[ Stormarner Tageblatt vom 17.12.2007 ]

 

Die Klasse 8a des Eckhorst Gymnasiums Bargteheide.

 

Stefan Reyers ist Hundestaffelleiter in Stormarn. Er vermittelt anschaulich die Aufgaben eines Diensthundes.

Foto: st

„Wir waren auf Verbrecherjagd“, sagen die Schüler der Klasse 8a des Eckhorst Gymnasiums Bargteheide, die am Projekt „Zeitung in der Schule“ (Zisch) teilgenommen haben. Lesen Sie hier die Beobachtungen, die sie beim Besuch der Polizei in Bargteheide gemacht haben.

Bargteheide / st – „Wie süß, die Hunde wie süß“, sagte Hannes bevor die Belgische Schäferhündin ihm einen kräftigen Schubser gab und Hannes sich gerade noch halten konnte. Auch im Verlauf des weiteren Tages wurde uns, der Klasse 8a vom Eckhorst Gymnasium Bargteheide, klar, dass diese Diensthunde nicht nur zum Schmusen da sind.

Der Kommissar, sein Kollege erzählt uns viel über seinen Hund „Dede“. Dede ist vier Jahre alt und eine Belgische Schäferhündin. Sie ist eine Tätersuchhündin. Anka und Rex, die beiden anderen Hunde, die uns gezeigt wurden (ebenfalls Belgische Schäferhunde) sind Sprengstoff- (Anka) bzw. Drogenspürhunde (Rex). „Nun werden wir euch zeigen, wie die Hunde in einem Einsatz arbeiten“ , sagt Stefan Reyers und gibt seiner Hündin Anka ein Zeichen. Sie stürmt los und findet das versteckte Sprengstoffkabel schnell. Als Belohnung für ihren Erfolg darf sie mit ihrer Spielwurst spielen. Nachdem auch Rex die Drogen erfolgreich gefunden hatte, führt uns Herr Reyers in einen höher gelegenen, abgesperrten Raum, von dem wir das Geschehen unten in der Halle gut mitverfolgen können.

Ein Hundeführer (als Dieb) versteckt sich mit einer festen Jacke in einem Gitterkäfig. „So wie ihr es jetzt seht, wird ein richtiger Einsatz ablaufen; daher müsst ihr jetzt ganz leise sein, um den Hund nicht abzulenken“, ermahnt uns Reyers, denn der Hund würde jeden angreifen, den er entdeckt. Wir hören gespannt zu, wie der Polizist seine Warnung ausspricht: „Hier spricht die Polizei! Kommen sie raus! Oder wir schicken den Hund!“ Nachdem nichts geschah wiederholt er seine Drohung. Es passiert wieder nichts, und schließlich schickt er seinen Hund Dede los. Nach ein paar Minuten erfolglosem Suchens, nimmt er einen Geruch wahr und stürmt die Treppe hinauf zu uns. Er springt gegen die Tür und bellt wie verrückt. Manche von uns haben Angst. Die Hundeführer holen ihn zurück und die Suche geht weiter. Erst als der Dieb sich bewegte, findet der Hund ihn. Die anderen beiden Hunde fanden ihn schneller. Rex, der erfahrenste, war am schnellsten. Nach dieser aufregenden Suchaktion, konnten wir noch einige Fragen stellen. Wir dankten Herrn Reyers und seinen Kollegen und wünschten ihn noch einen schönen Tag. Es war ein toller Tag und wir haben ihn sichtlich genossen.

Klasse 8a Gymnasium Eckhorst Bargteheide



Interview mit Stefan Reyers

Im November ging die Klasse 8a des Eckhorst Gymnasiums zum Polizeihundeführer Stefan Reyers.

Ab wie viel Jahren werden die Hunde ausgebildet?

Reyers: Mit einem Jahr werden sie zum ersten Training geführt und je nach ihrer Gesundheitlichen Verfassung hören sie nach frühestens sieben Jahren auf.

Wie oft trainieren sie denn im Monat und wie läuft so ein Training ab?

Reyers: Wir trainieren etwa vier Mal im Monat, je drei bis vier Stunden. Im Training versteckt der Hundetrainer den zu suchenden Stoff. Dann gibt er dem Hund ein Zeichen in dem er seine Hand auf seine Seite legt, daraufhin sucht der Hund. Wenn er fündig geworden ist, bekommt er eine Belohnung wie Spielzeug oder Futter.

Wurde ein Hund bei einem Einsatz schon mal verletzt?

Reyers: Ja, aber das ist lange her. Beim Einsatz wurde der Hund in ein Gebäude geschickt, in dem noch der Täter war. Als der Hund um die Ecke kam, stach der mit einem Messer bewaffnete Täter auf den Hund ein. Er konnte sich noch aus dem Haus retten, erlag aber draußen den Verletzungen.

Wozu sind die Spürhunde eigentlich sonst noch gut?

Reyers: Sie spüren erst einmal den Sprengstoff oder die Drogen zuverlässig auf und dann sollen sie auch Menschenleben schützen. Denn wenn man erst einen Hund in ein Gebäude schickt, wo eine Bombe versteckt sein könnte, wird nur der Hund verletzt oder im schlimmsten Fall sogar getötet.


Der Ablauf eines Einsatzes bringt Überraschungen

Bargteheide /st – Los geht’s: Das Hundeeinsatzkommando wird meist von einem anderen Polizisten oder einer Privatperson zu Einsatz gerufen.

Sobald die Beamten mit ihren gut ausgebildeten Menschen- oder Gegenstands-Suchhunden eintreffen wird das Einsatzgebiet, in dem sich der Täter befinden soll, umstellt und die Polizisten kündigen ihr Einsatzmittel den Hund zweimal an. Daraufhin wird dem Verdächtigem genügend Zeit zugemessen, sich zu stellen und somit dem bissigen Mündel der Polizei zu entrinnen.

Falls der Täter sich nicht meldet wird der sogenannte „Blut-Hund“ losgelassen und der Hund beginnt sehr schnell mit seiner Suche, falls der Raum leer ist, betreten die Polizisten den vom Hund überprüften Raum, doch falls der Hund den Täter findet, versucht dieser ihn zu verbellen, falls dies auch nicht fruchtet und der Täter eine Fluchtbewegung ausübt, beißt der kräftige Hund zu. Daraufhin stürmen die Polizisten los und nehmen den Täter fest, diese werden abgetastet und in Handschellen gelegt.

Falls die Hunde jedoch in dem weitläufigen Einsatzgebiet sich auf die Suche nach Gegenständen, wie zum Beispiel Drogen oder Brandmittel begeben sollen, verfahren sie ähnlich der Tätersuche, sie rennen in dem ausgewähltem Gebiet umher bis sie etwas gefunden haben oder abgezogen werden, falls sie etwas ent decken beschlagnahmen die Beamten die Gegenstände und der Einsatz endet.


Das „Spielzeug“ vermittelt den Ernst der Ausbildung

Bargteheide / st – Die Ausbildung eines Spürhundes setzt sich im Wesentlichen aus Spiel- und Beutetrieb zusammen. Der Hund bekommt beim Spiel beigebracht, wie sein „Spielzeug“ riecht. Dazu wird z.B. ein Kunststoffrohr mit einer Substanz befüllt, wie Haschisch. Nach und nach erkennt der Hund das Spielzeug am Geruch und sucht in Wirklichkeit sein Spielzeug. Hat er sein vermeintliches Spielzeug gefunden, zeigt er dies entweder durch scharren an der Fundstelle (aktives Verhalten) z.B. an einer Tür oder er setzt sich davor und zeigt dort mit der Schnauze dran (passives Verhalten).

Zur Belohnung bekommt der Hund nun sein Spielzeug und er darf damit spielen. Später werden die Gerüche der Spielzeuge komplexer und können kombiniert werden.

Von Dressur unter Zwang sehen die Behörden schon seit langer Zeit ab, weil die spielerische Erziehung und die Triebförderung bessere Ergebnisse erzielen, als eine Handlung, die für den Hund unangenehm ist.

[] Sprengstoffspürhunde: werden auf das Erkennen des Geruchs von Sprengstoffen ausgebildet. Sprengstoffe sind nicht nur Sprengsätze, sondern auch Minen und andere Waffen. Die Ausbildung erfolgt über das Spielverhalten des Hundes, indem der Mensch ein Spielzeug, zum Beispiel ein „Bringsel“ (Beißwurst aus Stoff) mit geringen Sprengstoffproben präpariert. Der Hund verbindet den Geruch später positiv mit „spielen“ und ist so stark motiviert. Die Ausbildung ist hier gleich wie beim Drogenspürhund, mit einer geringen Menge von Echtstoffen.

Beim Auffinden eines Objekts setzt er sich zur Anzeige hin und macht so den Fund durch dieses passive Verhalten deutlich. Ein aktives Verhalten (zum Beispiel durch Kratzen am Objekt), wie es bei den Drogenspürhunden üblich ist, wäre hier für Hund und Hundeführer möglicherweise gefährlich oder gar tödlich.

[] Sprengstoffspürhund: Der Einsatz der Sprengstoffspürhunde läuft genauso ab wie der der Drogenspürhunde. Auch sie zeigen einen Fund passiv an.

[] Drogenspürhunde: siehe Sprengstoffspürhunde. Bei der Ausbildung werden statt Sprengstoffe Drogen genommen. Ein Drogenspürhund kommt zum Einsatz, wenn Polizisten bei einer Verkehrskontrolle oder einer Hausdurchsuchung Drogen vermuten, sie aber nicht finden können, bzw. keine Zeit haben lange nach den Drogen zu suchen. Die Hunde bekommen einen Bereich gezeigt, den sie nach Drogen durchsuchen sollen. Früher zeigten Hunde ihre Funde aktiv an, sie kratzen an der Stelle oder bissen in die Stelle, wobei öfters Sachschäden entstanden. Die gefundenen Drogen kommen entweder in die Asservatenkammer der Polizei, oder sie werden verbrannt.

[] Brandmittelspürhunde kommen zum Einsatz, wenn nach einem Brand der Verdacht auf Brandstiftung vorliegt. Sobald der Brandbereich abgekühlt ist, werden die Spürhunde eingesetzt. Sie durchsuchen den Bereich nach Brandmitteln wie Schwarzpulver etc.. Auch sie zeigen einen Fund passiv an. Der Hundeführer nimmt dort eine Probe, welche in einem Labor ausgewertet wird.

[] Leichenspürhunde kommen unter anderem zum Einsatz, wenn eine Person vermisst wird, oder es stark nach Verwesung riecht. Sie können Leichen unter der Erde, unter Wasser und in der Luft (auf Bäumen) finden. Sie zeigen einen Fund passiv und durch bellen an. Außerdem scharren sie die Erde über vergrabenen Leichen weg.

[] Wassersuchhunde werden speziell für Suchen von Personen unter Wasser ausgebildet. Sie können den Geruch von Menschen bzw. verwesenden Menschen trotz Strömung und sehr tiefem Wasser riechen. Ihre Ausbildung dauert länger als die normale Diensthundausbildung, da es eine sehr spezielle Ausbildung mit anderen Gerüchen als normal beansprucht.

[] Geldmittelspürhund: Diese Hunde arbeiten hauptsächlich beim Zoll. Sie durchsuchen Taschen nach Geld, welches illegal mitgenommen wurde (es dürfen maximal 10 000 Euro mitgenommen werden). Auch sie zeigen Funde passiv an.