[Lübecker Nachrichten vom 6.7.2006]


 

Dieses Auto wird auch nach noch so viel Herumschrauberei nicht mehr fahren, aber die acht Schüler haben sein Innenleben gründlich kennen gelernt.
Foto: ALBROD


 

Elli probiert mit verbundenen Augen und Taststock den Blindenparcours aus.
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Projektwochen am Bargteheider Eckhorst Gymnasium umspannen eine breite Palette
VON BETTINA ALBROD

BARGTEHEIDE - Im Unterricht Autos reparieren, Graffiti sprühen oder Daunen unter dem Mikroskop betrachten – das alles gehört zum Angebot der Projektwoche, die heute am Bargteheider Eckhorst Gymnasium zu Ende geht. Knapp 600 Schüler besuchten 56 verschiedene Projekte zu allen Bereichen des Lebens, die etwas Sinnvolles vermitteln sollen. „Projektwochen finden bei uns alle zwei bis drei Jahre statt", so der stellvertretende Schulleiter Wolf Leichsenring. „Lehrer, Eltern und Schüler haben das Angebot gemeinsam entwickelt.“

Renner sind wie immer alle sportbezogenen Projekte, „aber da muss mehr hinterstecken als reine Bewegung“, so Mitorganisator Hermann Meyer. „Es gibt immer einen künstlerischen oder theoretischen Bereich dazu.“ 17 Paare schwingen im Ahrensburger Tanzstudio das Tanzbein, andere üben akrobatische Kunststücke, Kabarett oder Cheerleading ein, um das Ergebnis Ende der Woche in der Turnhalle zu präsentieren.

Es gibt das „Traumhaus“-Entwerfen bei einem Architekten, Kochen, Gitarre oder künstliche Intelligenz und auch ein paar Dinge, die recht ungewöhnlich sind. Dazu gehört das Thema „Umgang mit Blindheit“ von Lehrerin Anja Spee. „Wir bauen einen Blindenparcours auf, der hinterher mit verbundenen Augen und Taststock durchlaufen werden muss“, erklärt sie. Gläser füllen, ohne zu sehen, ein Besuch bei „Dialog im Dunkeln“ in Hamburg und der Kontakt zu Betroffenen stehen im Mittelpunkt der Arbeit. „Es interessiert mich zu erfahren, wie Blinde im Alltag zurecht kommen“, begründet Stina ihre Teilnahme. „Werden andere Sinne dadurch geschärft? Wie läuft der Alltag eines Blinden?“

Ganz handfeste Aufgaben dagegen haben acht Schüler auf einen Ahrensburger Schrottplatz geführt, wo sie unter Anleitung von Mechaniker Lothar Nickel und Lehrer Hans-Jürgen Popken lernen, kleinere Reparaturen am Auto durchzuführen. „Wir sind alle Fahranfänger oder machen gerade den Führerschein, da hilft es sicher, wenn man was übers Auto lernt“, meint Jan. Selber erste Hilfe leisten, wenn es um kleine Dinge geht, spart Geld und auch viel Zeit. „Ich habe selber immer viel an meinem ersten Auto gewerkelt“ erzählt Popken, „dabei kann man viel lernen, was später nützlich ist.“ Fachmann Nickel hilft aus, wenn einer nicht weiter weiß, und hat zwei Schrottwagen zum Basteln zur Verfügung gestellt. „Als erstes haben wir die Bremsen ausgebaut, das ist schwerer als wir gedacht haben", so Popken weiter.

Ein reines Schülerprojekt ist „Herr der Ringe", von Hannah Heinrich und Anja Hickmann als Literaturprojekt angelegt. „Wir haben mit den Interessenten abgestimmt, was besprochen werden soll." Rausgekommen ist die Sprache der Elben und der historische Zeitplan, der dem Fantasy-Dauerbrenner von Tolkien zugrunde liegt. Dazu entwickeln die Schüler eine Zeitleiste und beschäftigen sich mit der Welt der Tolkien-Protagonisten.

„Die Projekte werden heute ab 17 Uhr öffentlich vorgestellt“, so Leichsenring, der in der Projektwoche eine aussterbende Unterrichtsform sieht. „Das Konzept ist vor 15 Jahren entstanden, um den starren Frontalunterricht aufzulockern, aber mittlerweile gehört es zum Standard, dass man fächerübergreifend unterrichtet."