[Stormarner Tageblatt, 27.09.2003]

Bargteheide (ba) – Am Gymnasium Eckhorst in Bargteheide sind zurzeit 26 junge Französinnen und Franzosen zu Gast: Die Schüler des Collège Sainte Marie in Déville lès Rouen lernen eine Woche lang ihre Partnerstadt in Deutschland kennen. "Wir haben für die Zeit Ausflüge nach Hamburg, Berlin und Lübeck geplant. Außerdem besuchen die Schüler an zwei Tagen den Unterricht", erklärt Lehrerin Hildegard Steil-Ströhmann, die den Austausch organisiert hat. Doch auch der ist nicht ganz so wie sonst. Am Donnerstag beispielsweise führte das Berliner "Theatre Anima" ein ungewöhnliches Theaterstück auf, bei dem die eine Hälfte französisch gesprochen wurde, die andere Hälfte auf Deutsch. "So ähnlich läuft es in den Gastfamilien", erläutert Lehrer Joachim Eiffler. "Da verständigen sich die Schüler auf Englisch, Deutsch, Französisch und mit Hilfe von Mimik und Gestik."

Zwei bis drei Jahre Deutsch haben die meisten Besucher gelernt, eine dritte Gruppe hat erst ein paar Wochen lang Deutschunterricht gehabt. Dennoch verstehen sich die Schüler der achten und neunten Klassen prächtig. "So gut haben sich lange keine Schüler mehr vertragen", freut sich Hildegard Steil-Ströhmann. Dazu trägt bei, dass die Kinder im Wesentlichen die gleichen Hobbys teilen - Fußball und Computerspiele. "Schön", finden sie es übereinstimmend in Deutschland, "nur das Essen schmeckt zu Hause besser", ergänzt Elsa. Nur schwer können sie sich an das frühe Abendbrot gewöhnen. "Bei uns ist so ein Essen Kaffeetafel", erklärt Lehrerin Anie De Abreu, denn in Frankreich isst man viel später zu Abend, und dann meistens warm und mit mehreren Gängen. "Die Lebensart ist in Deutschland anders", stellen die Schüler folglich fest. Ihnen fielen weitere Unterschiede auf. "Die Deutschen sind im Unterricht viel freier", hat Elsa beobachtet. Während sie in Frankreich streng im Klassenzimmer bleiben müssen, dürfen die Deutschen sich auf dem Schulgelände frei bewegen oder in der Stunde auch schon mal essen. "Das gibt es bei uns nicht", so Anie De Abreu. In Frankreich ist auch nachmittags Schule, dafür ist der Mittwoch immer frei. Robert hat außerdem seine Zweifel, was die Fußgängerüberwege angeht. "Hier muss man stehen bleiben, ehe man über die Straße geht", schimpft er - das rote Männchen an der Fußgängerampel ist in Frankreich unbekannt. "Da gehen wir immer über die Straße wie wir wollen."