[ ln-online/lokales vom 15.05.2009 ]

Bad Oldesloe – Handygebimmel und nervtötende Telefongespräche in Zügen, Läden und Restaurants muss man über sich ergehen lassen. Wenigstens in Schulen herrscht dagegen Handy-Ruhe. Im Unterricht und auf den Pausenhöfen von Stormarns Schulen gibt es ein Telefonier- und Sims-Verbot.

„Das läuft sehr gut und wird befolgt. Ich sehe keine Kinder telefonieren“, sagt Bernd Flegel, stellvertretender Schulleiter der Theodor-Mommsen-Schule. Am größten Gymnasium Schleswig-Holsteins wurde vor drei Jahren lebhaft ein totales Handy-Verbot diskutiert. Doch dagegen wehrten sich nicht nur Schüler, sondern auch ihre Eltern vehement. Die Eltern wollten ihre Kinder im Notfall erreichen können. Wenn sich ein Schüler nicht an das Benutz-Verbot hält, wird das Handy eingesammelt und die Eltern benachrichtigt. Allerdings könne ein Lehrer die Erlaubnis zu einem Telefonat erteilen.Fünf Jahre schon herrscht an der Klaus- Groth-Schule ein Handy-Verbot – seit die ersten Handys Kameras hatten, erinnert sich Schulleiterin Hildegard Pontow. Damals sei ein Schüler in einer unglücklichen Situation gefilmt worden. Das Handy muss seitdem während des Unterrichts ausgeschaltet bleiben. Trotz Verbots sei es zu weiteren Vorfällen an der Grund- und Hauptschule gekommen, zu denen sogar der Jugendschutzbeauftragte der Polizei eingeschaltet wurde. In einem Fall wurde ein Schüler so lange provoziert, bis er weinte und als „Memme“ gefilmt, in einem anderen ein Kind zur Weißglut gebracht, bis es zuschlug. Die Videos wurden im Computerraum ins Schulnetz gestellt.Gut bewährt hat sich die Zusammenarbeit der Schule mit der Polizei in „Aggas“, dem Arbeitskreis gegen Aggressionen an Schulen. Immer dann, wenn es um Mobbing, Diebstahl, Gewalt gegen Personen oder Sachen geht, ist der Jugendbeauftragte der Polizei zur Stelle, notiert Namen, klärt auf. Damit es kein zweites Mal gibt.

Übrigens sind an der KGS auch die Ohrstöpsel von i-Pods & Co nicht erlaubt. Pontow: „Die Schüler sollen soziale Kontakte aufnehmen, miteinander reden und sich nicht isolieren.“

Auch in Bargteheide gibt es eine klare Ansage. „Das Handy-Verbot steht bei uns schon seit mehreren Jahren in der Schulordnung“, erklärt Heiko Rahf, stellvertretender Schulleiter des Eckhorst-Gymnasiums in Bargteheide. Cyber-Mobbing nennt sich das virtuelle Stänkern im Internet, dem fast alle Schulen einen Riegel vorgeschoben haben – wie auch an der Anne-Frank-Gesamtschule in Bargteheide. Allerdings könne man das Mobiltelefon an der Schule nicht grundsätzlich verbieten, da ein großer Teil der Schüler Fahrschüler von außerhalb sind, die ein Handy brauchen.

An der Ahrensburger Stormarnschule können die Schüler Telefonate vom Münzfernsprecher im Erdgeschoss, in dringenden Fällen auch vom Sekretariat aus führen. Zudem müssen Mobiltelefone grundsätzlich vor jeder Klassenarbeit abgegeben werden, um Mogeln zu verhindern. „Die Schüler können bei Arbeiten betrügen, und vor allen Dingen haben sie dummes Zeug damit gemacht“, fasst Barbara Küstermann von der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Bargteheide die Gründe zusammen. „Bei uns gilt das Handy-Verbot seit Juni 2007.“

Keine Proteste gab es an der Kooperativen Gesamtschule in Reinfeld, als im vergangenen Jahr ein Verbot ausgesprochen wurde. „Wer beim Telefonieren, Fotografieren oder Simsen erwischt wird, ist sein Handy los und bekommt es erst am Ende des Schultages zurück“, sagt die pädagogische Koordinatorin Renate Holfter. sus/ba/NY


Beschluss der Schulkonferenz des Gymnasiums Eckhorst vom 28. Juni 2007 zum Handygebrauch:

Mit Beginn des neuen Schuljahres 2007/2008 gelten die folgenden Regeln:

      1. Die Schule trägt keinerlei Haftung für in die Schule mitgebrachte Handys und andere technische Geräte.
      2.  Handys bleiben während der Unterrichtszeit grundsätzlich nicht wahrnehmbar. In Pausen und Freistunden dürfen Handys nur außerhalb des Schulgebäudes und in der Kuhle benutzt werden.
      3. Fällt ein Schüler durch Störungen mit einem Handy auf, wird dies auf einer gesonderten Seite im Klassenbuch vermerkt und der Schüler erhält eine mündliche Verwarnung. Es besteht die Möglichkeit, dass das Handy vom Lehrer an sich genommen wird. (§25 Schulgesetz)
      4. Bei der ersten Störung erfolgt eine mündliche Verwarnung mit Vermerk im Klassenbuch.
      5. Im Wiederholungsfall informiert der Klassenlehrer die Eltern.
      6. Im weiteren Wiederholungsfall erfolgt eine schriftliche Missbilligung.
      7. Bei Prüfungen jeglicher Art (Klassenarbeiten, Klausuren, Tests etc.) wird das Handy abgegeben. Ein Antreffen mit Handy wird als Täuschungsversuch gewertet.

Ergänzende Anmerkung: Fotos und Videos dürfen nur mit Einverständnis der abgebildeten Person aufgenommen werden, eine Veröffentlichung darf ebenfalls nur mit Erlaubnis erfolgen, sonst drohen strafrechtliche Konsequenzen. Eine entsprechende Belehrung erfolgt zu Beginn des Schuljahres mit Eintrag ins Klassenbuch“.