Auch das Bargteheider Kopernikus-Gymnasium hat sich entschieden: „Im Schuljahr 2011/2012 werden wir nur G 8 anbieten, das ist sicher“, sagt Schulleiterin Brigitte Menell. Wie es ab 2012/2013 aussieht, stehe noch nicht fest. Menell: „Wir wollen nicht so viele Sandwich-Jahrgänge produzieren.“ Sie hat bereits die vorgezogenen Landtagswahlen im Blick. Dann könne sich das Schulgesetz erneut ändern. Menell: „Wir wollen, dass bis dahin erst einmal Ruhe einkehrt.“

 Einen vorläufigen Beschluss wird morgen wohl auch die Schulkonferenz an der Oldesloer Theodor-Mommsen-Schule, mit knapp 1500 Schülern das größte Gymnasium im Land, fassen. „Die nächsten beiden Jahre werden wir dann nach G 8 unterrichten“, sagt Schulleiter Henning Bergmann, „denn niemand weiß, wie lange das Schulgesetz gültig sein wird.“ Nach einem möglichen Regierungswechsel könnte die G-9-Möglichkeit wieder zurückgenommen werden. Außerdem gebe es erst drei G-8-Jahrgänge. Bergmann: „Wir wollen noch mehr Erfahrung damit sammeln und in zwei Jahren eine Entscheidung treffen, die auch Kontinuität verheißt.“

„Zwei bis drei Jahre Erfahrung mit dem neuen Modell reichen nicht“

Am Bargteheider Eckhorst-Gymnasium werden die neuen Fünftklässler ebenfalls in acht Jahren zum Abi kommen. Der Beschluss gilt zunächst für ein Jahr. „Dann entscheiden wir, wie es weitergeht“, sagt Heiko Rahf, stellvertretender Schulleiter. Eine Rückkehr zu G 9 hält er jedoch für eher unwahrscheinlich.

Ähnlich sieht das Klaus Müller, Leiter des Emil-von-Behring-Gymnasiums in Großhansdorf: „Ich denke, es macht wenig Sinn, jetzt etwas neu zu machen, wenn sich nach der Landtagswahl doch wieder alles ändert.“ Bei einer Schulkonferenz hat Klaus Müller den Mitgliedern zunächst den Auftrag erteilt, sich Gedanken über die Wahl zu machen. Eine Entscheidung soll bei der nächsten Schulkonferenz fallen – für die es aber noch keinen Termin gibt. Das Schlimmste sei, dass die Kinder hin- und hergerissen würden, sagt Müller. „Die jetzige Regierung würde Größe zeigen, wenn sie die Entscheidung bis nach den Wahlen vertagte.“

 Auch Eva Kuhn, Leiterin des Gymnasiums Glinde, hält den Zeitpunkt für die Gesetzesnovelle für wenig sinnvoll. „Wir haben viel Arbeit in die Umsetzung von G 8 gesteckt“, sagt sie. „Jetzt müssen wir Erfahrung mit dem neuen Modell sammeln. Zwei bis drei Jahre reichen dafür nicht.“ Diskussionen innerhalb des Kollegiums und mit dem Elternbeirat hätten gezeigt, dass die meisten bei G 8 bleiben wollten. Zudem gibt es in dem Schulzentrum eine Gemeinschaftsschule, über die die Kinder in neun Jahren zum Abitur kommen können. Und auch an der Glinder Gemeinschaftsschule Wiesenfeld ist dies möglich. Deshalb sei es nicht sinnvoll, an einer dritten Schule in der Stadt neun Jahre Gymnasialzeit anzubieten.

 Am Gymnasium am Heimgarten in Ahrensburg wird erst im Februar – nach der voraussichtlichen Verabschiedung des Schulgesetzes – ein Beschluss gefasst. Schulleiter Gerd Burmeister sagt: „Dann stimmen wir uns mit Eltern, Schülern und der Stadt ab.“ Denn die Entscheidung für G 8 oder G 9 liegt nicht allein bei den Gymnasien. Sie müssen sich mit dem Schulträger einigen. Gelingt das nicht, entscheidet das Bildungsministerium.

 Schulen können G 8, G 9 oder das Y-Modell anbieten

Mit der Novelle wird das Schulgesetz von 2007 geändert, mit dem die achtjährige Gymnasialzeit eingeführt wurde.  An Gemeinschaftsschulen ist das Abi nach neun Jahren möglich.

Ab dem kommenden Schuljahr sollen Gymnasien selbst entscheiden können, ob sie G 9 oder G 8 einrichten. Beim Y-Modell werden beide Varianten parallel an einer Schule angeboten.

Mit der Wahl von einer der drei Alternativen darf laut Ministerium kein Mehraufwand für den Schulträger entstehen. Es darf auch nicht mehr Personal benötigt werden. (let)