[Stormarner Tageblatt, 6.2.2002]

Nach einer Idee von Rimma Chrapai (rechts) spielten die Schüler einen Besuch im russischen Restaurant und lernten dabei "unübersetzbare" Gerichte kennen.
Foto: Schult

Bargteheide (Barbara Schult) – Was mag der Tourist bloß bekommen, der in einem russischen Lokal "Hering unterm Pelzmantel" bestellt? Obwohl sie seit zweieinhalb Jahren intensiv Russisch lernen, konnten die Schüler des 13. Jahrgangs am Gymnasium Eckhorst dieses Rätsel bisher nicht lösen. Doch jetzt haben sie eine Expertin, die ihnen die eigentlich unübersetzbaren Feinheiten erklärt. Rimma Chrapai aus Novosibirsk unterrichtet für ein Jahr als Sprachassistentin an der Schule. Sie weiß, was alles auf den Hering gehört, unter anderem rote Rüben und Majonäse und versichert, dass es sich um ein sehr leckeres Gericht handelt.

Mit der jungen Russin zu sprechen, war für die Gymnasiasten eine ungewohnte Erfahrung. Schon wegen des viel schnelleren Sprechtempos sei sie schwer zu verstehen gewesen. Zudem unterscheide sich die Alltagssprache deutlich von dem Russisch, das im Lehrbuch steht. "Wenn ihr sechs Monate in Russland wart, sprecht ihr perfekt und versteht alles, ermuntert sie die Schüler. "Von meinem Kurs erwarte ich, dass alle nach Russland kommen", erklärt die 23-jährige Sprachassistentin. Die Fotos vom sibirischen Winter zeige sie ihnen vorsichtshalber jedoch nicht mehr.

Während die Schüler noch einige Probleme haben, ist Rimma Chrapais Deutsch von dem der Gymnasiaten kaum zu unterscheiden. Obwohl sie nach fünfjährigem Deutschstudium in Novosibirsk erst seit September in Bargteheide lebt, hat sie die Alltagsfloskeln akzentfrei übernommen. Bereits während des Studiums hatte sie sich vorgenommen, für einige Zeit ins Ausland zu gehen. Über den pädagogischen Auslandsdienst hat es geklappt. "Ich wollte mein Deutsch verbessern und längere Zeit die Sprache hören", erklärt die 23-Jährige. Außerdem wollte sie das Land richtig erleben und nicht nur aus den Zeitungen kennenlernen. Dabei hat sie nicht nur positive Erfahrungen gemacht. So wurde sie als Schwarzfahrerin bestraft. "Dass ich gar kein Ticket kaufen konnte, haben sie mir nicht geglaubt. Das ist eben deutsche Bürokratie", ist Rimma Chrapai überzeugt. Außerdem entbehre sie die menschliche Wärme, die durch die "übertriebene russische Gastfreundschaft " entstehe.

Und noch einen großen Unterschied hat sie festgestellt. In Deutschland würden die Kinder von klein auf lernen, selbstständig zu sein. In Russland dagegen würden die Kleinen verwöhnt und umhätschelt. "Deshalb bin ich ein verwöhntes Kind meines Landes." Auf jeden Fall will sie eines Tages wieder in Novosibirsk wohnen, "weil es mir vertraut ist". Zuvor plant die 23-Jährige jedoch noch ein Jahr zum Sprachenlernen in England und vielleicht einen längeren Aufenthalt in den baltischen Länder.