[Stormarner Tageblatt, 13.6.2003]

Wer hat die Schwester ermordet?: eine Szene aus "Die Physiker".

Foto: Bettina Albrod

Bargteheide (Bettina Albrod) – Wie weit darf die Forschung gehen? Das ist eine Kernfrage des Stücks "Die Physiker" von Friedrich Dürrenmatt, das nach dem Atombombenabwurf von 1945 als dramatische Auseinandersetzung mit der Verantwortung der Wissenschaftler entstand. Diesen schwierigen Stoff hatten sich Zwölftklässler vom Deutsch-Leistungskurs des Gymnasiums Eckhorst für ihr Theater-Debüt ausgesucht. Und sie brachten es hervorragend auf die Bühne: Frederik Vollert begeisterte in der Rolle des verantwortungsvollen Physikers Johann Wilhelm Möbius, der sich in eine Irrenanstalt verkriecht, um seine bahnbrechenden Entdeckungen zu verschweigen. So will er die Welt retten. Als er Gefahr läuft, entlarvt zu werden, wird er zum Mörder. Doch das hilft alles nichts: Die geschäftstüchtige Ärztin Mathilde von Zahnd, sehr gut in Szene gesetzt von Mareike Höckendorff, hat sich alle wichtigen Erkenntnisse längst unter den Nagel gerissen. In Dürrenmatts Stück ist es das Spiel mit den zwei Realitäten - im Irrenhaus und in der "normaler" Welt - das den Reiz ausmacht. Und das setzten die Schüler perfekt um. Die Zuschauer konnten sich aber nicht nur über einen anspruchsvollen Theaterabend freuen, sondern auch etwas für einen guten Zweck tun. "Wir nehmen keinen Eintritt, sondern sammeln für die Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges", sagte Lehrerin Birgit Fluhr-Leithoff. "Das ist im Sinne Dürrenmatts".