[Stormarner Tageblatt, 22.09.2003]

 Chemie für den Alltag: Schüler des 12. Jahrgangs nutzen Obst um Strom zu erzeugen. Foto: Kröning

Bargteheide – (Anette Kröning) Sie machten Strom aus Zitronen, rührten Hautcreme, holten Kohlensäure aus dem Bier und Fett aus der Schokolade. Um zu zeigen, was sie gelernt haben, waren mehr als 50 Jungen und Mädchen sogar am Sonnabend in die Schule gekommen zum "Tag des offenen Chemieunterrichts im Jahr der Chemie 2003". Am Gymnasium Eckhorst zischten Bunsenbrenner, klingelten Rührstäbchen und es roch auch etwas seltsam. Weiße Kittel und blaue Schutzbrillen dominierten in Fachräumen und auf den Fluren. Besonders jüngere Schüler, die noch keinen Chemieunterricht haben, machten begeistert mit und lernten fürs Leben. Die elfjährige Johannes Weiland war erstaunt: "Wenn man Azeton in flüssige Schokolade rührt, trennt sich das viele Fett ab, und ganz wenig Kakao und Zucker bleiben übrig." Das konnte der Bargteheider deutlich beobachten, als er – schon ganz Forscher – den Papierfilter füllte und sah, was und wie viel unten heraus tröpfelte. Reichlich weißes Fett, das gar nicht appetitlich wirkte. "Und dabei ist Schokolade doch so lecker."

Nebenan wurden Shampoos gerührt und trockene Haare auf feucht-heiße Wickler gedreht. Klar, dass das Locken ergibt, aber wieso? "Weil feuchte Wärme das Haar weich und formbar macht", erklärte Christopher Spaete (12. Jahrgang) die plötzlichen Kräusel in der Mähne von Mitschülerin Sophia Buhs. Geradezu im Experimentierfieber befand sich eine Gruppe des elften Jahrgangs. Sie benützte nicht nur Zitronen, sondern auch Pfirsiche und Kartoffeln, um Strom zu erzeugen: Begeistert betrachtete man den kleinen tickenden Fahrradcomputer, reichte einen Kopfhörer herum, der leise knackte: Die Schüler hatten eine elektrochemische Reaktion zur Stromerzeugung hingezaubert. Per Lackmus-Papier testete Schulleiter Werner Biernoth den Ph-Wert von Geschirrspülmittel, Cola, Milch und anderen alltäglichen Substanzen. "Mir gefällt heute besonders, dass die Fachlehrer sich zurückhalten und die Schüler mal richtig selbstständig arbeiten lassen", erklärte er. Beim nächsten "Tag der offenen Tür", das steht schon fest, darf im Chemieraum wieder experimentiert werden.

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