[ Stormarner Tageblatt vom 21.5.2008 ]



Nahezu schmerzfrei: Entweder an der Fingerspitze oder am Ohrläppchen kann der Blutstropfenabgenommen werden. Über einen Sensor im Mesgerät wird dann der Wert auf dem Display ruckzuck angezeigt.

Die Krankheit kommt auf leisen Sohlen und bleibt vielfach jahrelang unerkannt: Diabetes Typ 2. Zwischen sechs und acht Millionen Deutsche leiden bereits an der Zuckerkrankheit – und auch immer mehr Kinder und Jugendliche. Um auf das zunehmende Problem aufmerksam zu machen und um die Menschen zu sensibilisieren, ruft der Rotary Club an Bargteheider Schulen zur Diabetes-Reihenuntersuchung auf: Ein Pilotprojekt in Stormarn.

Bargteheide / vst – Rotary International setzt sich seit jeher nicht nur für Völkerverständigung und Frieden ein, sondern ebenso für Kinder und Jugendliche – mit Förder- und Austauschprogrammen, mit Stipendien und Aktionen. Ein bislang einmaliges Diabetes-Projekt in Stormarn hat sich nun der Rotary Club Bargteheide auf die Fahnen geschrieben: Reihenuntersuchung in Bargteheider Schulen.

Denn die Zuckerkrankheit hat es in sich und „wird mit seinen Folgeerscheinungen“, so der Rotarier, Projektinitiator und in Bargteheide ansässige Mediziner Dr. Thomas Giehrl, „in den kommenden Jahren und Jahrzehnten die größte Herausforderung in unserem Gesundheitswesen und unserer Gesellschaft werden“. Bereits sechs bis acht Millionen Deutsche leiden an und unter Diabetes (siehe auch Extratexte) – Tendenz weiter steigend. Verstärkt sind auch Kinder und Jugendliche betroffen. „Heute gibt es Kinder, die im Alter von vier bis fünf Jahren an Typ-2-Diabetes erkranken“, teilte Giehrl bei der Vorstellung des Unterfangens im Eckhorst-Gymnasium weiter mit. Umso wichtiger sei es, die Weichen möglichst früh zu stellen, etwa in der Schule. „Denn fünf bis acht Prozent der Jugendlichen werden in Zukunft Diabetes entwickeln“, ist sich Giehrl sicher.

Für beachtenswert und wichtig hält Bürgermeister Werner Mitsch, der ab dem 1. Juli den Vorsitz im Rotary Club Bargteheide übernimmt, das Angebot. Neben den beiden Pennälern Ava König (Kreisgymnasium) und Lars Behnke (Eckhorst) ließ sich der Verwaltungschef bereitwillig pieksen, um kurz darauf Gewissheit zu haben. Denn schon nach zehn Sekunden wird das Ergebnis auf dem Display eines kleinen Gerätes angezeigt.

Gewissheit können sich Schüler durch die kostenlosen Diabetes-Tests in der Woche vom 2. bis zum 6. Juni an Bargteheider Schulen verschaffen. 700 bis 900 Schüler der 8. Jahrgangsstufen sind aufgerufen, teilzunehmen – vorausgesetzt die vorher gebrieften Eltern geben ihr Okay. Das sollten Sie: Denn einfacher geht es nicht. Zudem ist die Untersuchung völlig gratis – wird vom dänischen Pharmaunternehmen Novo Nordisk gesponsert. Der 1925 gegründete Betrieb beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Diabetesforschung und ist der größte Hersteller von Insulin weltweit.

Bereits Vier- bis Fünfjährige erkranken an Diabetes Typ 2

Die Angst vor dem Pieks ist übrigens unbegründet: „Der ist nahezu schmerzfrei“, machte Giehrl deutlich. Aus der Fingerspitze oder dem Ohrläppchen wird ein Tropfen Blut entnommen und in einem Blutzuckermessgerät untersucht. Das Ergebnis wird dem Kind schriftlich zur Vorlage bei den Eltern mitgeteilt. Denen ist freigestellt, entsprechende Gespräche mit dem Haus- oder Kinderarzt zu führen. Der Datenschutz ist gewährleistet. Die Untersuchungsergebnisse werden weder gespeichert noch weitergegeben, wurde versichert.

Bleibt zu hoffen, dass der Pieks in Stormarn weiter Schule macht.

volker stolten

Bereits Ende 2007 hat die Bundesregierung eine Initiative gestartet, die der erschreckend zunehmenden Übergewichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen entgegen wirken soll. Doch leider sieht das Projekt den Test auf Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes nicht vor. Jugendliche flächendeckend zu testen, sei der Regierung zu teuer, hieß es. Das scheint zu kurz gedacht: Denn von anfallenden gesundheitlichen Gesamtgeldern in Höhe von 230 Milliarden Euro entfallen 60 Milliarden auf Diabetes und Folgemaßnahmen.