[Stormarner Tageblatt vom 3.2.2007]


 

„Hier haben wir gewohnt“, erklärt der neue Leiter des Eckhorst-Gymnasiums, Christian Wendt, und zeigt mit dem Finger auf sein Domizil in Kapstadt. In Südafrika war der heute 62-Jährige sieben Jahre lang als Schuldirektor tätig. Privat liebt er die Segelfliegerei.
Foto: Stolte

BARGTEHEIDE - Er ist schon rumgekommen in der Welt, war allein in Kapstadt sieben Jahre lang als Schuldirektor tätig. Doch nun schließt sich in Stormarn wieder der Kreis: Seit 1. Februar leitet Christian Wendt das Gymnasium Eckhorst in Bargteheide. Gestern stellte sich der leidenschaftliche Segelflieger vor und plauderte ganz locker „aus der Schule“.

Bargteheide / vst – Nach 22 Jahren als Schulleiter des Kreisgymnasiums Eckhorst wurde Werner Biernoth – wie berichtet – feierlich verabschiedet. Dessen Fußstapfen füllt nun Christian Wendt aus, der den eingeschlagenen Kurs der Bargteheider Bildungsschmiede gemeinsam mit dem Kollegium denn auch weiter halten will. Das Gymnasium sei gut geführt, aktiv und erfolgreich, meinte der 62-Jährige. Gleichwohl möchte der neue Steuermann des renommierten „Schulschiffs“ eigene „Duftmarken setzen“, die Stärken im naturwissenschaftlichen und musischen Bereich vertiefen sowie Austauschprogramme erweitern.

Gerade den Schüleraustausch hält Wendt für sehr wichtig. Immerhin geht es darum, die Kinder für die Zukunft mit dem nötigen Rüstzeug auszustatten. Da könne es nicht schaden, einmal über den eigenen Tellerrand zu blicken und Deutschland aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Er selbst habe das sieben Jahre lang getan, als Direktor einer deutsch-internationalen Privatschule in Kapstadt, der mit 3,5 Millionen Einwohnern größten Stadt Südafrikas.

Von 2000 bis 2007 lebten Christian Wendt und Ehefrau Erika jenseits des Kreises Stormarn in dem fernen Land und haben die Zeit genossen – Horizonterweiterung inklusive. Die Leute seien offen, freundlich, locker, hilfsbereit und das Land einmalig. „Safari-Lehrer“ sei er aber nicht gewesen. „Die Schule hat einen schon sehr gefordert.“ Wendt war für 750 Schüler und gut 65 Lehrer verantwortlich.

Ähnliche Verhältnisse findet der Oberstudiendirektor nach seinem befristeten Auslandsaufenthalt (für Kapstadt hatte er sich beurlauben lassen) nun in Bargteheide vor und freut sich auf den neuen Job, den er allerdings aus dem „FF“ kennt: Vor Kapstadt war er über 13 Jahre lang Chef des Heimgarten-Gymnasiums in Ahrensburg. Sein Abitur hatte Wendt übrigens 1964 in Oldenburg (Ostholstein) gemacht. Dort ist er auch aufgewachsen. Heute leben die Eheleute Wendt wieder in ihrem Haus in Ammersbek.

Beruflich ist die Schule, der Umgang mit jungen Menschen, sein Ein und Alles. Privat schlägt sein Herz für die Segelfliegerei. Eine Leidenschaft, die in der Familie liegt. „Mein Vater hat mir das Segelfliegen beigebracht. Und ich habe es an meinen Sohn Michael weitergegeben. Der ist heute Berufspilot.“ Bereits als Junge war Christian Wendt auf Flugplätzen daheim. Heute ist er ausgebildeter Fluglehrer und hält dem Luftsportclub „Condor“ Ostholstein seit mehr als 50 Jahren als Mitglied die Treue. In der Luft – zwischen Himmel und Erde – tankt er auf, genießt die Ruhe, die grenzenlose Freiheit: „Da oben werden Probleme ganz klein.“

Was der fliegende Schulleiter auf der Erde gerne tut, ist verreisen und schmökern. Derzeit liest er „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann – die humorvolle und intelligente Geschichte zweier Wissenschaftler. Des weiteren schätzt Christian Wendt, der Englisch und Erdkunde unterrichtet, exquisites Essen und kann sich ferner für Unterhaltungsmusik erwärmen. Als Ausgleich zu seiner vorwiegend sitzenden Tätigkeit als Schulleiter schwimmt Wendt oder steigt aufs Fahrrad. „Stormarn hat ja ein gutes Radwegenetz.“ Überhaupt habe sich der Kreis demographisch und wirtschaftlich erfreulich entwickelt, erklärt Wendt und verweist auf die besten Arbeitslosenzahlen. Auch die Zahlen des Kreisgymnasiums Eckhorst können sich sehen lassen. Derzeit hat die Schule genau 694 Pennäler – Tendenz steigend! – und steht mit beiden Beinen fest in Schleswig-Holsteins Schullandschaft. Dass das so bleibt, dafür will sich das neue Gesicht des Gymnasiums mit ganzer Kraft einsetzen und somit einen Beitrag leisten – für Stormarn!

Volker Stolten