[ Erschienen: Stormarner Tageblatt, 07.05.2004 ]

Sie zeigen stolz ihre Zertifikate: Robin Marwege, Vera Feldmann und Gerrit Bahlo (v. l.).
Foto: hu

Bargteheide (hu) – Wenn andere Schüler ihre Freizeit genießen, büffeln sie seit drei Jahren bei einem Zusatzkurs am Eckhorst-Gymnasium russische Vokabeln: Die Mühe hat sich für Robin Marwege (18) aus Bargteheide und den Ammersbeker Gerrit Bahlo (20) gelohnt. Gemeinsam mit ihrer Mitschülerin Vera Feldmann (19) - einer Spätaussiedlerin, die allerdings schon seit vielen Jahren nur noch gelegentlich ihre Muttersprache benutzt - stellten sie sich in Kiel mit Erfolg einem neuen vom russischen Erziehungsministerium initiierten Sprachwettbewerb. Gestern überreichte der stellvertretende Rektor Wolf Leichsenring seinen Schülern ihre Zertifikate von der Moskauer Universität.

"Es war schon aufregend. Die anderen neun Teilnehmer hatten ein Jahr länger Russisch-Unterricht als wir. Zur Prüfung gehörte auch ein Hörtest mit einer Geschichte über das Einkaufen. Das war ganz anders als im Unterricht", sagte Robin Marwege. "Wir hatten ein schlechtes Gefühl, weil die Kassette stark rauschte und die Stimmen nur schwer zu verstehen waren. Das Zertifikat kann aber später im Beruf positiv sein. Deshalb hat es sich gelohnt, andere Freizeitaktivitäten zurückzustellen", fügte Gerrit Bahlo hinzu. "Die Zertifikate werden weltweit anerkannt. Sie können eine wichtige Zusatzqualifikation für die spätere Stellensuche sein. Gerade vor dem Hintergrund der EU-Osterweiterung wird russisch immer wichtiger. Der Erfolg unserer Schüler zeigt, dass wir mit dem freiwilligen Unterricht auf einem guten Weg sind", betonte Leichsenring. Zumindest Gerrit Bahlo und Vera Feldmann wollen ihre Kenntnisse praktisch nutzen. Beide wollen kaufmännische Berufe ergreifen und hoffen, dass das Zertifikat sie wegen des zunehmenden Handels mit Osteuropa weiterbringt. Robin Marwege strebt einen Job im Bereich des Umweltschutzes an.

Moskau hat es bescheinigt:
Diese drei können Russisch

[ Erschienen: Ahrensburger Zeitung, 11.05.2004 ]

Bargteheide: Eckhorst-Gymnasiasten haben als erste Stormarner ein weltweit anerkanntes Uni-Zertifikat erhalten.


Von Jens Peter Meier
Bargteheide - "Die Osterweiterung der Europäischen Union hat mich motiviert, Russisch zu lernen", sagt Robin Marwege (18). Nach zweieinhalb Jahren Unterricht am Bargteheider Eckhorst-Gymnasium hat er jetzt ein Diplom in der Tasche. Die Moskauer Lomonossov-Universität bescheinigt ihm darin seine Sprachkenntnisse. Wie Robin haben auch Vera Feldmann (19) und Gerrit Bahlo (20) die Prüfung an der Kieler Universität bestanden und damit als erste Stormarner das weltweit anerkannte Zertifikat erhalten. Erst seit vorigem Jahr bietet das Bildungsministerium der Russischen Föderation in Zusammenarbeit mit der Moskauer und der Kieler Uni diese Möglichkeit an.

Außer der Bargteheider Schule hat ein Flensburger Gymnasium Prüfungskandidaten an die Christian-Albrechts-Universität entsandt. Während zwei Jungen dort die Elementarstufe bestanden, kam Vera Feldmann schon weiter. Sie hat bereits eine weitere Prüfung absolviert und mit sehr gutem Erfolg bestanden. Die Aussiedlerin verfügt aber auch über Vorkenntnisse: "Ich lebe seit fünf Jahren hier in Deutschland und möchte meine Russischkenntnisse bewahren und auffrischen", nennt die Bargteheiderin ihr Motiv. Bei ihr zu Hause wird Deutsch gesprochen.

Vier Wochenstunden zusätzlich zum regulären Stundenplan investieren die Schüler für ihren Kursus. Gerrit denkt dabei wie Robin bereits an seine berufliche Zukunft: "Im Osten öffnet sich ein riesiger Markt. Ich möchte meine Chancen wahrnehmen." Dafür ist er bereit, einen Teil seiner Freizeit zu opfern. Gerrit möchte nach dem Abitur einen kaufmännischen Beruf lernen, Robin will im Umweltschutzbereich arbeiten. Auch Vera setzt darauf, dass die Sprachkompetenz ihr später beruflich nützen wird. Sie strebt eine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung an.

Bei der Prüfung in Kiel ging es um das Hör- und Textverständnis. Dabei mussten die Schüler mit eigenen Worten eine Einkaufssituation schildern, die ihnen zuvor mit einer Kassette vorgespielt worden war. Außerdem wurden natürlich Grammatikregeln und Vokabeln abgefragt. Etwa sechs Stunden schwitzten die Schüler über den Aufgaben. "Eine Vorbereitung war kaum möglich", berichtet Gerrit. "Einen speziellen Lehrgang gibt es aber noch nicht", sagt Lehrer Wolf Leichsenring (57), der die Arbeitsgemeinschaft am Eckhorst-Gymnasium betreut. Bisher gibt es nur Musteraufgaben und Prüfungsvorschläge, die aus dem Internet heruntergeladen werden können.