[ Stormarner Tageblatt vom 9.11.2011 ]
Bargteheide. „Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch“, schrieb ein deutscher Soldat aus dem Zweiten Weltkrieg nach Hause. Unter diesem Motto steht auch der Volkstrauertag in Bargteheide. Eine Arbeitsgruppe bereitet das Programm für den Gedenktag vor. „In diesem Jahr möchten wir an den Überfall auf die damalige Sowjetunion erinnern, der vor 70 Jahren begann“, sagt Heidburg Behling. Während der Gedenkstunde werden unter anderem erschütternde Briefe und Tagebuchaufzeichnungen von Zeitzeugen verlesen. Soldaten und kriegsgefangene Zwangsarbeiter beider Seiten kommen dabei zu Wort. Nie wieder Krieg lautet ihre klare Botschaft. Seit 27 Jahren wird der Gedenktag in Bargteheide auf diese nachdenkliche Weise gefeiert. „Nie ist dabei das Gefühl der Abnutzung aufgekommen“, sagt Bürgermeister Dr. Henning Görtz. Die Feierstunde unterscheide sich von anderen dadurch, dass dabei auch Inhalte vermittelt würden.

Der Bogen wird aber bis zur Gegenwart gespannt. „Wir zitieren auch Briefe von Soldaten der Bundeswehr, die in Afghanistan eingesetzt wurden“, sagt Heidburg Behling. Darin spielen auch Äpfel eine Rolle. „Die Soldaten der ISAF testeten damit, ob ein Gelände minenverseucht war“, sagt Heidburg Behling. „Sie warfen Äpfel dorthin, wenn die einheimischen Kinder dann hinliefen, war das ein Zeichen dass keine Minen versteckt waren.“

Äpfel halfen aber auch russischen Zwangsarbeitern im Lager Finkenwerder, den Krieg trotz ihrer Hungerrationen zu überleben. Für musikalische Beiträge sorgen Mitglieder des Chors Vocalis, Schüler des Gymnasiums Eckhorst und Gäste aus Russland. Darunter sind Freiwillige der Aktion Sühnezeichen, die zurzeit in Deutschland ihren Friedensdienst leisten.

Der Volkstrauertag beginnt um 10 Uhr mit einem vorgezogenen und verkürzten Gottesdienst in der Ev. Kirche. Die Teilnehmer gehen anschließend zum Ehrenmal am Markt, wo gegen 10.45 Uhr Kränze niedergelegt werden. Anschließend, ab etwa 11 Uhr, wird es die Gedenkfeier im Stadthaus, Am Markt 4, geben.
jpm

Gedenken an Kriegsopfer und mahnende Worte

[ Stormarner Tageblatt vom 14.11.2011 ]

Bargteheide- Am Volkstrauertag wurde gestern der Opfer der Weltkriege und der Menschen , die heutzutage unter Gewalt leiden, gedacht. So auch in Stormarn, wie hier in Bargteheide, wo Bürgermeister Henning Görtz gemeinsam mit Bürgervorsteher Horst Kummereinke einen Kranz am Mahnmal niederlegte. Anschließend fand eine stimmungsvolle Gedenkstunde im Ganztagszentrum statt bei der Briefe deutscher Soldaten, russischer Kriegsgefangener aus den Weltkriegen, die Leiden der damaligen Zivilbevölkerung aber auch aktuelle Berichte aus dem Afghanistankrieg im Mittelpunkt standen.
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briefe_vom_kriegSonntag, den 13. November 2011

„Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch“

Briefe vom Krieg

Programm der Gedenkstunde zum Volkstrauertag 2011

  „Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch“

Begrüßung: Bürgermeister Dr. Henning Görtz

 Franz Schubert: Impromptus op. 90 Nr. 2 in Es-Dur

 I. Einleitung

 II. Erinnerung

 1. Erinnerungen der Soldaten und Kriegsgefangenen

 1.1.Briefe deutscher Soldaten von der Ostfront, Brief aus der Heimat

 Walther, Lina und Axel Lüders:„Was macht die Welt, in der wir zu Hause sind?“

Willy Peter Reese:  Mir selber seltsam fremd

 1,2.Abhörprotokolle- Soldaten- Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben

 Musik: Chor

1.3 Erinnerung russischer Soldaten

Konstantin Simonow, Kriegstagebücher (Auswahl) Frankfurt 1982

1.4 Berichte deutscher Kriegsgefangener aus Russland

1.5 Berichte  ehemaliger russischer Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter   in Deutschland

Bericht einer Zwangsarbeiterin

Bericht eines russischen Kriegsgefangenen

Musik: Tjomaja Notsch (Chor)

2. Leiden der Zivilbevölkerung

2.1 Alex Adamowisch/Danil Granin, Das Blockadebuch,

      Berichte über die Blockade von Leningrad

2.2 Hans Graf von Lehndorff, Ostpreußisches Tagebuch,

      Berichte aus Königsberg

 Musik: No Bravery (Duett)

3. Kriegsberichte von heute

3.1 Afghanistan -  Briefe deutscher Soldaten  aus Afghanistan

3.2.Zeugnisse über Afghanen

III. Mahnung

1. Käthe Kollwitz Auszüge aus den Tagebüchern -

Bilderzyklus (Bilder gegen den Krieg)

 Johann Sebastian Bach: Präludium f-Moll, BWV 881

 2. Szenische Darstellung  nach Wassil Bykau, Die dritte Leuchtkugel

Edvard Grieg: Klavierstück op. 41 Nr. 3

 IV. Totengedenken

 Musik: Friedenskanon

 V. Hoffnung-Visionen

 1. Besuch ehemaliger Zwangsarbeiter in Hamburg- Bericht von Ingeborg Luth/Finkenwerder

 2. Bericht eines Freiwilligen der Aktion Sühnezeichen aus Wolgograd

 3. Kontakty- Initiative zur Unterstützung ehemaliger russischer Kriegsgefangener

 4. Wladimir Wyssozkij, Lied von der Erde

 

Konzeption und Gestaltung der Gedenkstunde:

Mitglieder der Arbeitsgruppe Volkstrauertag:

Heidburg Behling

Birgitt Gartenschläger

Lieselotte Jürgensen

Martina Mayer Köhn/ Ursula Tröstler

Bernhard Langer

Klemens Risse

Jan Scheppukat

Mitwirkende:

Louise Natorp (Klavier)

Julia Blöcker und Kerstin Walkowiak (Gesang)

Jarena Walkowiak (Klavierbegleitung)

Anastasia Kataeva (Gitarre, Gesang, ASF-Freiwillige)

Dennis Tsoy (ASF-Freiwilliger)

Amrei Anuschka Alrep, Jasmin Kojzek, Johanna Steinke und Anna Lisa Tietgen

szenische Darstellung unter der Leitung von Jonathan Ide (Gymnasiums Eckhorst)

Mitglieder des Chores Vocalis  unter der Leitung von Eva- Maria Siebert