[Stormarner Tageblatt, 18.10.2005]

 

Polizeihauptkommissar Stamer erklärt Eltern und Schülern das Begleitete Fahren ab 17.
Fotos: Albrodt

Bargteheide - Die Schülervertretung des Eckhorst Gymnasiums hat eine Informations-Veranstaltung zum „Begleiteten Fahren ab 17“ organisiert. Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 20. Oktober, in der Zeit von 19 bis 20.30 Uhr in den Räumlichkeiten des Eckhorst Gymnasiums statt. Alle interessierten künftigen Fahranfänger sowie ihre potenziellen Begleiter sind zu dieser kostenlosen Veranstaltung eingeladen. Über das Thema informiert Peter Stamer, Leiter der Polizei-Zentralstation Bargteheide, im Auftrag der Landesverkehrswacht Schleswig-Holstein. Beim „Führerschein mit 17“ dürfen sich die jungen Leute nach bestandener Prüfung ans Steuer setzen, wenn ein erfahrener Beifahrer sie begleitet.

[Stormarner Tageblatt, 22.10.2005]

Mit 17 ans Steuer - aber bitte ganz behutsam!

Neuerdings dürfen Jugendliche schon mit 17 Jahren ans Steuer, wenn ein Erwachsener neben ihnen sitzt. Polizeichef Peter Stamer machte auf Probleme aufmerksam, die diese Regelung mit sich bringen kann.
Bargteheide


Bargteheide – „Ich bin nicht der Fahrer! Ich bin nicht der Fahrer! …“ - diesen Gedanken legte Polizeihauptkommissar Peter Stamer allen ans Herz, die künftig neben Sohn oder Tochter als Begleiter im Auto sitzen. Die hohe Kunst des Mundhaltens war ein Aspekt seines Vorbereitungskurses zum Thema „Begleitetes Fahren ab 17“. Auf Einladung der Schülervertretung war der Bargteheider Polizeichef ans Eckhorst-Gymnasiums gekommen.

Dass der für Eltern mindestens so interessant ist wie für Jugendlichen, bewies schon die Besuchermischung - mehr Erwachsene als Schüler waren erschienen. „Ich finde das „Begleitete Fahren“ gut“, befand Vater Thomas Wagener. „Ein Jahr mehr Erfahrung ist sicher sehr sinnvoll. Vor unserem Haus ist ein Jugendlicher tödlich verunglückt. In dem Alter ist das Unfallrisiko einfach höher.“

In der Tat erweist sich die Kombination aus Fahranfänger und Jugendlicher als riskant. „Die meisten Unfälle gibt es bei jungen Männern bis 25 Jahre“, weiß Stamer, aber ausgerechnet die saßen nicht im Publikum. Dort herrschten die jungen Damen vor, doch auch sie gehören zur Risikogruppe.

„Durch das „Begleitete Fahren“ bekommen Anfänger eine längere Lernzeit und mehr Fahrpraxis“, so Stamer. „In Schweden belegt die Statistik, dass dadurch die Unfälle um 40Prozent zurückgegangen sind.“ Tunnelblick, falsches Einschätzen von Verkehrssituationen, zu wenig Abstand oder zu hohe Geschwindigkeit sind die typische Anfängerfehler, wo behutsamer Rat vom Beifahrersitz nützlich ist. Die Betonung liegt dabei auf „behutsam“, denn, so Stamer: „Damit eröffnet sich in der Familie ein ganz neues Konfliktfeld.“ Mit 17 Jahren fährt auch die Pubertät mit, und geschicktes Verhalten des Begleiters ist genauso wichtig wie der Führerschein.

„Ich will unbedingt so schnell wie möglich selber fahren“, wünschte sich Birte Wagener (17). „Ich denke schon, dass mein Vater ein guter Begleiter ist, es wird nur nervig, wenn sich die Eltern zu viel kümmern.“ Das sieht Stamer genauso: „Ständiges Herumkritteln ist falsch, nicht anbrüllen und vor allem nicht ins Lenkrad fassen!“ Das sind absolute Tabus, an die sich auch die Begleiter gewöhnen müssen. „Mein Sohn ist 17, und ich habe mit ihm auf dem Verkehrsübungsplatz geübt. Es fällt schon schwer, nicht einzugreifen“, sagte Christian Restin. „Aber ich finde das Angebot ausgesprochen gut.“ Auch Janina Cordt lobte die Idee, obwohl sie mit 18 bereits alleine fährt. „Aber bei der ersten Fahrt nach Hamburg hätte ich mir schon jemanden neben mir gewünscht.“

Nicht nur Eltern, auch Fahranfänger wurden gewarnt. „In Stormarn erwischen wir pro Jahr 500 Fahrer, die unter Drogen stehen, damit ist unser Kreis Spitze im Landesdurchschnitt“, zog Stamer eine traurige Bilanz. „Wer Drogen genommen hat, gehört nicht ans Steuer!“ Deshalb riet er den Eltern zum „Schau mir in die Augen, Kleines“, denn die Pupille verrät alles.

Stamer betonte, dass im „Begleiteten Fahren“ auch eine Chance liegt: „Eltern sind später ruhiger, wenn ihre Kinder alleine unterwegs sind. Und wann hat man sonst noch so ein intensives Zusammensein mit seinem 17-jährigen Kind?“ „Aber“, ermahnt er: „Der Begleiter ist kein zweiter Fahrlehrer.“

BETTINA ALBROD