[Stormarner Tageblatt, 7.6.2005]

 

„Drei, vier“ - Jenny Siebken (re.) gibt den Takt für die „mobile Forelle“ vor. Die Idee stammt von Referendarin Kristin Richter (hinten).
Foto: Olbertz

Bargteheide (Andreas Olbertz) - „Drei, vier“, zählt Jenny Siebken leise vor und bewegt ihre Hände im Takt. Auf Kommando drücken ihre Mitspielerinnen Knöpfe ihres Handys. Schülerinnen und Schüler der Klasse 7c des Gymnasiums Eckhorst haben für das Sommerkonzert mit ihren Mobiltelefonen ein mehrstimmiges Stück programmiert und einstudiert. Heute Abend wird die „mobile Forelle“ in Anlehnung an Schuberts Komposition in der Kuhle ihre Premiere erleben. Das ist aber nur einer von zahlreichen Beiträgen - insgesamt sind knapp 300 Schüler, Lehrer und Eltern an dem Konzert beteiligt. Morgen steht eine weitere Aufführung auf dem Programm.

Premiere für das Handykonzert

Bargteheider Gymnasiasten präsentieren Schuberts Forelle in modernem Sound

Bargteheide – ol – Handys sind schrecklich: Die Klingeltöne nerven, und vor allem piepsen Mobiletelefone immer ausgerechnet dann, wenn es gerade überhaupt nicht passt.

Dass die Dinger auch durchaus sinnvoll eingesetzt werden können, beweist Kristin Richter mit der Klasse 7c vom Gymnasium Eckhorst. Die Schüler präsentieren heute Abend eine interessante Weltpremiere: Im Rahmen des Sommerkonzertes spielen sie eine mehrstimmige Komposition für Handys.

In einer Fachzeitschrift für Musikpädagogen entdeckte Kristin Richter einen Artikel über die Möglichkeiten von Handys. Dieser Beitrag endete mit einem Klingeltonwettbewerb, an dem sich die Klasse beteiligte. „Und weil das Sommerkonzert anstand, habe überlegt, ob das nicht auch was für die Aufführung wäre“, verrät die Referendarin. Doch das war gar nicht so einfach. „Handys verfügen nur über drei Oktaven, deswegen wird man keine vierstimmigen Kompositionen hinbekommen“, erklärt die Fachfrau. Auch der Rhythmus dürfe nicht zu kompliziert sein, weil die Handyprogramme beispielsweise keine Triolen zulassen. „Deshalb kam ein Popsong nicht in Frage“, so Kristin Richter. Ihre Wahl fiel auf Schuberts „launige Forelle“.

Aus einem Chorsatz wurden Melodie und zweite Stimme Handy gerecht zur „mobilen Forelle“ aufbereitet. Anhand einer Programmiertabelle kann jede Note in eine entsprechende Tastenkombination umgesetzt werden. Die erste Zahl bestimmt die Länge wie Viertel, Halbe oder Achtel. Dann wird er Ton eingegeben, gefolgt von der Bezeichnung für die Oktave. So weit so einfach - der Teufel steckt wie immer im Detail. Kristin Richter: „Das ganze geht sowieso nur mit etwas älteren Handys. Bei den ganz modernen ist kein Tone-Editor mehr dabei. Und bei Siemens sind die Pausen anders als bei Nokia.“ Entsprechend war auch bei den Telefonisten eine Feinabstimmung nötig.

Weiteres Problem: Der Handyspeicher ist nicht unbegrenzt groß. Eine Stimme passt nicht komplett auf ein Handy. Also wurde die Melodie stückchenweise auf den Mobiltelefonen gespeichert. Wie eine Dirigentin zählt Jenny Siebken kurz vor, damit ihre Mitspieler ihre Handys zeitgleich starten. Diejenigen, die den zweiten Teil in ihrem Speicher haben, müssen rechtzeitig den Startknopf drücken, damit die Forelle nahtlos weiterschwimmt. Wie bei klassischen Instrumentalgruppen kommt es dabei natürlich auch auf Synchronität an - die wird noch bis zur letzten Minute geprobt. „Sonst darf man an der Schule gar nichts mit Handys machen und jetzt ist es Teil des Unterrichts. Ich finde es besser als Mozart“, schwärmt Elisabeth Appel. „Es ist mal was anderes“, pflichtet ihr Jenny Siebken bei.

Die Jungs halten sich bei dem Projekt auffallend zurück. Vielleicht liegt es ja daran, dass sie Handys der neusten Generation haben, die dafür ungeeignet sind. Der überwiegende Teil der Ensemblemitglieder ist weiblich und beherrscht auch Instrumente wie Klavier, Tenorsaxofon oder Flöten, mit denen sie sich am Sommerkonzert beteiligen.

Mehr als 300 Schüler, Lehrer und Eltern beteiligen sich an den Sommerkonzerten heute und morgen jeweils ab 19.30 Uhr in der Kuhle des Gymnasiums Eckhorst.

[Stormarner Tageblatt, 11.6.2005]
Stormarner Wochenschau

Klingeltöne, Höhenblick und ein Doppelpack

Rüdiger Klaus Schwarz

Hast du Töne! Den Ausruf des Erstaunens haben die Schüler der 7c am Gymnasium Eckhorst auf ihre eigene Art nachhaltig beantwortet. Im Rahmen der Sommerkonzerte feierte ihr Handykonzert zu Beginn der Woche in Bargteheide gelungene Premiere. Schuberts launige Forelle zeigte sich dabei verwandlungsfähig und beeindruckte Jung und Alt als „mobile Forelle“. Ein Beweis mehr, dass gute Musik nahezu alles aushält, und der „Zeitgeist“ mit seinen eigenen Medien in der Schule sinnvoll Ausdruck findet. Zur Nachahmung empfohlen.

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