[Stormarner Tageblatt, 31.5.2005]

 

Vollbremsung: Die Schüler staunen, wie weit der Wagen über den Asphalt schlittert, nachdem Gisela Deitert das Signal gegeben hat.
Foto: Olbertz

 

Jens-Peter Pfeiffer vom ADAC erklärt den Schülern, wie das Anti-Blockiersystem funktioniert.
Foto: Olbertz

Bargteheide (Andreas Olbertz) – Quietschende Reifen Vollbremsung bei 50 Stundenkilometern. Fünft- und Sechstklässler des Gymnasiums Eckhorst erlebten gestern bei einem Verkehrssicherheitstraining, wie es sich anfühlt, von den Sicherheitsgurten aufgefangen zu werden. Mit der gemeinsamen Aktion von Schule und ADAC sollte den Kindern vermittelt werden, welche Wucht ein Auto hat und wie lange es bis zum Stillstand braucht.

Vollbremsung bei Tempo 50. Schüler des Gymnasiums Eckhorst durften dieses Gefühl gestern bei einem Sicherheitstraining mit dem ADAC kennen lernen. „Bei Tempo 30 sind das neun Meter, bis überhaupt etwas passiert.“
Thomas Wagener

Vollbremsung. Mit quietschenden Reifen schlittert der Kleinwagen über den nassen Asphalt. Die Kinder der Klasse 5a des Kreisgymnasiums Eckhorst staunen nicht schlecht. „Oh Mann, jetzt wäre ich wohl tot“, beschreibt einer der Jungen sein Gefühl. Die Schüler sollten vorher schätzen, wo der Wagen nach einer Vollbremsung zum Stehen kommt und die Stelle mit einem Hütchen kennzeichnen. Der Wagen lässt viele der orange-weißen Markierungen hinter sich.

Die Fünf- und Sechstklässler des Eckhorst-Gymnasiums kamen gestern in den Genuss ein Spezialtrainings. Unter dem Motto „Achtung Auto“ demonstriert ihnen ein Fahrer des ADAC, wie lang der Bremsweg eines Autos ist. Bei 50 Stundenkilometern benötigt ein Auto immerhin 27 Meter, bis es steht. Kinder müssen erst mal verinnerlichen, dass ein Auto nicht einfach stehen bleiben kann. Das geht am besten mit Selbsterfahrung: Aus vollem Lauf sollen die Kinder auf ein Signal hin stehen bleiben - und siehe da, sie können es nicht. Selbst wenn ein Autofahrer gut reagiert, benötigt er rund eine Sekunde, um den Fuß vom Gas- aufs Bremspedal zu bekommen. „Bei Tempo 30 sind das neun Meter bis überhaupt etwas passiert“, erklärt Thomas Wagener, Verkehrsbeauftragter im Gymnasium.

Mit der Verkehrserziehung ist es gar nicht so einfach. 20 Unterrichtsstunden sollen die Kinder der unteren beiden Klassenstufen jedes Jahr erhalten - aber nicht in einem bestimmten Fach, sondern übergreifend in Englisch, Physik, Deutsch und Erdkunde. Wagener gesteht: „Wir haben zwar viel Material, Folien und so etwas, aber die kommen hauptsächlich bei Vertretungsstunden zum Einsatz.“

Bei „Achtung Auto“ sind die Kinder mit Feuereifer bei der Sache. Thomas Wagener: „Wir hatten gefragt, ob die Veranstaltung wegen des schlechten Wetters nicht ausfallen soll. Aber daran war nicht zu denken.“ Im Gewerbegebiet trotzten die Kinder dem Regen und lernte, dass sich der Anhalteweg bei nur zehn Stundenkilometern mehr deutlich verlängert. Staunend standen sie vor den Hütchen, die Pilot Jens-Peter Pfeiffer „totgefahren“ hätte.

Nach der ganzen Theorie folgt eine praktische Erfahrung der ganz besonderen Art. Die Schüler dürfen in dem Wagen Platz nehmen, Jens-Peter Pfeiffer beschleunigt auf 50 Stundenkilometer und auf das Signal von Klassenlehrerin Gisela Deitert steigt er in die Eisen. Der Sicherheitsgurt bewahrt die Jugendlichen davor, durch die Autoscheibe geschleudert zu werden.

Rosanna Müller ist begeistert: „Ich war schon etwas ängstlich und habe nur nach vorne geschaut, auf die Fahne, wann das Signal kommt. Es ist schon aufregend.“ Hendrik Wistorp kannte das Gefühl bereits. „Ich hatte mal mit meiner Mutter einen Unfall, da kam plötzlich einer aus der Seite rausgefahren. Die Vollbremsung jetzt fühlt sich genauso an“, erzählt der Zwölfjährige.

Vollbremsung: Wann steht das Auto still?

[Ahrensburger Zeitung 3.6.2005]

Auch das Schätzen des Bremswegs gehört zum Sicherheitstraining für Schüler.

Von Jens Peter Meier

Bargteheide – Mit quietschenden Reifen kommt der Opel Corsa nach einer Vollbremsung zum Stehen. Sarah (11) ist erstaunt über den langen Bremsweg von 27 Metern, denn schließlich war das Auto nur 50 Stundenkilometer schnell. "Das hat mich schon überrascht", sagt die Fünftkläßlerin aus dem Gymnasium Eckhorst in Bargteheide. Zuvor hatte sie den Bremsweg eingeschätzt und den Haltepunkt mit einem Verkehrshütchen markiert: eine Aufgabe beim Sicherheitstraining des ADAC.

"Zum Bremsweg kommt noch der Reaktionsweg hinzu", sagt ADAC-Verkehrslehrer Jens-Peter Pfeiffer (38) den Kindern. Etwa eine Sekunde dauert es, bis ein Autofahrer auf Gefahren reagiert. "Bei Tempo 100 sind das schon 30 Meter, dazu kommt noch ein Bremsweg von 80 Metern", sagt Thomas Wagener (52), der Verkehrsbeauftragte des Gymnasiums. "Die meisten Kinder unterschätzen die Gefahr", meint Wagener, "selbst bei Tempo 30 kann ein Fahrer erst nach neun Metern reagieren."

Für die älteren Gymnasiasten geht es um Alkohol und Drogen. Als nächstes führt Jens-Peter Pfeiffer im neuen Gewerbegebiet Langenhorst ein Bremsmanöver mit abgeschaltetem Anti-Blockier-System vor: Der Corsa schlingert und schleudert. Dann dürfen drei Schüler mitfahren, erneut macht Pfeiffer eine Vollbremsung. Die Schüler erleben, wie sich ihr Körper in den Sicherheitsgurt preßt. "Bei Tempo 50 werden sie schon mit dem 50fachen des Körpergewichts nach vorne katapultiert", erläutert Thomas Wagener. "Trotz des Nieselregens wollten die Schüler nicht auf diesen Unterricht verzichten", freut sich der Lehrer. Was sie jetzt am eigenen Leib erleben, werden sie sicher nicht mehr vergessen, so seine Hoffnung. Das Verkehrssicherheits-Programm steht für alle fünften Klassen auf dem Lehrplan. "Es ist bereits fürs ganze Jahr ausgebucht", sagt Wagener. Am 20. Juni werden die Oberstufenschüler aus den zwölften Klassen über die Gefahren von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr informiert.