[ Ahrensburger Zeitung vom 27.3.2009 ]
Reaktionen: Bargteheider Schüler erteilen Vorschlag aus Berlin eine Absage

"Bisherige Regelung hat sich als gut erwiesen", sagt auch Schulleiter des Eckhorst-Gymnasiums, Christian Wendt.

Von Michael Degenhard

Bargteheide - "Eine Stunde später in die Schule? Dann würde mir ja eine Stunde Freizeit am Nachmittag fehlen", sagt Kristina Bielfeldt aus dem zwölften Jahrgang des Bargteheider Eckhorst-Gymnasiums. Sie und ihre Schulfreunde unterstützen den Vorschlag eines Berliner Schulsprechers nicht. Er hatte vorgeschlagen, die erste Stunde erst um 9 Uhr beginnen zu lassen und damit eine bundesweite Diskussion ausgelöst. Die Stormarner Schüler befürchten, dass eine Stunde später hin auch eine Stunde später raus bedeuten könnte - und das wollen sie nicht.

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Kiel, Bernd Schauer sagt dazu: "Es gibt eine Vielzahl von Untersuchungen, die für ein Verlegung des Schulbeginns sprechen." Er ergänzt: "Aber das ist nur zu realisieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Und das ist nur selten der Fall." Die Schulzeit einfach um eine Stunde nach hinten zu verschieben, sei für ihn keine Lösung. Er sagt: "Das klappt nur an gebundenen Ganztagsschulen, die von 9 bis 16 Uhr durchgängig unterrichten und eine Mischung aus Unterricht, Freizeit und Selbstlernphasen anbieten. Damit die Schüler dann auch ohne Hausaufgaben heimgehen können." Der Schulleiter des Eckhorst-Gymnasiums in Bargteheide, Christian Wendt, hat schon an Schulen in Südafrika, Amerika und England unterrichtet: "An den meisten Schulen wurde der Unterricht auch gegen 8 Uhr aufgenommen. In England allerdings wurde später begonnen. Da hingen am Nachmittag dann aber alle durch - natürlich auch die Lehrer." Auch der Schulleiter kennt die Leistungskurven der Schlafforschung, die mehrheitlich für einen späteren Schulbeginn sprechen. Er meint aber, dass sich die bisherige Zeit als gut erwiesen habe und ein solcher Plan auch die Ganztagspläne der Schulen beeinflussen würde.

Stormarns Schulrätin Kirsten Blohm-Leu überlässt den Schulen die Entscheidung: "Der Beginn der ersten Stunde kann von der Schulkonferenz jeder Schule selbst festgelegt werden. Im Kreis beginnt der Unterricht bisher zwischen 7.45 Uhr und 8.15 Uhr - und bisher hat keine Schule einen Antrag auf späteren Beginn gestellt."

Von den Schülern sollte man nun aber eine breite Zustimmung für eine Stunde zusätzlichen Schlaf am Morgen erwarten. Doch dem ist eben nicht so. Alle befragten Schüler des Eckhorst-Gymnasiums sind dafür, die erste Stunde weiterhin um 8 Uhr beginnen zu lassen. Sonst hätten sie nämlich auch weniger Freizeit. "Ich habe einen Freund. Auch für den braucht man Zeit", sagt Christina Eggers. Sie ist - ebenso wie ihr Mitschüler Minh Ngoc Bui - schon jetzt bis 15 Uhr in der Schule und möchte nicht noch mehr Zeit in der Schule verbringen, "obwohl eine Stunde mehr Schlaf schon praktisch wäre - gerade am Montag".

Ist denn wirklich niemand für einen späteren Schulbeginn? "Doch, Jan wäre sicherlich dafür", sagen die Schüler, "der ist aber noch nicht da, hat bestimmt wieder verpennt."

erschienen am 27. März 2009