[ Stormarner Zeitung vom 17.7.2009 ]

Am Gymnasium Eckhorst versuchten sich Schüler als „Eltern auf Probe“ und machten mit so genannten Babysimulatoren ihre Erfahrungen.

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Er weint und schreit und ist immer da: Eckhorst-Gymnasiasten mit den Baby-Puppen

Bargteheide/st– In einem besonderen Projekt haben sich die Jugendlichen der Klasse 10a am Gymnasium Eckhorst nun im Umgang mit Neugeborenen erprobt. Im Rahmen der Unterrichtseinheit „Verantwortung für ein Kind übernehmen“ erhielten sechs Paare der Klasse für vier Tage jeweils einen „Babysimulator“. Diese Simulatoren, ausgegeben und betreut von pro familia Ahrensburg und dem Gesundheitsamt Stormarn, zeigen sehr realistisch die Bedürfnisse echter Säuglinge.

Wenn sie schreien, können ausschließlich die verantwortlichen Jugendlichen die Versorgung durchführen. Das „Baby“ muss regelmäßig gefüttert und gewickelt, manchmal nur geschuckelt oder einfach in die richtige Position gebracht werden. Vielleicht muss es auch nur aufstoßen, auf jeden Fall macht es sich durch realistische Laute bei den vermeintlichen Eltern bemerkbar.

Ein Kind verändert das Leben der Eltern sehr, es muss gut versorgt werden und man macht sich Gedanken über seine Gesundheit und über all die Verpflichtungen und Aufgaben, die Elternschaft mit sich bringt. Genauso haben die Jugendlichen einige Tage und Nächte erlebt, was es bedeutet, rund um die Uhr verantwortlich für ein Baby zu sorgen.

Es war eine ungewöhnliche Belastung, besonders nachts, wenn sich die Babys in unregelmäßigen Abständen bemerkbar machten. „Ganz schön anstrengend“, war ein nicht seltener Kommentar der „Eltern auf Probe“. Aber die Jugendlichen reagierten zunehmend routinierter, zum Teil waren es die eigenen Eltern oder Passanten, die mit Rat und Tat zur Seite standen. Am Ende bemerkten sie sogar, dass diese „Kunststoffpuppen“ einem ganz schön ans Herz gewachsen waren und sich durchaus so etwas wie eine Eltern-Kind-Beziehung entwickelt hatte. Einmal stand den Jugendlichen eine Familienhebamme zur Seite, die aus ihren Erfahrungen berichten konnte.

Im Erfahrungsbericht von Effi-Laura Drews (16) heißt es: „Unser Kind war zunächst ziemlich ruhig und fing natürlich erst in dem Moment an zu schreien, als wir im Auto saßen und ich nicht wirklich gut die Windeln wechseln konnte. Die Nacht war sehr kurz, denn als das Kind zum vierten Mal in der Nacht schrie, konnten wir nicht mehr schlafen. Am nächsten Tag hatte ich Ballett, und Max und Ayla Marie, also unser Kind, begleiteten mich. Alle Mädchen waren sehr interessiert und wir bekamen nur positive Rückmeldungen. Natürlich gab es die ganze Zeit keinen Laut von sich. Auch als wir abends Grillen waren, war es relativ ruhig. Als wir allerdings schlafen wollten, sah das Kind dies etwas anders. Wir waren fast jede Stunde wach und am nächsten Tag auch dementsprechend müde.“

Neben diesen Fürsorgepflichten und die daraus resultierende Belastungsfähigkeit der „Eltern“ wurden auch Probleme einer frühen Elternschaft, Konfliktsituationen in einer Partnerschaft und Themen zur Sexualität erörtert und mit der ganzen Klasse besprochen.

Vorbereitet wurde das Projekt durch Biologielehrer Klemens Risse, aufbereitet und betreut wurden die vier Elterntage durch Iris Löblein von pro familia Ahrensburg und Günther Frank von der AIDS- und Sexualberatungsstelle des Kreises Stormarn. Finanziert wird das Projekt freundlicherweise durch den Rotary-Club Bargteheide und den Schulverein des Eckhorst-Gymnasiums. Eine Restsumme haben die Schüler durch einen Kuchenverkauf im Gymnasium selbst erwirtschaftet, um dieses Projekt absolvieren zu können.