kopierfrei 1 kopierfrei 2 kopierfrei 3 kopierfrei 4 kopierfrei 5

Claudia Vogel, 30.1.2019

 
Im Stormarner Tageblatt erschien zu diesem Thema der folgende Artikel:

Schluss mit dem Kopier-Wahnsinn

[ Stormarner Tageblatt vom 31.1.2019 ]

Patrick Niemeier
Bargteheide

Jeder Lehrer hat – je nach Dauer seiner bisherigen Zeit im Job – eine Menge Unterrichtsentwürfe in der Schublade. Ein Nachteil dabei: Oftmals müssen die archivierten oder auch frisch ausgearbeiteten Fragestellungen und unterrichtsbegleitenden Materialien für die Schüler kopiert werden. Das ist ein geradezu selbstverständlicher Akt an Schulen geworden, was nicht nur die Schlange an den Kopieren vor Unterrichtsbeginn oder in manchen Pausen zeigt.

4,5 Millionen Kopien an sieben Schulen im Jahr

Doch wie viele Kopien werden eigentlich angefertigt und was bedeutet das für die Umwelt? Die Antworten darauf hat Bargteheides Klimaschutzmanagerin Ulrike Lenz für ihre Stadt parat. In jedem Jahr werden an den sieben Schulen der Stadt sage und schreibe über 4,5 Millionen Kopien gefertigt. Dabei werden knapp 3,4 Millionen Blatt Papier verwendet. „Würde man dieses Papier stapeln, dann wäre der Turm 340 Meter hoch. Zum Vergleich: die Elbphilharmonie ist 110 Meter hoch, der Eiffelturm 300 Meter“, so Lenz. Hinzu käme außerdemnoch der Energieverbrauch bei der Papierherstellung (71 327 Kilowattstunden) und der Energieverbrauch der Kopierer (10 648 Kilowattstunden) im Jahr. Letzterer entspreche ungefähr 10 650 Waschgängen einer Waschmaschine.„Das sind alles beeindruckende Zahlen, finde ich“, führt Lenz aus. Hinzu kämen – abgesehen von den ökologischen Konsequenzen – auch noch die Kosten, die entstehen. „Der Papiereinkauf und der Strom für die Kopierer kostet die Stadt jährlich 29 000 Euro“, hat die Klimaschutzmanagerin errechnet. Doch was dagegen tun? Die Schulen hatten die Idee, drei kopierfreie Tage durchzuführen. Schüler und Lehrer zeigten sich überrascht von den Effekten. So berichteten Lehrer von einer „Entschleunigung“, weil die Hektik am Kopierer entfalle, außerdem habe man eine strukturiertere Arbeitsweise feststellen können. Schüler stellten fest, dass die Aktion auch durchaus sofort zu weniger Müll führt, da weniger lose Zettel irgendwo herumfliegen.

Viele Anregungen mitgenommen

Andererseits berichteten junge Lernende auch davon, dass sie in der Zeit mehr Collegeblockpapier verbrauchten. Die Lösungen für das Problem klingen oftmals einfacher, als sie sind. Denn auch ein Umstieg auf digitale Endgeräte funktioniert ja nicht kosten- und emissionsfrei. Akkus müssen geladen, Geräte überhaupt erst angeschafft, die Infrastruktur geschaffen werden. Und wie sieht es eigentlich mit dem Datenschutz aus, wenn alles über Internet, Tablets und Smartphones läuft? Der Rückgriff auf Schulbücher ist in manchen Fächern möglich, in anderen existierten keine passenden Werke oder sie müssen wegen schlechter Verarbeitung nach ein oder zwei Jahren auch wieder ersetzt werden. „Eine Möglichkeit wäre es ja, dass wir das Ziel verfolgen, pro Tag und Schüler eine Kopie zu sparen“, so Lenz. Alleine das würde Einsparungen erbringen. „Ich habe viele Anregungen mitgenommen über die wir diskutieren werden“, so Bürgermeisteirn Birte Kruse-Gobrecht abschließend nach dem konstruktiven Austausch.