[Stormarner Tageblatt, 3.5.2003]

Gleichgewichtsübung: Verkehrslehrer Tino Sdunek gibt Marcel während der Fahrt einen Ball.
Foto: hu

Bargteheide (Stefan Huhndorf) – Da stockte Thomas Wagener der Atem: Als der Lehrer vom Parkplatz des Eckhorst-Gymnasiums fahren wollte, fuhr ihm ein Schüler mit seinem Mofa direkt vor das Auto. Einen Radfahrer hatte er im Schlepp. "Ich konnte gerade noch bremsen. Die Jungs hätten tot sein können", berichtete der Verkehrsbeauftragte der Schule. Für die beiden gab es eine Standpauke, und andere Neuntklässler büffeln jetzt in Theorie und Praxis Verkehrsregeln. Es sind zwar nur elf Mädchen und Jungen, die an dem Unterricht teilnehmen, aber der erzieherische Effekt reicht wesentlich weiter, ist sich Wagener sicher. "Die 15-Jährigen sind besonders risikofreudig und neigen dazu, ihre Fähigkeiten im Straßenverkehr zu überschätzen. In Theorie und Praxis lernen sie, sich der Gefahren bewusst zu werden", so der Lehrer. Und seine ersten Erfahrungen haben gezeigt, dass die Jugendlichen sensibilisiert werden und auch positiv auf Altersgenossen einwirken. Deshalb soll die Mofa-Schule der Lübecker Polizei nach dem erfolgreichen Start auch im nächsten Jahr wieder ins Gymnasium kommen.

Dass Mofa fahren gar nicht so einfach ist, merkten die Schüler nach 20 Stunden Theorie jetzt auf dem Hof. Die weinroten Gefährte geradeaus zu lenken, stellte für keinen ein Problem dar. Doch als die Verkehrslehrer Tino Sdunek und Hans Jensen ihnen während der Fahrt Bälle reichten, kamen die ersten ins Schwitzen. "Das ist eine Übung für das Einhändigfahren. Das müssen die Schüler beherschen, um beim Abbiegen die Fahrtrichtung mit der Hand anzeigen zu können", erläuterte Jensen. Noch schwieriger waren die Bremsübungen. "Schnell zum Stehen kommen, kann Leben retten. Dabei ist die Sturzgefahr aber extrem hoch, wenn man die Notbremsung nicht übt", so Hans Jensen.