[ Lübecker Nachrichten vom 13.2.2008 ]

AG lockt die Kinder in die Schule: Dank Eltern-Engagement lernen Quartaner Programmieren

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Wie Autos sehen die kleinen Roboter aus, mit denen die Schüler lernen.

   


Informatiker Jens Latendorf macht die Quartaner Nils (li.) und Alexander mit den Robotern sowie deren Programmierung vertraut. Fotos: Albrodt

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15 Schüler der 7. Klasse am Gymnasium Eckhorst sind Teilnehmer einer neuen Arbeitsgemeinschaft, lernen Programmieren und konstruieren eigene Roboter. Das eher Ungewöhnliche: Auch Eltern sind mit ihrem Spezialwissen in den Unterricht integriert.

Von Bettina Albrodt

Bargteheide - Was ein Roboter ist, weiß heutzutage jedes Kind, wie er funktioniert, wissen bald 15 Schüler am Eckhorst-Gymnasium: Die Siebtklässler sind Teilnehmer einer neuen Arbeitsgemeinschaft, die die Schule unter Leitung eines Vaters in diesem Schuljahr neu anbietet. Hier lernen sie die Grundzüge des Programmierens kennen und bringen eigene Roboter zum Laufen. „Wir bieten seit zehn Jahren eine Reihe zusätzlicher Angebote als AGs an, und die werden jedes Mal gut angenommen“, erklärt der stellvertretende Schulleiter Wolf Leichsenring. „Neu sind neben den Robotern dieses Jahr auch Tanzen und Chinesisch.“

Möglich macht es der Einsatz von Schülern, Lehrern und auch Eltern. „Vom Land aus stehen unserer Schule acht bis neun AG-Stunden zur Verfügung", erläutert Leichsenring, „tatsächlich bieten wir 33 an. Der Überschuss wird von den Lehrern unentgeltlich geleistet.“ Die kommen auch nachmittags in die Schule, um den Garten künstlerisch zu gestalten, mit dem Fotoapparat zu hantieren, um Sprachen, Computerkurse oder eben den Roboterkursus anzubieten. Der ist auf Initiative von Jens Latendorf zustande gekommen, Vater des Quartaners Tom und Informatiker mit Spaß am Unterrichten.
„Es gab mal ein Roboter-Projekt im Unterricht, und das hat mich auf die Idee gebracht, mehr Wissen dazu zu vermitteln", erzählt Latendorf. „Wir klären die Fragen: Was ist ein Roboter? Was kann er? Wie programmiert man ihn?"

An der Roboter-AG des Eckhorst-Gymnasiums, die Jens Latendorf und Heiko Rahf in ihrer Freizeit leiten, nehmen 15 Schüler der Klasse 7a teil.


Wo man sich eigentlich etwas Piepsendes mit Antenne und Kulleraugen vorstellt, das mit dem Helden durch das Weltall fliegt, steht man vor Leiterplatten auf Rädern, die mittels Tischtennisball auf einem Strich entlang fahren. „Wir haben neun Leiterplatten gelötet, die mit verschiedenen Sensoren ausgestattet sind", erklärt Mathematiklehrer Heiko Rahf, der mit dabei ist. Asuro nennt sich das System, das den Schülern die Technik der Zukunft durch Erspielen näher bringt, und entwickelt hat es die TU Harburg **. Was lockt die Schüler vom Chatten in die Schule?
„Ich finde es cool, wenn man selber programmieren kann", erklärt Nils. „Hier sieht man, was hinter den Dingen ist, die man jeden Tag benutzt", meint Melanie, und Tim blickt in die Zukunft: „Irgendwann braucht man das mal." Zudem trainiert der Umgang mit Roboter und PC das logische Denken, weiß Heiko Rahf. 15 von 25 Schülern der Klasse nehmen am ersten Kursus teil, ein überwältigendes Echo, das Latendorfs Einsatz belohnt.
Der nimmt dafür jeden Montag frei und arbeitet die Stunden in der Woche nach. Auch das Lauftraining wird von einer Mutter betreut, Chinesisch bietet eine Lehrerin aus Ahrensburg in ihrer Freizeit an.

„AGs wie diese sind ein hohes Gut für eine Schule", betont Leichsenring, „wenn dieses Angebot baden ginge, wäre es eine Verarmung der Schule." Deshalb will das Eckhorst-Gymnasium auch angesichts von G 8 (Abitur nach 12 Schuljahren) das AG-Angebot aufrechterhalten. „Wir bieten in den fünften Klassen einen sanften Einstieg in G 8 mit nur zwei Wochenstunden mehr", argumentiert der Pädagoge, „die AGs sind ein zusätzliches Angebot, das weiter bestehen soll." Wenn es nach den Schülern geht, zählen die AG-Stunden ohnehin nicht als Unterricht: „Der Roboter-Kurs ist viel interessanter als immer nur zur Schule zu gehen", urteilt Renée – die hierfür allerdings in die Schule geht.

**Anmerkung: Die Zusatzplatine stammt von der TU Harburg, der Asuro-Bausatz wurde von der DLR entwickelt.


→ zur Arbeitsgemeinschaft
→ zum Presseartikel des Stormarner Tageblatts



Eckhorst-Gymnasium Engagierter Vater initiiert neue Arbeitsgruppe
[ erschienen am 14. Februar 2008 im Hamburger Abendblatt ]

Die Roboterbauer sind startbereit

Die Schüler bringen den Bausätzen sogar das Staubwischen bei. Auch in anderen Bereichen leiten Eltern Zusatzangebote.

Von Alice Friedrich

15 Schüler der Klasse 7a des Bargtreheider Eckhorst-Gymnasiums nehmen an der neuen Roboter-AG teil, die der Informatiker Jens Latendorf (hintere Reihe links) und der Lehrer Heiko Rahf (hinten, Mitte) leiten. Foto: Friedrich
   

Bargteheide - Zum Chatten und Internetsurfen brauchen sie den Computer üblicherweise. Wie man mit dem PC auch Roboter programmieren kann, das lernen derzeit 15 Siebtklässler am Eckhorst-Gymnasium in Bargteheide. Sie haben sich für die Arbeitsgemeinschaft gemeldet, die mit dem zweiten Schulhalbjahr gestartet ist.

Den Anstoß dazu gab Jens Latendorf, der Vater von Eckhorst-Schüler Tim. Mit Mathematiklehrer Heiko Rahf leitet der Informatiker die Roboter-AG. "Wir fangen mit kleinen Übungen an. Die Roboter sollen vor und zurückfahren, sich drehen und Hindernissen ausweichen können", sagt Latendorf. Auch fürs Staubwischen sollen die Geräte programmiert werden.

Die Roboter, das sind in diesem Fall Leiterplatten auf Rädern, die mit zwei Motoren, sechs Kollisions- sowie zwei Lichtsensoren für das Fahren auf einer Linie ausgestattet sind. Asuro nennt sich das System, das am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickelt wurde und 39 Euro pro Bausatz kostet. Neun dieser kleinen Roboter haben die Gruppenleiter im Eckhorst-Gymnasium im Einsatz.

Was reizt die 13-Jährigen an der AG, dass sie ihre Freizeit in der Schule verbringen? "Ich finde es cool, wenn man selber programmieren kann", sagt Nils. "Es ist spannend zu sehen, was hinter den Dingen ist, die man jeden Tag benutzt", meint Melanie. Tim ist überzeugt davon, dass "man das irgendwann mal braucht", und Renée verweist auf den Praxisbezug der Roboter-AG: "Das ist viel interessanter als immer nur Mathe, Englisch und Physik." Mathelehrer Heiko Rahf fügt hinzu: "Der Umgang mit Roboter und PC schult in jedem Fall das logische Denken."

Das Engagement von Jens Latendorf, der sich jeden Montag in der Firma frei nimmt und die Stunden in der Woche nacharbeitet, ist für den stellvertretenden Schulleiter Wolf Leichsenring ein "Paradebeispiel für die Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus". Leichsenring zählt dazu auch das Lauftraining, das von einer Mutter betreut wird, und den Chinesischkursus, den eine Lehrerin aus Ahrensburg anbietet.

"Vom Land aus stehen unserer Schule acht bis neun Stunden pro Woche für AGs zu", sagt Leichsenring, "wir aber bieten 31 Stunden an. Das sind freiwillige Leistungen unserer Lehrer." AGs seien ein hohes Gut für eine Schule, eine Bereicherung und intellektuelles Futter jenseits des Unterrichts, meint Wolf Leichsenring. Seit zehn Jahren bietet das Eckhorst-Gymnasium ein vielfältiges Angebot, das von den Schülern gut angenommen wird.