[ Hamburger Abendblatt vom 9.11.2011  ]

60 Bargteheider überlegen bei einer Einwohnerversammlung, wie der CO2-Ausstoß in der Stadt verringert werden kann

Bargteheide. Gradtagszahlenbereinigung. Worte wie diese sorgten zu Beginn der Bargteheider Klimawerkstatt für Fragezeichen auf den Gesichtern. Hatte Marius Lauterbach das verstanden? "Geht so", lautete die Antwort des 14-Jährigen. Entmutigen ließ er sich durch das Fachchinesisch und die trockene Anfangsphase der Einwohnerversammlung aber nicht. Der Schüler des Eckhorst-Gymnasiums blieb bis zum Schluss. Fast drei Stunden hörte er zu, machte Vorschläge und klebte Punkte auf Stellwände, um zu zeigen, welche Themen ihm wichtig sind. "Solarenergie, ganz klar", sagte Marius.

Genauso motiviert waren die anderen, die sich im Ganztagszentrum versammelt hatten. 60 waren gekommen. Und das war ein Erfolg. "Normalerweise kommen höchstens 20, und davon sind auch noch 15 aus der Verwaltung. Die Beteiligung hier ist wirklich erstaunlich", sagte Roland Strauß vom Ingenieurbüro CDM, der mit seinen Kollegen Arnd Lilie und Moritz Wickert die Einwohnerversammlung moderierte.

Alleinerziehende waren gekommen, Rentner, Politiker, Rathaus-Mitarbeiter, Familienväter, Mitglieder der Initiative "Bürger für Klimaschutz in Bargteheide" - und Jugendliche wie Marius. Seit der siebten Klasse ist er Klimawächter am Eckhorst-Gymnasium und kümmert sich darum, dass Lampen ausgemacht und Fenster geschlossen werden. "Die Klasse ist ein bisschen chaotisch. Aber im Prinzip halten sich alle dran", sagte Mathis Flemming, der zweite Klimawächter der 9 d. Auch er wollte am politischen Rad mitdrehen und seinen Beitrag zum Klimaschutzkonzept leisten. "Das Heizungssystem bei uns an der Schule lässt sich nicht abstellen. Das muss man regeln können", forderte er. "Wir brauchen noch mehr Aufklärung in den Schulen", meinte Marius.

Um den Bürgern etwas an die Hand zu geben, erläuterten die Ingenieure zunächst, wie ein Klimaschutzkonzept entsteht. Der erste Schritt sei schon getan: die Bestandsaufnahme. Der zweite Schritt, die Auswertung und das Erstellen einer CO2-Bilanz, habe begonnen – "mit dem Ziel, die Emissions-Schwerpunkte zu erkennen und eine Defizit-Analyse zu erstellen", sagte Strauß. Anders ausgedrückt: Die entscheidende Frage ist: Wo wird am meisten CO2 in die Luft gepustet? Erste Erkenntnis: Städtische Einrichtungen sind mit vier Prozent am CO2-Ausstoß beteiligt, private Haushalte mit fast 50 Prozent.

"Leider gibt es nur über die kommunalen Einrichtungen frisch erhobene Daten. Für den privaten Bereich waren wir auf Statistiken angewiesen", musste der Projektingenieur gestehen. Das gefiel nicht allen. "Das ist doch viel zu unkonkret", warf eine Dame aus dem Publikum ein. Sie wartete darauf, konkret werden zu können, Vorschläge für ein klimafreundliches Bargteheide zu machen und zu hören, welche Ideen und Wünsche die Bürger mitgebracht hatten. Und das waren viele: Das Einrichten eines Klima-Infozentrums wurde vorgeschlagen und ein Ideen-Wettbewerb an Schulen für das Erstellen eines Klima-Logos –- als Jugendbildung und um über eine Klimabewegung Verhaltensänderungen in der Bevölkerung voranzutreiben. Gewünscht wurden mehr Busse, das Anbieten von Elektro-Rädern, das Organisieren von Carsharing und von Eltern-Sammeltaxis. Erneuerbare Energien sollten gefördert werden, allen voran die Sonnenenergie. Und schließlich wurde die Übernahme der Energieversorgung durch die Kommune gewünscht, um die Abhängigkeit von den Großkonzernen zu beenden.

Die Bürger hatten sich auf drei Workshops verteilt. Es ging um "Private Haushalte und Wohnungsbau" und um "Erneuerbare Energien". Marius und Mathis hatten die dritte Arbeitsgruppe gewählt: "Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung", ebenso wie die Klimawächterinnen Caroline Claussen, 14, und Canan Righini, 15. Canan klebte nicht nur den Zettel "Vegane Woche" an die Stelltafel, als Hinweis darauf, doch hin und wieder auf Fleisch und damit auf energieraubende Futterherstellung zu verzichten. Canan überraschte auch mit dem Vorschlag, einen CO2-Filter in Autos einzubauen. "Wir haben das am Projekttag in der Schule besprochen. Wie das technisch gehen könnte, wissen wir nicht. Aber vielleicht können sich ja Fachleute darüber Gedanken machen", ergänzte Caroline.

"Es ist toll, dass so viele Jugendliche gekommen sind. Die sind mit so viel Fantasie an die Sache herangegangen", sagte Ruth Kastner, Vorsitzende der Bargteheider Grünen. Zufrieden mit dem Verlauf waren auch Bargteheides Klimaschutzbeauftragte Ulrike Lenz, Hans-Werner Harmuth (CDU), Sprecher der Lenkungsgruppe Klimaschutz, und die Lehrerin Claudia Vogel vom Eckhorst-Gymnasium: "Die Schüler haben erlebt, was politische Arbeit ist und dass sie wirklich Mitbürger sind."

Martina Tabel


Was sich die Einwohner vorstellen

[ Stormarner Tageblatt vom 9.11.2011]

Die Schüler des Eckhorst Gymnasiums brachten bei der Einwohnerversammlung viel frischen Wind in die Diskussion und lieferten neue Ideen zum Klimaschutzkonzept.
Fotos: J. Meier
60 Interessierte bei Einwohner-Forum zum Klimaschutz in Bargteheide / Schüler brachten viel frischen Wind mit
Bargteheide - Es geht voran bei den Bargteheider Klimaschützern. Über 60 Interessierte nahmen jetzt an der Einwohnerversammlung im Ganztagszentrum teil, bei der das weitere Vorgehen diskutiert wurde. In drei Arbeitsgruppen formulierten die Bürger ihre vorrangigen Ziele, um den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid zu begrenzen. Darunter waren auch viele Schüler des Eckhorst Gymnasiums, die sich schon lange für den Klimaschutz einsetzen.

Sie brachten auch viel frischen Wind in die lebhafte Diskussion. „Wir haben uns mit einem Projekttag vorbereitet und Ideen gesammelt“, sagte Carolin. Einige Vorschläge der Schüler sind autofreie Sonntage, ein Klimahaus als Informationszentrum, den Weg zur Arbeit möglichst mit dem Fahrrad anzutreten, eine stromfreie Unterrichtsstunde, bessere Radwege mit Solarlampen, Fahrgemeinschaften und Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

Sie beteiligten sich an der Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit. Die wünschte sich regelmäßige Berichte über vorbildliche Projekte in der regionalen Presse. Dafür sollte ein Klima-Logo entwickelt werden, etwa durch einen Wettbewerb an den Schulen. Zudem wurde eine Beratungs- und Anlaufstelle im Rathaus vorgeschlagen, die über die Einspar- und Fördermöglichkeiten berät.

Die Übertragung der Stromnetze an die Kommune stand bei der Arbeitsgruppe erneuerbare Energien ganz hoch im Kurs. Daneben stand die Förderung von Solar- und Windenergie ganz oben auf der Wunschliste. Mit einigem Abstand folgten Biogasanlagen. Auch ein Dach-Kataster über die Eignung für die Nutzung von Solarenergie wurde häufig vorgeschlagen. Mit den privaten Haushalten, die am schwierigsten erreichbar sind, befasste sich eine dritte Gruppe.

Spartipps für die Verbraucher wurden hier am häufigsten genannt. Mit Fragebögen könnten Daten über Reihenhaussiedlungen gesammelt und die Hauseigentümer so zum Energiesparen motiviert werden. Die nachbarschaftliche Beratung und Festsetzungen in der Bauleitplanung könnten ebenfalls dabei helfen, weniger Treibhausgase zu erzeugen.

„Wir wollen ein Klimakonzept in Bargteheide umsetzen und leben“, zog Hans-Werner Harmuth Bilanz. Der Vorsitzende des Projektausschusses Energie kündigte weiteres Engagement für den Klimaschutz an. Dafür werde die Stadt noch mehr Geld in die Hand nehmen: „Wir möchten für die Zukunft etwas daraus machen.“

jpm

Schritt für Schritt in Richtung Klimaschutz

[  Bargteheider Markt vom 9.11.2011 ]

Eckhorst-Schülerinnen präsentieren bei der Einwohnerversammlung ihre Wunschlisten. Foto: Meier

Bargteheide (jm). Bargteheides Klimaschützer haben eine weitere wichtige Etappe hinter sich gebracht. Über 60 Menschen nahmen an der Einwohnerversammlung im Ganztagszentrum teil, bei der das weitere Vorgehen diskutiert wurde. In drei Arbeitsgruppen formulierten die Bürger ihre vorrangigen Ziele, um den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid zu begrenzen.

Unter den Teilnehmern waren auch viele Schüler des Eckhorst Gymnasiums, die sich schon lange für den Klimaschutz einsetzen. Sie brachten viel frischen Wind in die Diskussion. „Wir haben uns mit einem Projekttag vorbereitet und Ideen gesammelt”, sagt Carolin. Die Schüler fordern unter anderem ein Klimahaus als Bildungs- und Informationszentrum, eine stromfreie Schulstunde, weitere Projektwochen zum Thema und autofreie Tage.

Außerdem sollten Sponsoren für Klimaprojekte gesucht werden und der Weg zur Arbeit möglichst mit dem Fahrrad angetreten werden. Gewünscht werden auch Wettbewerbe, bei denen die besten Ideen mit Preisen belohnt werden, sowie finanzielle Anreize zum Energiesparen.

Bei den erneuerbaren Energien stehen Biogas und die Solarenergie ganz oben auf der Wunschliste. Für den weiteren Ausbau sollte ein Solarkataster mit geeigneten Dächern aufgestellt werden. Hohen Stellenwert hat auch die Übernahme des Stromleitungsnetzes von den bisherigen Versorgern in kommunale Hand.

Nachbarschaftliche Beratung hat für die Arbeitsgruppe private Haushalte hohen Stellenwert. Hier sollten auch weitere Daten mit Fragebögen erhoben werden und die Bürger über Fördermöglichkeiten informiert werden. Für die Energieberatung wird eine Anlaufstelle im Rathaus gewünscht, es sollten auch Energiespartipps veröffentlicht werden.

„Wir wollen ein Klimakonzept in Bargteheide umsetzen und leben”, zieht Hans-Werner Harmuth, der Vorsitzende des Projektausschusses Energie, schließlich Bilanz. Dafür werde die Stadt auch ein bisschen mehr Geld in die Hand nehmen, „um für die Zukunft etwas draus zu machen.”

Bereits am heutigen Mittwoch berät der Projektausschuss Energiekonzept über die Ergebnisse der Einwohnerversammlung und das weitere Vorgehen. Er trifft sich zur öffentlichen Sitzung ab 18.30 Uhr im Ratssaal


Schüler des Eckhorst-Gymnasiums stellten ihre Ideen auf Plakaten vor (oben). 
Foto: Grell

Jugendliche präsentierten ökologische Ideen

[ Hamburger Wochenblatt vom 9.11.2011]

Sie wünschen sich Heizungsregler für Klassenräume und Schulgärten

Die Bargteheiderin Elke Lührig war aus Interesse zum Workshop gekommen. Sie freut sich, dass hier überhaupt einige Ideen der Grünen ins Rollen gebracht wurden. „Am Anfang stießen diese noch auf Ablehnung“, sag sie. Viele Schüler des Eckhorst-Gymnasiums nutzten den Abend, um ihre Ideen vorzustellen. Diese hatten sie auf Plakaten in Worte gefasst. Bei einem Projekttag hatten diese sich ausführlich auf den Abend im Ganztagszentrum vorbereitet. Mehr Schulgärten solle es geben und eigene Heizungsregler für jeden Klassenraum. Wettbewerbe wären auch toll und vielleicht ein Klima-Haus. Besonders gespannt waren die Jungen und Mädchen darauf, ob die von ihnen erarbeiteten Klimaschutz-Aspekte berücksichtigt werden würden. Auch, wenn bei den Besuchern sehr unterschiedliche Schwerpunkte favorisiert wurden, waren sich doch alle einig: Bargteheide ist mit einem Klimaschutzkonzept genau auf dem richtigen Weg.