[ Lübecker Nachrichten vom 7.2.2009 ]

wm Schüler haben sie zur beliebtesten Lehrerin von Schleswig-Holstein gewählt: Imke Wulfmeyer (37) unterrichtet am Eckhorst-Gymmnasium in Bargteheide. Foto: BETTINA ALBROD

Bargteheide - Die Schülerplattform spickmich.de hat im Internet Imke Wulfmeyer vom Bargteheider Eckhorst-Gymnasium mit dem Notendurchschnitt 1,46 zur besten Lehrerin Schleswig-Holsteins gekürt.

Seit drei Jahren sind Schüler aus dem ganzen Bundesgebiet aufgerufen, mittels vorgegebener Kriterien einmal im Jahr im Internet über die Qualität ihrer Lehrer abzustimmen und ihnen Noten zu erteilen. „Ich habe Schüler über spickmich reden hören, wusste aber nicht, dass sie abstimmen“, erklärte die Siegerin.

Imke Wulfmeyer unterrichtet seit 2005 Deutsch und Geschichte in Bargteheide. „Als Lehrerin bemühe ich mich, immer freundlich zu den Schülern zu sein, aber auch deutlich zu sagen, was mir nicht gefällt“, beschreibt die 37-Jährige ihren Stil im Klassenzimmer. „Es ist wichtig, immer ein offenes Ohr für jeden zu haben und bei Problemen zuzuhören.“ Denn Schüler würden sie häufig auch wegen persönlicher Fragen ansprechen.

In der Internet-Plattform sieht die Pädagogin durchaus ein geeignetes Forum für Schüler. „Ich freue mich über positive Rückmeldungen, würde bei negativer Kritik aber wünschen, persönlich darauf angesprochen zu werden, nicht über das Internet. Allerdings kann ich verstehen, dass Schüler sich so eine Plattform wünschen; nicht jeder Lehrer ist offen für Kritik.“

Eine Bewertung muss sich dennoch jeder gefallen lassen, der im Forum auftaucht. „Deine Daten sind uns heilig“, versprechen die Macher der Seite den Schülern – die der Lehrer sind es ihnen nicht. Das hat dazu geführt, dass spickmich.de seit seinem Auftauchen im Netz 2007 mit Klagen überhäuft wird. „Wir werden immer wieder verklagt“, erzählt Mitgründer Manuel Weisbrod aus Köln, „bis jetzt haben wir jeden Prozess gewonnen. Der letzte kommt gerade vor den Bundesgerichtshof.“

Während die Kläger gegen die Verletzung der Persönlichkeitsrechte ins Feld ziehen und Datenschützer das Recht auf Privatsphäre in Gefahr sehen, beruft Weisbrod sich auf das Urteil der Gerichte. „Es heißt, dass die Benotung eine berechtigte Kritik im beruflichen Umfeld sei“, wehrt er sich gegen den Vorwurf der Unfairneß. „Wir lassen ja keine Kommentare zu, sondern stimmen nach sachlichen Kriterien ab.“

Engagiert, ja oder nein, gut vorbereitet, ja oder nein, Verständnis für Schüler, ja oder nein – per Mausklick wird entschieden, wer als vorbildlicher Lehrer im Internet auftaucht oder weltweit bloß gestellt wird. Die Abstimmung erfolgt anonym – nur auf Schülerseite, versteht sich.

„Es tauchen nur diejenigen Lehrer in der Abstimmung auf, die eine Mindestzahl von Stimmen im Ranking bekommen haben“, erklärt Weisbrod, „mindestens 30 Stimmen sind nötig, damit ein Lehrer in der Abstimmung erscheint.“ Rund 100 Schüler stimmen über einen einzelnen Lehrer ab, „viel mehr hat ein Lehrer nicht im Unterricht, außerdem macht nicht jeder mit.“ Bewertet werden alle Lehrer an weiterführenden Schulen, „60 Prozent der Nutzer sind Gymnasiasten“, so Weisbrod.

Der BWL-Student hat die Plattform damals mitgegründet, „die ist aus Neugier auf das neue Medium entstanden“. Lehrer, so sein Argument, hätten Macht und würden diese im geschützten Raum Schule unkontrolliert ausüben. „Mit spickmich können wir die Lehrer einmal zurückbewerten.“

Dass das Schülerurteil über die Lehrer im Gegensatz zu den Zeugnisnoten der Schüler im Internet auftaucht, findet Weisbrod nicht schlimm. „Die Noten der Schüler kommen ja auch bei Bewerbungen den Arbeitgebern zu Gesicht“, argumentiert er. Und sieht sich als Kontrollinstanz: „Spickmich ist das erste und einzige öffentliche Feedback für Lehrer. Unser Ziel ist, für mehr Transparenz an den Schulen zu sorgen.“

Deshalb haben Weisbrod und seine beiden Kollegen gleich noch eine zweite Internetseite eröffnet, diesmal für Eltern. „Bei ’Schulradar’ wird die ganze Schule nach Unterrichtsausfall, Sitzenbleiberquote, Ausstattung und anderen Fragen beurteilt und das Ergebnis bundesweit veröffentlicht. Das soll die Kommunikation zwischen Schule und Eltern fördern“, sagt er. Das hat den Machern der Seite schon den nächsten Prozess eingebracht: Die Stadt Hamburg hat wegen einer Äußerung über eine städtische Grundschule gegen ’Schulradar’ geklagt.

Von Bettina Albrod