[ Lübecker Nachrichten vom 18.1.2009]


 

Wolf Leichsenring geht nach 30 Jahren Lehrerdasein in Bargteheide in den Ruhestand. Statt mit Lehr- und Stundenplänen kann er sich nun in Ruhe mit der geliebten Musik und Projekten wie den Ost-West-Konzerten mit Natalja Klemm widmen.
Foto: B

Bargteheide - Man kann ihn getrost „ortstreu“ nennen: 30 Jahre unterrichtete Wolf Leichsenring in Bargteheide. Ende des Halbjahres verabschiedet sich der stellvertretende Direktor des Gymnasiums Eckhorst in den Ruhestand.

Als junger Soldat war Wolf Leichsenring während der Schneekatastrophe in einem Panzer unterwegs und half dabei, als eine Frau in dem Gefährt ein Baby zur Welt brachte. „Es war ein Junge, und er hieß Jan“, weiß er heute noch. Der Rolle des Geburtshelfers blieb er treu, auch wenn es sich später auf andere Gebiete bezog: Am damaligen Kreisgymnasium Bargteheide half Leichsenring beim Aufbau des Russisch-Unterrichts an der Schule, später wechselte er ans Bargteheider Eckhorst-Gymnasium und baute dort die Oberstufe auf. Mit Ende des Halbjahrs geht der 62-jährige Studiendirektor in den Ruhestand.

„Ich gehe ohne Wehmut“, erklärt Leichsenring, obwohl er seinen Beruf sehr gerne ausgeübt hat. „Ich würde heute auch wieder Lehrer werden.“ Dabei hatte er mit jener Spezies zunächst schlechte Erfahrungen gemacht: „Nach ein paar Schwierigkeiten an der TMS in Bad Oldesloe habe ich mein Abitur lieber in Büsum gemacht.“

Nach dem Wehrdienst studierte er in Hamburg Russisch und Französisch, ging ein Jahr nach Frankreich, absolvierte das Referendariat in Kiel und lieferte sich per Leserbrief eine Diskussion mit einem Herrn, der bald darauf sein Chef werden sollte. Der damalige Direktor des Kreisgymnasiums Bargteheide, Hansjürgen Eck, stellte den jungen Lehrer ein. „Russisch war damals noch kein häufiges Schulfach“, erinnert er sich etwas belustigt, „manche Kollegen anderer Schulen haben mich sozialistischer Neigungen verdächtigt.“

Allmählich erwärmte sich das politische Klima und Leichsenring baute am KGB das Schulfach Russisch auf. Als sich als Ableger vor 25 Jahren das Eckhorst-Gymnasium neu gründete, ging Leichsenring mit und war vier Jahre lang Oberstufenleiter, bis er den Posten als stellvertretender Direktor annahm. „Ich habe über 30 Jahre in Bargteheide unterrichtet und mich immer wohl gefühlt“, sagt er.

Mit fünf eigenen Kindern kannte er die Probleme der Jugend genau, „wir hatten zuhause am Mittagstisch alle Probleme des Schulalltags sitzen“. Leichsenring hat immer gerne unterrichtet, weiß aber auch um die Schwierigkeiten seines Berufsstandes. „Die ersten zehn Sekunden vor der Klasse entscheiden über den Eindruck, den ein Lehrer macht. Ich habe alle Partner – ob Kollegen, Schüler oder Eltern – immer ernst genommen. Ein Lehrer steht mit seiner Persönlichkeit da, egal, welche Medien er zu Hilfe hat.“ In seinem Schulleben hat er die große Neuerung der Computer miterlebt, aber auch diverse Reformen, „alter Wein in neuen Schläuchen“, wie er es nennt.

Langeweile kennt Leichsenring, der immer schon parallel als Sänger auf der Bühne stand und an der Lübecker Oper mitsingt, nicht. „Nach der Pensionierung habe ich viel zu tun. Aber erst einmal gehe ich mit meiner Frau vier Monate auf Reisen.“ Sizilien, Korsika, Kreta und Inselhopping stehen auf dem Plan. Danach wird man von Wolf Leichsenring noch viel hören, und das als Bass – er singt auch in Zukunft in Konzerten und bei Opernaufführungen mit.

Von Bettina Albrod