[Stormarner Tageblatt, 8.6.2004]

Sie waren drei Tage für das Baby verantwortlich: Lara Deininger (l.) und Pauline Domke.
Fotos: hu
Die Schüler der 10a vom Eckhorst-Gymnasium waren Eltern auf Zeit: Hier wiegen Janina (l.) und Merle die "Babys" im Klassenraum.

Bargteheide(Stefan Huhndorf) – Liebevoll hält Pauline Domke (16) den kleinen "Tjerk" auf ihrem Arm und wiegt ihn sanft - und das obwohl er die junge Todendorferin und ihre Freundin Lara Deininger die ganze Nacht auf Trab gehalten hat: Ein Wochenende waren die beiden Eckhorst-Gymnasiastinnen ein Paar auf Zeit und haben sich 60 Stunden um die Puppe gekümmert. Bei diesem Versuch, den es erstmals in Stormarn gab, lernten die Schüler, wie groß die Verantwortung von Eltern ist. Denn die Puppe hat es in sich: Ähnlich wie die Tamagotschis, die vor einigen Jahren die Kinderzimmer eroberten, brauchen die Puppen vom "Internationalen Bund" in Lübeck Pflege - und das rund um die Uhr. "Die Jugendlichen müssen sie füttern, die Windeln wechseln und in den Schlaf wiegen. Es gibt stressige und pflegeleichte Exemplare. Welches man erwischt, weiß keiner vorher - wie nach einer richtigen Geburt", sagte Projektleiter Andreas Schröder. Lara und Pauline, die als Paar in Todendorf lebten, hatten eine der anstrengenderen Varianten erwischt. "Sonntagnacht hat er sechs Mal geschrien. Wir haben ihn abwechselnd in den Schlaf gewiegt. Beim Dorffest war er ruhiger. Wir hatten ihn in einem Tragetuch mitgenommen", berichtet Pauline. "Es war allerdings ein komisches Gefühl. Erst schauten uns die Leute groß an, weil sie glaubten, wir hätten in unserem Alter schon ein richtiges Baby. Als sie sahen, dass es eine Puppe ist, schüttelten sie fassungslos den Kopf, weil sie wohl dachten, wir spinnen", erzählt Lara. "Es war stressig, aber schön. Mit einem Baby werde ich mir mit Sicherheit noch Zeit lassen", sagte die Bargteheiderin. Die Aktion, an der sich 20 Schüler der 10 a beteiligten, hatte einen ernsten Hintergrund: Wegen mangelnder Aufklärung werden immer mehr Kinder schwanger. In 2003 trieben 760 Zehn- bis 14-Jährige ab. Auf diese Situation wollte Biologielehrer Klemens Risse reagieren. "Es ein Wahlthema, sich mit Kindern und Schwangerschaft zu beschäftigen. Die Schüler wollten das gerne machen. Wir haben uns auch mit Verhütung befasst. Das Baby-Experiment war der Abschluss", so Risse.